Mietentreiber-Vorwurf gegen Vonovia: Rentner gewinnt vor Gericht
Seit 17 Jahren lebt Siegfried Luschnat in seiner gemütlichen Zwei-Zimmer-Wohnung in Horn. Die Miete war in dieser Zeit nahezu durchgehend unverändert – bis zum Jahr 2022. Seitdem hat Vonovia dreimal versucht, sie zu erhöhen, konnte erst von einem Gericht gestoppt werden. Kein Einzelfall. Mit ihren Taktiken bringt die Vonovia auch Mieter anderer Unternehmen in die Bredouille, warnen Hamburger Mietervereine. Das Unternehmen wehrt sich.
577 Euro: So viel Miete zahlte Siegfried Luschnat (82) sehr viele Jahre lang für seine Wohnung in der Rudolf-Roß-Allee, einer ruhigen Wohnstraße in Horn. Etwas schlecht angebunden, ja, aber es gibt einen kleinen Garten, die Nachbarn verstehen sich gut und vor dem Haus sind sogar Enten unterwegs.
Vonovia wehrt sich gegen Anschuldigung von Mieterverein
In letzter Zeit ist hier aber viel im Umbruch: Seit 2022 laufen direkt nebenan Bauarbeiten für die Verlängerung der U4, die noch bis mindestens Ende 2026 andauern sollen. Fast zeitgleich mit dem Start der Bauarbeiten flatterte ein unerfreulicher Brief in Luschnats Wohnung: Die Vonovia verlangte mehr Miete, 651 Euro ab dem 1. Dezember 2022, über 70 Euro mehr als vorher. Für einen Rentner in Horn eine Menge Geld – und dabei sollte es nicht bleiben: Exakt ein Jahr später erhöhte die Vermieterin erneut, diesmal um 16 Euro auf 667.
„Ich habe das an den Mieterverein zu Hamburg übergeben“, berichtet der 82-Jährige. Für Berater Paul-Hendrik Mann ist das längst kein Einzelfall. „Die Vonovia hat die Mieterhöhungen mit dem Mietenspiegel begründet. Hierbei wurden in diversen Fällen Zuschläge zu dem sogenannten Mittelwert gefordert“, sagt er im Gespräch mit der MOPO.
Für diesen Fall aber gilt – wie für einige andere auf Manns Schreibtisch: „Der tatsächliche Zustand der Wohnungen rechtfertigt die Geltendmachung der Zuschläge nicht. Insbesondere wurden auch negative Merkmale, wie beispielsweise eine schlechte Anbindung an den ÖPNV, nicht berücksichtigt.“ Das sieht nicht nur die Mieterseite so, sondern auch die Gerichte, die Luschnat und der Verein nach den Erhöhungen anriefen. Sie kippten die Mieterhöhungen der Vonovia, und die erneute, für den 1. April 2024 angekündigte (um 23 Euro auf 690) gleich mit.
2022 berichtete der Münchener Merkur unter Berufung auf eine Google-Auswertung, die größte Vermieterin Deutschlands, die Vonovia, sei auch die unbeliebteste. Siegfried Luschnat hatte in der ganzen Zeit des Rechtsstreits keinen direkten Kontakt zu dem Unternehmen, ließ alles über den Mieterverein laufen. Der warnt: „Lassen Sie alle Mieterhöhungen in einer rechtlichen Beratung prüfen. Eine einmal erteilte Zustimmung kann im Nachhinein in der Regel nicht mehr angegriffen werden. Die Erhöhungen sind dann wirksam und fließen in zukünftige Mietenspiegel mit ein“. Das gesamte Mietniveau in Hamburg steige dann weiter.
Vonovia-Mieter: „Habe Angst, dass da noch mehr kommt“
Die Vonovia wehrt sich vehement auf MOPO-Anfrage gegen die Anschuldigungen: „Der Vorwurf des Mietervereins kann nicht zutreffen: Denn Vonovia hat in Hamburg einen Anteil von 1,4 Prozent am Mietwohnungsbestand. Die durchschnittliche Nettokaltmiete von Vonovia in Hamburg liegt bei 8,64 / m² und ist damit unter der ortsüblichen Vergleichsmiete (9,83 im Jahr 2023)“, schreibt Sprecherin Caroline Sorgenicht. Und weiter: „Wir nehmen unsere Verantwortung als Vermieter in Hamburg ernst und arbeiten professionell, gewissenhaft und mit Augenmaß – das gilt auch für Mietanpassungen“. Insbesondere bei Menschen über 70 versuche man außerdem immer, Lösungen zu finden, wenn jemand Schwierigkeiten mit der Mieterhöhung hat.
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Seit Januar 2025 zahlt Luschnat gerichtlich verordnete 618 Euro und hofft, dass es das nun war. „Ich habe Angst, dass da noch mehr kommt“, sagt er. „Die Nachbarn haben von ähnlichen Erlebnissen berichtet.“