Mieten-Irrsinn in Hamburg: 1400 Euro für 18 Quadratmeter
Mehr als 1400 Euro für ein 18-Quadratmeter-Zimmer? Eigentlich sollten die Mietpreisbremse und das Gesetz gegen Mietwucher Hamburger Wohnungssuchende vor solchen Angeboten schützen. Doch ist das Apartment möbliert, können sich die Vermieter elegant an diesen Regulierungen vorbeischlängeln. Das Resultat: Der Anteil solcher Inserate am Mietwohnungsmarkt steigt deutlich, wie aktuelle Zahlen belegen. Warum kommen Vermieter immer wieder damit durch? Wie soll sich daran etwas ändern? In Hamburgs Politik ist man sich darüber immer noch uneins.
„Die 18 Quadratmeter großen vollausgestatteten Cozy Hubs sind die beste Wahl für eine Person“, steht überhaupt nicht bescheiden in der Annonce auf der Plattform „WG-Gesucht“. Auf den Fotos hängt an einer Kleiderstange ein Sweatshirt mit der Aufschrift „Harvard“, der amerikanischen Elite-Uni. Studenten sind hier also willkommen.
Auf den ersten Blick sieht das Wohnungsangebot – eine winzige Küchenzeile („Kitchenette“), ein Schreibtisch und ein an die Wand gepresstes Bett – aus wie für jedes andere Studio-Apartment. Voraussetzung für den Einzug ist allerdings ein besonders dickes Portemonnaie.
Denn für dieses Ein-Zimmer-Apartment im nicht ganz so zentrumsnahen Harburg verlangt der Anbieter unfassbare 1440 Euro pro Monat. Das entspricht mehr als 80 Euro pro Quadratmeter. Dafür sollen laut der Beschreibung Strom, Wasser, Heizung und Internet schon inklusive sein. Für Studenten gibt’s auf MOPO-Nachfrage sogar Rabatt, diese müssten „nur“ ab 894 Euro zahlen.
Der Anbieter „Sicon Hospitality“ vermietet in Hamburg aktuell 710 Einheiten an fünf Standorten, unter anderem in Harburg. Nach eigenen Angaben ist er damit der größte Anbieter in diesem Segment in der Stadt. Wohnen kann man dort sowohl für ein paar Nächte als auch über längere Zeit. Die Anzeige auf „WG-Gesucht“ ist für ein Semester geschaltet.
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Den happigen Preis erklärt das Unternehmen unter anderem mit den voll ausgestatteten Apartments: Küchen mitsamt Geschirr, Waschraum, Smart-TV, Safe und Stauraum in Schrank und Garderobe, außerdem wöchentliche Reinigung. Mitarbeiter stünden zudem vor Ort zur Verfügung, ein digitaler Check-in verspreche maximale Flexibilität. Die Lage sei zudem sehr zentral – zehn Geh-Minuten zur TU Hamburg.
Ein anderer Anbieter blieb der MOPO wiederum eine Antwort schuldig: Das Unternehmen bietet in einem Gebäudekomplex in Wandsbek ebenfalls Studenten-Apartments an: 18 Quadratmeter Wohnfläche gibt es hier für 929 Euro – Waschmaschine, Strom, Wasser, Internet sind wieder inklusive.
Wie eine neue Anfrage der Linken an den Senat zeigt, hat der Anteil solcher Anzeigen für möblierte Wohnungen in allen Hamburger Bezirken zugenommen. Allerdings bilden Online-Anzeigen nur einen Teil des Marktes ab, deshalb können die Zahlen nur einen Trend aufzeigen: Der Senat betont, dass vor allem Genossenschaften ihre Wohnungen nicht auf den großen Online-Portalen anböten, sondern eher über Direktkontakte oder interne Kanäle. Der tatsächliche Anteil möblierter Zimmer am Gesamtmarkt dürfte also niedriger sein.
Den höchsten Anteil hat Eimsbüttel
Die Zahlen aus der Senatsantwort auf die Anfrage der Linken beziehen sich auf das Jahr 2023 – Daten für 2024 und 2025 liegen bis jetzt noch nicht vor. Die meisten möblierten Apartments werden demnach in Eimsbüttel angeboten, nämlich 23 Prozent, also fast jede vierte online inserierte Wohnung. Zum Vergleich: Im Jahr 2020 waren noch elf Prozent der Wohnungen, die in dem Bezirk online angeboten wurden, möbliert.
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Knapp dahinter reihen sich die anderen innenstadtnahen Bezirke Altona (22 Prozent, im Jahr 2020 waren es zwölf), Hamburg-Nord (20 Prozent, vorher 15) und Hamburg-Mitte (Anstieg von 13 auf 19 Prozent). Auf den hinteren Plätzen landen Wandsbek (zwölf Prozent, vorher sechs), Harburg (zehn Prozent, vorher sechs) und Bergedorf (Anstieg von drei auf neun Prozent).
Linke Sudmann bezeichnet Zahlen als erschreckend
Linken-Politikerin Heike Sudmann bezeichnet diese Zahlen als erschreckend. „In Berlin wird zumindest in den Gebieten der Sozialen Erhaltungsverordnung das möblierte Wohnen auf Zeit verboten. Doch der Hamburger Senat vergießt nur Krokodilstränen und wartet ab. Die Abzocke mit den möblierten Wohnungen geht derweil munter weiter“, kritisiert sie.
Warum sind möblierte Wohnungen für Vermieter so attraktiv?
Die steigenden Zahlen sind kein Wunder, immerhin sind möblierte Wohnungen (für professionelle Vermieter) sehr attraktiv: Zwar gilt auch hier die Mietpreisbremse, aber sobald dort Stuhl und Bett stehen, kann ein „Möblierungszuschlag“ verlangt werden. Dieser muss nicht extra aufgeführt werden, sodass im Dunkeln bleibt, wie hoch die eigentliche Miete ist – ein Schlupfloch im Gesetz.
Hamburgs Mietervereine fordern schon lange Nachbesserung. „Grundsätzlich kann man sich dagegen wehren, aber dazu muss man selbst tätig werden und die Mietpreisbremse förmlich rügen“, sagt Marc Meyer, Anwalt bei „Mieter helfen Mietern“ der MOPO. „Das ist insbesondere bei Zimmern und möblierten Vermietungen ein schwerfälliger Weg, den viele Mieter verständlicherweise scheuen – vor allem wenn sie dort nur ein paar Monate leben.“
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Zudem spricht sich Meyer für eine Reform des Paragrafen 5 (Mietpreisüberhöhung) im Wirtschaftsstrafgesetzbuch aus: Seit einer BGH-Entscheidung im Jahr 2004 müssten Mieter beweisen, dass sie in ganz Hamburg keine andere, billigere Wohnung gefunden hätten und dass der Vermieter diese Zwangslage ausgenutzt habe. „Das ist nahezu unmöglich und diese jahrzehntelang gut funktionierende Mieterschutzvorschrift praktisch tot.“
Hamburgs Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein (SPD) stimmt zu, dass möbliertes Wohnen und Kurzzeitvermietungen besser gesetzlich eingedämmt werden müssen. Die Hansestadt wolle sich zudem im Bund dafür einsetzen, den Paragrafen 5 zu reformieren und die Mieter von den Nachweispflichten zu entlasten.
Einen Hamburger Gesetzentwurf, der Vermieter dazu verpflichtet, den Möblierungszuschlag offenzulegen, beschloss der Bundesrat bereits im Jahr 2023. Doch das Papier versauerte in der Schublade des damaligen Bundesjustizministers Marco Buschmann (FDP). Pein hofft, mit der neuen Bundesregierung das Gesetz endlich umzusetzen. Immerhin wird das Justizministerium jetzt von ihrer Parteigenossin Stefanie Hubig geführt.
CDU Hamburg gegen weitere Mietregulierungen
Rückenwind von der Hamburger CDU kann Pein im Bund wiederum nicht erwarten: „Jede zusätzliche Mietregulierung wird das Angebot von Mietwohnungen weiter verknappen“, sagt Christdemokratin Anke Frieling. „Die Vermieter haben keine Lust auf die drohenden rechtlichen Auseinandersetzungen: Wohnungen kommen dann einfach nicht auf den Markt.“
Möblierte Wohnungen seien ein wichtiges Angebot, gerade für Fachkräfte und Wissenschaftler, die erst einmal befristet in Hamburg arbeiteten. „Hier weitere rechtliche Hürden einzuziehen, wird den Zuzug von Fachkräften weiter erschweren.“ Das Einzige, was helfe, sei mehr Wohnungsbau.