Miamedes-Krise: Geschäftsführer zur Auszahlung von Gehältern verurteilt

Sekander Scherzai, Miamedes-Geschäftsführer
Sekander Scherzai ist Geschäftsführer von Miamedes.

Die Luft wird immer dünner an der Spitze: Das Hamburger Arbeitsgericht hat allein in dieser Woche fünf Urteile gegen den Geschäftsführer des in die Krise geratenen Gesundheitsunternehmens Miamedes gesprochen. Sekander Scherzai muss zwei Mitarbeitern die Gehälter auszahlen, die er ihnen seit Monaten vorenthält. Tut er das nicht, kommt der Gerichtsvollzieher!

„In der Sache Miamedes bitte eintreten!“ Seit Wochen schallt dieser Ruf über den Gang im dritten Stock des Arbeitsgerichts in Barmbek. Insgesamt 31 Verfahren sind beziehungsweise waren allein in diesem Jahr in dieser Sache beim Gericht anhängig. Es sind Ärzte oder andere Angestellte, beispielsweise aus dem Bereich IT, die seit Monaten vergeblich auf ihre Gehälter warten und nun aus Verzweiflung den Klageweg beschreiten.

Miamedes-Krise: Serie von Verfahren vor dem Hamburger Arbeitsgericht

Die Ärztin, die am vergangenen Freitag den Gerichtssaal betritt, ist nicht zum ersten Mal da. Die Richterin begrüßt sie wie eine alte Bekannte. „Haben Sie Ihr Geld inzwischen bekommen?“, fragt die Richterin, die zuvor schon im Sinne der Klägerin geurteilt und den Miamedes-Chef zur Auszahlung mehrerer Gehälter verdonnert hatte. „Nein“, erklärt die Ärztin. Sie hat inzwischen einen Gerichtsvollzieher beauftragt. Und auch am Freitag verlässt sie das Gericht erneut mit einem Versäumnisurteil über die Auszahlung von 7500 Euro plus Zinsen in der Tasche. Denn: Wer nicht erschienen ist, ist Sekander Scherzai.

Der Miamedes-Chef ist auf Tauchstation gegangen, wie auch beim nächsten Verfahren am Montag deutlich wird. „Aus meiner Erfahrung mit den diversen Parallelverfahren gehe ich davon aus, dass Herr Scherzai nicht kommt“, stellt auch diese Richterin fest und stellt dem IT-Mitarbeiter, der auf vier Gehälter wartet und deshalb zwischenzeitlich sogar auf die finanzielle Unterstützung durch seine Eltern angewiesen war, ebenfalls ein Versäumnisurteil aus.

Auch dieser Ex-Miamedes-Mitarbeiter will noch diese Woche zum Gerichtsvollzieher gehen. Und es kommt noch teurer für den Miamedes-Boss, der seine Angestellten seit mehr als einem Jahr nicht oder nur verspätet bezahlt, selbst aber eine G-Klasse und einen Porsche-Cayenne vor seinem Haus stehen hat: Weil er nicht vor Gericht erscheint, muss er auch die Prozesskosten zahlen. Allein in dieser Woche kamen dabei Streitwerte von addiert mehr als 70.000 Euro zusammen.

Gefahr für Gesundheitsversorgung: Mehrere Miamedes-Praxen in Hamburg sind geschlossen

Die Serie an Gerichtsverfahren wird sich vermutlich fortsetzen. Seit dieser Woche sind die beiden Miamedes-Hausarzt-Praxen sowie die urologische Praxis in Bergedorf wegen der ausbleibenden Gehaltszahlungen geschlossen. „Unsere Praxis bleibt auf unbestimmte Zeit geschlossen“, steht auf einem Aushang an der Tür in der Alten Holstenstraße 2. Die Patienten stehen vor der Tür.

Die Miamedes-Praxis in Steilshoop, die in der vergangenen Woche offiziell wegen eines „EDV-Ausfalls“ geschlossen war, hat inzwischen wieder geöffnet. Auch die Praxis in Barmbek, über deren Schließung die MOPO vor einem Monat berichtete, hat den Betrieb wieder aufgenommen. Ob die Praxis in Bramfeld, die derzeit wegen einer Elternzeit geschlossen ist, Mitte August wie versprochen wieder eröffnet, ist ungewiss. Nach MOPO-Informationen hat der Arzt, der die Praxis bisher führte, wegen der Gehaltsverzögerungen gekündigt.

Zettel an der Tür der Miamedes-Praxis Steilshoop in der vergangenen Woche.
„Wir wissen nicht, wann die Praxis wieder öffnen kann“: Zettel an der Tür der Miamedes-Praxis Steilshoop in der vergangenen Woche.

Die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg, die für das Funktionieren der Gesundheitsversorgung in Hamburg zuständig ist, reagierte auf mehrere MOPO-Anfragen zu der desolaten Lage wiederholt mit dem Hinweis, man werde sich „aus datenschutzrechtlichen Gründen“ nicht zu der Situation äußern.

Mitarbeiter befürchten: Verschwindet der Miamedes-Boss nach Dubai?

Die Miamedes-Mitarbeiter fühlen sich alleingelassen. Angesichts der offensichtlichen Notlage des Unternehmens befürchten viele, der Geschäftsführer könnte sich nach Dubai absetzen, wohin er verwandtschaftliche Beziehungen hat. Mehrere Personen haben deshalb auch in dieser Woche wieder Strafanzeige bei der Polizei und Staatsanwaltschaft gestellt. Weil der Miamedes-Chef auch die Sozial- und Rentenversicherungsbeiträge nicht bezahlt, liegt die Sache inzwischen beim Zoll.

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Die MOPO hat Sekander Scherzai mit Hinweisen zu einer möglichen Flucht in den Nahen Osten konfrontiert. Sein Anwalt teilte mit, die „Annahme eines geplanten Umzugs unseres Mandanten“ nach Dubai sei „falsch“.