Millionen-Schönheitskur für diese Hamburger Gehwege

Zahlreiche Fußgänger an einer Hamburger Straße
Fußgänger wurden in Hamburg lange vernachlässigt – jetzt soll viel Geld in Sanierung von Gehwegen fließen.

Löcher im Weg, hervorstehende Platten oder Baumwurzeln: Hamburgs Gehwege sind teils in einem katastrophalen Zustand und strotzen nur so vor möglichen Stolperfallen. Für Fußgänger eine unzumutbare Situation, findet der Bezirkschef von Hamburg-Nord, Michael Werner-Boelz (Grüne), und will noch in diesem Jahr rund eine Million Euro in die Sanierung von insgesamt 40 Straßen stecken. Was bedeutet das dieses Mal für Autofahrer? Diese müssen sich an anderer Stelle im Bezirk immerhin schon bald auf den Verlust von etlichen Parkplätzen einstellen.

„Fußgänger sind in der Vergangenheit immer vernachlässigt oder sogar ganz vergessen worden“, sagt der Grünen-Politiker. „Das erklärt auch den desolaten Zustand vieler Gehwege. Dabei nutzen wir sie alle – egal ob zu Fuß, mit dem Kinderwagen, per Rollstuhl, auf dem Weg zur Bahn oder zum Autoparkplatz.“ Tatsächlich zahlte der Bezirk Hamburg-Nord im Jahr 2023 sogar das bisher höchste Schmerzensgeld an einen gestürzten Fußgänger: 6106,44 Euro waren es nach einem Unfall in der Curschmannstraße nahe dem UKE.

Hamburger Bezirk investiert rund eine Million in Gehwege

Grundsätzlich sind die Kommunen, beziehungsweise in Hamburg die einzelnen Bezirke, für den Zustand ihrer Gehwege verantwortlich. Das Problem: Es fehlt oft an Geld. Das hat Werner-Boelz jetzt laut eigener Aussage aus der von Parteifreund Anjes Tjarks geführten Verkehrsbehörde für Hamburg-Nord erhalten: 955.000 Euro Sondermittel sind es insgesamt, die noch in diesem Jahr in 40 Straßen investiert werden sollen – so viel, wie noch nie.

Die Gehwege in der Steilshooper Straße sind in einem sehr schlechten Zustand.
Die Gehwege der Steilshooper Straße sind in einem sehr schlechten Zustand.

Mit Abstand am teuersten – weil die Wege dort am längsten und kaputtesten sind – werden laut Bezirk die Sanierungen in der Steilshooper Straße in Barmbek-Nord zwischen Habichtstraße bis Elligersweg mit 65.000 Euro und in Im Winkel in Eppendorf mit 60.000 Euro. Auch der vielbefahrene Mundsburger Damm in Hohenfelde steht auf der Liste, genauso wie der Suhrenkamp in Groß-Borstel und der Poelchaukamp in Winterhude. Welche der 40 Straßen als erstes drankommt ist noch unklar, das hängt von der Schnelligkeit der einzelnen Ausschreibungen ab.

Sanierung der Gehwege – gute Nachricht für Autofahrer

Eine gute Nachricht hat Werner-Boelz dieses Mal für alle Autofahrer: „Bei all diesen Maßnahmen werden keine Parkplätze wegfallen. Die Gehwege werden erst einmal nicht verbreitert, dafür aber wieder in einen anständigen Zustand zurückversetzt“, verspricht er.

Ernst wird es dagegen schon bald für alle Autofahrer in der Husumer Straße in Eppendorf, die Anfang des Jahres für ziemlichen Trubel im Bezirk gesorgt hatte: Die Autos, die dort quer zur Fahrbahn stehen – auch Senkrechtparken genannt– müssen künftig längs parken. Konkret bedeutet das: Von 259 Parkplätzen bleiben nur noch 140 übrig, stattdessen kommen Fahrradbügel und Sitzbänke dazu. Im Juli beginnen die Bauarbeiten.

Das Bild in der Husumer Straße ist vor allem von parkenden Autos geprägt.
Das Bild in der Husumer Straße ist vor allem von parkenden Autos geprägt.

Beschlossen war dieses Projekt bereits im Dezember 2021 von der Bezirksversammlung. Als die Pläne im Juni 2022 dann aber vorgestellt wurden, häuften sich plötzlich die Proteste: Anwohner fühlten sich übergangen, die CDU – die ursprünglich auch zugestimmt hatte – wetterte gegen das „ideologische Projekt der Grünen“. Für Werner-Boelz ist das keine Überraschung. „Alle sind immer dafür, etwas für die Fußgänger zu verbessern, bis es dann wirklich konkret wird und Einschränkungen mit sich bringt“, sagt er lapidar.

Für die nächsten zwei Jahre hat der Bezirkschef weitere 4,4 Millionen Euro für Gehwege in Hamburg-Nord eingeplant. „Die sind zwar noch nicht endgültig bewilligt, ich bin aber sehr optimistisch“, sagt er.