Mirza (2) in Billstedt totgerast! „Mein kleiner Bruder fehlt mir so sehr!“

Während der kleine Mahir (r.) schwer verletzt überlebte, starb sein Zwillingsbruder Mirza im Krankenhaus. Ab Donnerstag stehen die beiden Männer vor Gericht, die sich im August 2024 ein Autorennen lieferten – und dabei den Zweijährigen töteten.
Während der kleine Mahir (r.) schwer verletzt überlebte, starb sein Zwillingsbruder Mirza im Krankenhaus.

„Wir sind immer noch sechs Personen zu Hause und trotzdem: Seit mein kleiner Bruder tot ist, fühlt es sich leer an. Mein Vater, meine Mutter, meine Geschwister, wir alle versuchen weiterzuleben, zu funktionieren, wir stehen morgens auf, fahren zur Arbeit, gehen in die Kita oder in die Schule … Aber es ist nicht mehr so, wie es war. Es wird nie mehr so sein. Mein kleiner Bruder fehlt uns so sehr.“

Die junge Frau, die hier spricht, ist Elayda E. aus Billstedt. Die 21-Jährige, die eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten bei der Stadt macht, ist die Schwester des kleinen Mirza, der gerade erst zwei war, als er Ende August 2024 auf dem Schiffbeker Weg ums Leben kam. Zwei junge Männer, die sich ein illegales Straßenrennen lieferten, haben das Kind auf dem Gewissen. Ein völlig sinnloser Tod also. Umso größer der Schmerz der Familie.

Illegale Autorennen Schiffbeker Weg
Leidet immer noch sehr unter dem Tod ihres kleinen Bruders: Schwester Elayda E. (21)

„Wir hoffen, dass der Richter eine harte Strafe verhängt, so hart, dass so etwas nie wieder passiert“, sagt Elayda E. Während sie spricht, laufen ihr Tränen über die Wangen. „Meinen kleinen Bruder aber bringt auch das nicht wieder.“

Tatsächlich müssen die Täter damit rechnen, lange ins Gefängnis zu kommen, denn die Anklage lautet nicht etwa nur auf fahrlässige Tötung wie meist in solchen Fällen – sondern auf Mord und versuchten Mord. Am kommenden Donnerstag beginnt das Verfahren am Hamburger Landgericht.

Illegales Autorennen Schiffbeker Weg
Die Unfallstelle am Schiffbeker Weg im August 2024: Überall Trümmer. Rettungskräfte kümmern sich um die Verletzten. Ein zweijähriger Junge stirbt später im Krankenhaus.

An den Tag, der das Leben der Familie für immer veränderte, erinnert sich die 21-jährige Elayda, als wäre es gestern gewesen. Der 26. August 2024 war ein Montag. Die Eltern hielten sich in ihrem Kleingarten in Billstedt auf, wo sie mit Freunden grillten. Gegen Abend verabschiedete sich Mutter Esengül K. (40), weil sie ihre zwei Jahre alten Zwillinge Mahir und Mirza nach Hause bringen wollte. „Die beiden sollten am nächsten Tag in die Kita, daher sollten sie geduscht und ins Bett gebracht werden“, so die Schwester.

Illegale Autorennen Schiffbeker Weg
Schwester Elayda E. (21) und Stiefvater Ferhat K. (40), von Beruf Lkw-Fahrer

Der Weg vom Kleingarten bis nach Hause ist nicht weit, es sind nur ein paar Minuten Fahrt. Doch als Esengül K. mit ihrem Ford Galaxy vom Sturmvogel- in den Schiffbeker Weg einbog, kam es zur Katastrophe. Wäre sie doch bloß eine Minute früher losgefahren! Oder später! Dann wäre das alles nicht passiert. So aber geriet sie mitten rein in ein Autorennen, das sich dort zur selben Zeit zwei junge Männer lieferten.

Der 22-Jährige am Steuer eines Tesla hatte 175 Sachen drauf, der 24 Jahre alte Fahrer eines Mercedes E 250 fuhr mit Tempo 150 – und das in einer Straße, in der gerade mal 50 km/h erlaubt sind. Laut Polizei kollidierte der Ford Galaxy zunächst mit dem Heck des Tesla und wurde anschließend vom Mercedes gerammt. Welche Kräfte hier im Spiel waren, lässt sich daran ablesen, dass der Tesla nach dem Zusammenstoß noch 124 Meter weit geschleudert wurde.

Der Kommentar zum Thema: Tödliche Autorennen: Das ist Mord und nichts anderes!

Mutter Esengül K. und der zweijährige Mahir hatten Glück im Unglück: Sie wurden zwar schwer verletzt, überlebten aber, während Mirza, der zweite Zwilling, im Krankenhaus seinen Verletzungen erlag. Elayda E. sagt: „Als ich zum Krankenhaus kam, weil ich meine beiden kleinen Brüder sehen wollte, hat mir meine Tante gesagt, dass Mirza tot ist. Ich wollte es nicht glauben, ich konnte es nicht glauben. Manchmal wache ich morgens auf und denke, dass alles nur ein böser Traum gewesen ist. Aber dann wird mir klar: Mein Bruder ist wirklich nicht mehr am Leben.“

Illegales Autorennen Schiffbeker Weg
Die siebenköpfige Familie vor dem Unglück. Im Vordergrund die Zwillinge Mirza (l.) und Mahir K.

Von 2019 bis Ende 2024 gab es auf dem Schiffbeker Weg fünf tödliche Unfälle – der aus dem August 2024 war wohl der schlimmste. Warum ausgerechnet hier so viel passiert, liegt auf der Hand. Die Straße verläuft schnurgerade und ist sehr breit. Sie lädt also zum Rasen regelrecht ein.

Immer der Schiffbeker Weg: Zwischen 2019 und 2024 gab es dort fünf tödliche Unfälle

Die Forderung von Familie K., dass endlich etwas geschieht, damit nicht weitere Menschen sterben, stieß in der Bezirksversammlung Mitte auf offene Ohren. Ein interfraktioneller Antrag, der auf eine Initiative der Grünen zurückging, wurde dort beschlossen. Manuel Muja, Fraktionschef der Grünen, glaubt, dass eine weitere Radarfalle helfen könnte. Mittelfristig sollten seiner Meinung nach auch bauliche Veränderungen vorgenommen werden, um das Tempo in der Straße zu drosseln.

Ab 27. März wird den Männern, die den zweijährigen Mirza auf dem Gewissen haben, der Prozess gemacht. Sie hätten „heimtückisch mit gemeingefährlichen Mitteln und aus niedrigen Beweggründen“ heraus gehandelt, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Sie hätten den Tod von Menschen billigend in Kauf genommen, „um ein Gefühl der Überlegenheit und Selbstwertsteigerung zu verspüren“.

Für das Verfahren vor dem Schwurgericht sind mehr als 20 Hauptverhandlungstermine angesetzt.