Mit 21 schon Lebensretter – als Held fühlt Luca sich trotzdem nicht
Luca Kettner ist 21 Jahre alt, Student, er spielt in seiner Freizeit Spikeball oder spaziert durch Ottensen – und er hat ein Leben gerettet. Er ist einer von rund 169.000 in Hamburg registrierten Stammzellspendern. Im März hat er seine Stammzellen einer Frau gespendet. Wie ein Held fühlt er sich allerdings nicht.
Als Spender registrierte sich Kettner, als er eine Live-Übertragung seines Lieblingsstreamers „Papaplatte“ am Weltblutkrebstag 2024 verfolgte. Der Kölner hat im Netz knapp 2,9 Millionen Follower – einer von ihnen ist Kettner.
In dem Stream rief „Papaplatte“ seine Follower dazu auf, sich als Stammzellspender zu registrieren. Kettner, dem die Idee schon vor ein paar Jahren kam, der sie aber nie durchzog, folgte dem Aufruf: „Ich habe mich noch während des Streams bei der DKMS registriert“, erzählt er.
Für die Spende muss Luca nach Berlin
Es dauerte eine Woche, dann kam das Testkit in seiner Wohnung in Altona an. „Stäbchen rein, Spender sein“, erinnert sich der 21-Jährige. Er schickte seine Probe zurück – und hörte erst mal nichts. Nach knapp acht Monaten kam dann die Nachricht: Kettner kommt infrage für eine Stammzellspende. Es folgte ein Gang zum Hausarzt, eine Blutprobe nehmen lassen. Die Probe passte: „Nach drei Wochen hieß es: Ich bin der Richtige“, erinnert er sich.
Über die Person, der er seine Stammzellen spendet, wusste er zu dem Zeitpunkt noch nichts. Zunächst musste in Beratungsgesprächen festgestellt werden, welche Spendenmethode für ihn infrage kam. Es wurde die Blutstammzellenspende. Dafür fuhr Kettner nach Berlin. In Hamburg gibt es dieses Verfahren noch nicht.
Luca: „Da wurde mir erst richtig klar, dass ich etwas Gutes getan habe“
Das Prozedere dauert bei ihm ganze fünf Stunden. Während sein gesamtes Blut dreimal aus seinem Körper heraus- und wieder hineingepumpt wird, schaut er fröhlich Star-Trek-Filme. Angst oder Nebenwirkungen hatte er damals nicht, wie er heute sagt. Er freut sich, dass er jemandem helfen konnte. Kettner ist einer von 1835 Hamburgern, die bereits ihre Stammzellen gespendet haben.
Einen Tag nach seiner Spende erfuhr er mehr über die Empfängerin: eine 30- bis 40-jährige Italienerin. „Das hat es zum ersten Mal greifbar für mich gemacht“, sagt er. „Da wurde mir erst richtig klar, dass ich etwas Gutes getan habe. Vielleicht ist sie Mutter und ich konnte helfen, dass ihre Kinder sie auch als Mutter behalten können.“
„Du bist ein Held, Junge“ – „Papaplatte“ bedankt sich bei Luca
Erst im März 2026, ein Jahr nach der Spende, darf Kettner anonymen Brief- oder Mail-Kontakt mit ihr aufbauen. Erst dann wird er erfahren, ob seine Spende tatsächlich helfen konnte. „Ich habe auf jeden Fall vor, ihr zu schreiben“, sagt er.
Das könnte Sie auch interessieren: „Ich hatte keine Angst“: Der Mann, der am Hauptbahnhof Schlimmeres verhinderte
Doch zuvor hat sich jemand anderes bei ihm gemeldet – sein Idol. „Du bist ein Held, Junge“, so „Papaplatte“ in einer Videobotschaft. „Ich wollte mich noch mal persönlich bedanken. Geil, dass du das machst.“ Für Kettner ein Highlight. „Er hat mich als Held bezeichnet“, erzählt er stolz, sagt dann aber: „Dabei habe ich mich gar nicht als Held gefühlt. Das Ganze war mit so wenig Arbeit für mich verbunden.“