Hamburg
Miamedes-Skandal: Jetzt jagt die Staatsanwaltschaft den flüchtigen Geschäftsführer
Jetzt geht es ihm an den Kragen: Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Geschäftsführer des Medizin-Unternehmens Miamedes Sekander Scherzai
Patienten standen vor verschlossenen Türen, Ärzte und MTA wurden nicht bezahlt: Der Skandal um das in finanzielle Schwierigkeiten geratene Medizin-Unternehmen Miamedes, später umbenannt in Sedemaim, hat in Hamburg hohe Wellen geschlagen. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Geschäftsführer Dr. Sekander Scherzai. Doch der ist abgetaucht.
Wie die Hamburger Staatsanwaltschaft auf MOPO-Anfrage bestätigte, wird ein „Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung, der Untreue und des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt“ gegen den Arzt und Miamedes-Geschäftsführer Sekander Scherzai geführt.
Miamedes-Skandal: Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Geschäftsführer Scherzai und ordnet Durchsuchungen an
Mehrere Gläubiger – darunter große Krankenkassen, an die keine Sozialversicherungsbeiträge abgeführt worden waren, sowie ehemalige Angestellte – hatten Anzeige gegen Scherzai erstattet.
Laut Staatsanwaltschaft haben Durchsuchungen in mehreren Objekten stattgefunden, bei denen Unterlagen und Datenträger vorläufig sichergestellt worden seien. „Diese werden derzeit auf ihre Beweisrelevanz durchgesehen“, teilte eine Sprecherin mit. Darüber hinausgehende Auskünfte könnten zum Schutz laufender Ermittlungen nicht erteilt werden. Nach MOPO-Recherchen wird auch in Schleswig-Holstein und Berlin ermittelt.
Das Problem für die Ermittler: Nach MOPO-Informationen hat der windige Unternehmer längst das Weite gesucht. Seit Sommer vergangenen Jahres soll er mit seiner Familie in Dubai leben, woher seine Ehefrau stammt. Der MOPO liegen Fotos vor, die Scherzai mit seinen Kindern in häuslicher Atmosphäre zeigen. Aktuell soll er versuchen, geschäftliche Kontakte nach Malaysia zu knüpfen. Unter der Adresse seiner Villa in Farmsen-Berne ist inzwischen ein Wellness-Unternehmen gemeldet.
Der Miamedes-Skandal hatte im November 2024 begonnen, nachdem Mitarbeiter einer dem Unternehmen zugehörigen onkologischen Praxis in Norderstedt sich bei der MOPO gemeldet hatten, weil sie seit Monaten keine Gehälter mehr bekommen hatten. Auch der Vermieter und zahlreiche Dienstleister blieben auf ihren Rechnungen sitzen. Im Januar 2025 stellten mehrere Gläubiger einen Insolvenzantrag. Schließlich musste die medizinische Versorgung eingeschränkt werden.
Miamedes-Skandal: Viele der ehemaligen Angestellten warten noch immer auf ihr Geld
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Kurz darauf stellten auch andere Miamedes-Praxen in den Stadtteilen Jenfeld, Barmbek, Bergedorf, Barmbek und Billstedt vorübergehend oder ganz ihren Betrieb ein. Tausende von Patienten standen vor der Tür – eine medizinische Katastrophe, bei der lange niemand eingriff. Auch nicht die Behörden oder der für die ärztlichen Kassensitze zuständige Zulassungsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung.
Im September 2025 wurden die verbliebenen Miamedes-Praxen schließlich an den Bergedorfer Arzt Hekmatulla Afzali verkauft. Und im Februar wurde das Unternehmen Miamedes, dessen Büroräume im Mundsburg-Tower längst verwaist waren, endgültig geschlossen. Die Kassenärztliche Vereinigung bestätigte das Aus.
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Doch viele Angestellte warten bis heute auf ihr Geld. Zwar war es einigen Ärzten auf dem Klageweg gelungen, zumindest einen Teil ihrer Gehälter einzutreiben. Andere Ex-Mitarbeiter erreichten bisher nichts. Sie setzen nun alle Hoffnungen in die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. „Es kann doch nicht sein, dass Scherzai einfach so davon kommt“, sagt eine frühere medizinische Fachangestellte. „Ich warte seit einem Jahr auf mein Geld – und die Verzugszinsen! Ich hoffe, es kommt jetzt Bewegung in die Sache.“
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