Mietenanstieg vorbei? Hamburger Experte warnt: „Wir blicken in einen Zerrspiegel“
Am Dienstag gab es überraschende Neuigkeiten: Im Jahr 2025 stieg die durchschnittliche Nettokaltmiete „nur“ um 11 Cent auf jetzt 9,94 Euro pro Quadratmeter. Das sind 1,12 Prozent mehr als im Jahr 2023, der geringste Anstieg seit mehr als 20 Jahren. Das liegt allerdings hauptsächlich an einer neuen Berechnungsmethode. Besonders niedrige und besonders hohe Mieten werden nicht mehr berücksichtigt. Für Mieter sind das gute Nachrichten, ihre Mieten können in der nächsten Zeit nicht so stark erhöht werden. Aber bleibt das so?
Das sagt der Mietervertreter
Rolf Bosse: Vorsitzender Mieterverein zu Hamburg: „Das Ergebnis ist jetzt erstmal ein Knick. Das liegt allerdings nur daran, dass der Mietenspiegel in diesem Jahr nach dem Median ausgewertet wurde anstatt mit dem arithmetischen Mittel – und nicht etwa, weil die Mieten nicht mehr so stark steigen würden. Im Moment blicken wir in einen Zerrspiegel. Wenn wir in zwei Jahren den nächsten Mietenspiegel erheben, ist damit zu rechnen, dass der Unterschied wieder so hoch sein wird wie bislang. Außerdem ist wichtig zu betonen: Ja, der neue Mietenspiegel ist erstmal eine kleine Verschnaufpause, aber nur für diejenigen, die schon eine Wohnung haben und deren Miete im Mittelwert liegt.“
Das sagt der Senat
Karen Pein (SPD), Hamburger Stadtentwicklungssenatorin: „Eine Durchschnittsmiete von 9,94 Euro ist nicht nur ein positives Signal an Hamburgs Mieterinnen und Mieter, sondern auch ein Erfolg für Hamburgs Wohnungsbaupolitik. Seit der letzten Erhebung 2023 ist der Mittelwert somit um 1,12 Prozent gestiegen, deutlich unter der aktuellen Inflationsrate von 2,3 Prozent. Mit den anderen Mietenspiegeln lässt sich der Mietenspiegel allerdings fachlich nicht vergleichen aufgrund der veränderten Erhebungsmethode. Wir starten quasi bei Jahr null.“
Das sagt die SAGA
Sprecher Michael Ahrens: „Die SAGA wird die Entwicklung der jeweiligen Rasterfelder des neuen Mietenspiegels vertrieblich im jeweiligen Quartierskontext bewerten und an ihrem Mietenkonzept festhalten. Die Steigerungsrate des neuen Mietenspiegels ist im Vergleich zum vorherigen von 2023 sehr moderat, sodass die Entwicklungen der Mieten im SAGA-Bestand daran orientiert ebenfalls geringer ausfallen werden. Die Frage, ob der Mietenspiegel in den nächsten Jahren ebenfalls moderat ansteigen wird, können wir nicht beantworten. Die SAGA erhebt den Mietenspiegel nicht.“
Das sagt die Linken-Politikerin
Heike Sudmann (Die Linke): „Den Mieter:innen verschafft die neue Methodik eine Verschnaufpause, denn die Vermieter:innen können unter Berufung auf den Mietenspiegel die Miete nicht so stark erhöhen. Doch unverändert sind die Mieten in Hamburg viel zu hoch. Was braucht es noch, damit der Senat einsieht, dass er eine andere Mietenpolitik fahren muss? Die raffgierigen Wohnungsunternehmen müssen enteignet werden, damit sie die Mieten nicht länger in die Höhe treiben können. Wenn der Senat die Mieter:innen schützen will, muss er handeln: Mietwucher effektiv bekämpfen, Leerstand verhindern, Zweckentfremdung durch Ferienwohnungen stoppen.“
Das sagt der Sprecher der gemeinnützigen Vermieter
Andreas Breitner, Vorsitzender Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen: „Wie der Mietenspiegel sich in den nächsten Jahren entwickelt wird, kann niemand sagen. Eine Voraussage würde auf einem Blick in die Glaskugel basieren. Die Werte werden dann aber vergleichbar sein, da kein Methodenwechsel stattfindet. Bei der Hamburger Mietenstude, die von der Hamburger Wohnungswirtschaft vor zwei Wochen veröffentlicht wurde und auf der Auswertung von rund 290.000 realen Mietverträgen basiert, haben wir die Vergleichswerte aus den vorangegangenen Jahren nach der neuen Methode neu ermittelt, damit eine Vergleichbarkeit gewonnen werden kann. Die jährliche Mietenentwicklung lag demnach bei 2,23 Prozent.“
Das sagt die CDU
Anke Frieling, wohnungspolitische Sprecherin der Hamburger CDU: „Der umgestellte Mietenspiegel erlaubt zunächst keinen Vergleich mehr mit den Vorjahren. Zumindest in diesem Jahr hätte die Senatorin auch eine Berechnung nach alter Methodik zur Verfügung stellen müssen, um die Wirkung der Umstellung deutlich zu machen. Diese Unterlassung wird wohl ihre Gründe haben und lässt Zweifel am Willen zur Transparenz aufkommen. Eins ist klar: Wer in Hamburg eine Wohnung hat, ist von den ständig steigenden Mieten eher wenig betroffen. Wer umziehen muss oder neu in unsere Stadt kommt, trifft auf einen Markt mit sehr geringem Angebot und sehr hohen Preisen. Familien, Alleinerziehende und Menschen mit geringem Einkommen sind hiervon besonders hart getroffen.“