Zug-Ausfälle, Busverkehr gestoppt: Diese Winter-Unfähigkeit ist einfach peinlich
Zugegeben: Wintereinbrüche wie an diesem Jahresanfang sind wir im Norden nicht mehr gewohnt. Tagelang Schnee, der dann auch noch liegenbleibt? Das gab es lange nicht. Aber es ist auch in Zeiten des Klimawandels nicht völlig abwegig, dass es im Winter mal richtig kalt wird. Und daher sind die Ausfälle von Bussen, S-Bahnen und Regionalzügen, wie wir sie dieser Tage in Hamburg und im Umland erleben, schlicht inakzeptabel. Oder sollen sich alle wieder ein Auto anschaffen?
Hier ein paar Verkehrsmeldungen der vergangenen Tage: Der Metronom-Betrieb – wurde am Wochenende eingestellt. Züge strandeten, Reisende mussten stundenlang ausharren. Der Busverkehr der VHH im Hamburger Westen und Umland: ebenfalls eingestellt. Die S-Bahn in Hamburg: Linien fallen auch am Montagmorgen aus, ganze Strecken sind nicht befahrbar. Regionalzüge der Bahn: Fallen aus oder sind deutlich verspätet, und das soll noch bis Mittwoch andauern.
Das Problem ist nicht der Winter, sondern die Überforderung
Dass bei einem halben Meter Neuschnee der öffentliche Nah- oder auch Fernverkehr kollabiert – dafür hätte jeder Verständnis. Aber bei 15 Zentimetern? Die auch noch tagelang angekündigt waren? Nein, hier haben wir es weniger mit meteorologischer Härte als mit Überforderung und Versagen zu tun.
Es ist ja nicht so, dass Züge bei Minustemperaturen nicht fahren könnten. Oder Weichen bei Frost und Schnee zwangsläufig nicht funktionieren würden. Das passiert, wenn Strecken nicht anständig gewartet und Technik nicht in angemessenem Zustand ist.
S-Bahnen können auch bei Frost fahren, Busse bei Schnee
In Hamburg etwa müssen einige zentrale S-Bahnweichen derzeit per Hand aufgewärmt werden – in der zweitgrößten Stadt des drittgrößten Industrielandes auf diesem Planeten. Besonders gut scheint es nicht zu funktionieren. Eingefrorene Weichen haben am Wochenende auch den Metronom in die Knie gezwungen.
Und wenn Busse in Schweden auf geschlossenen Schneedecken fahren können, aber in Osdorf und Pinneberg nicht, dann gibt es dafür einen Grund: mangelnde Vorbereitung. Wenn die S-Bahn in den Hamburger Westen nicht fahren kann, weil Äste wegen der Schneelast auf die Gleise fallen, dann ist die Ursache für die Störung nicht das Wetter, sondern dass die Strecke im Herbst nicht freigeschnitten wurde.
Auch die Tatsache, dass es im Verantwortungsbereich der Hochbahn deutlich weniger Ausfälle und Störungen gibt, zeigt: Wir haben es hier primär mit einem Organisationsproblem zu tun.
Wer Rad fahren soll, braucht geräumte Radwege
Wer jetzt meint, man solle nicht so rumnörgeln, weil ein paar Tage im Jahr die Busse und Bahnen nicht fahren, verkennt das größere Problem dahinter: Wer nicht im Homeoffice arbeiten kann, muss sich auf die Infrastruktur verlassen können. Vor allem, wenn man den Menschen sagt: Schafft euer Auto ab, fahrt Bus und Bahn.
Das Gleiche gilt übrigens für Radwege: Wer den Bürgern rät, ihr Auto gegen ein Lastenrad einzutauschen, sollte auch dafür sorgen, dass man damit im Winter verlässlich die Kinder zur Kita bringen und selbst zur Arbeit fahren kann. Auch wenn die Radweglage besser scheint als in den Vorjahren: Von einem verlässlichen Winterdienst können wir in der „Fahrradstadt“ bisher nicht sprechen. Dass es anders geht, zeigt ausgerechnet die HPA, die für die Radstrecken im Hafen zuständig ist. Jahrelang war der Winterdienst hier eine Katastrophe – am Montagmorgen waren die Wege hervorragend geräumt.
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