Vegan-Kolumne
Wenn die Großen ihre Macht missbrauchen
Zwei Manufakturen werden verklagt. Es geht um den Namen eines Likörs und die Form eines Haferriegels. Jetzt stehen die Gerichtstermine fest.
Wenn ein ganz großes Unternehmen gegen ein ganz kleines juristisch vorgeht, dann soll das einschüchtern, Angst machen, vielleicht auch mundtot. So ging das dem Hamburger Start-up Warlich Rum, als es wegen seines veganen „Likör ohne Ei“ vor Gericht gezerrt wurde. Und so geht es auch dem Familienunternehmen Wacker aus Mannheim, das von Ritter Sport verklagt wurde. Für beide Verfahren stehen jetzt die nächsten Gerichtstermine fest.
Mannheim hat den Spitznamen „Quadratestadt“, weil die Straßen in der historischen Innenstadt wie am Reißbrett gezogen sind. Kurpfälzisch heißt Mannheim „Monnem“ und so war für Matteo Wacker (bleibwacker.com) klar: „Wir wollten ein Produkt für unsere Heimatstadt Mannheim schaffen und kamen so ganz natürlich auf die quadratische Form. Die Frage, ob das ein Problem sein könnte, hat sich uns damals schlicht nicht gestellt.“
Manufakturen verklagt: In erster Instanz wurden die Klagen abgeschmettert
So kam der vegane Haferriegel „Monnemer Quadrat Bio“ auf den Markt. Der war viel kleiner als eine Ritter-Sport-Tafel, zudem keine Schokolade, wie selbst Ritter Sport in seinem Blog schreibt: „Aber ihr werdet zustimmen, dass sich die beiden Produktgruppen mindestens so nah sind wie Wasser und Wein.“
Ein komischer Vergleich, dem auch das Gericht nicht folgen konnte. Denn Ritter Sport hatte das Familienunternehmen Wacker kurzerhand verklagt. In erster Instanz erfolglos. Aber so ein mächtiges Schokoladen-Unternehmen hält das nicht davon ab, in die nächste Instanz zu gehen – am 15. Oktober geht es vor dem Oberlandesgericht weiter.
Das erinnert an den bizarren Namenstreit um den Hamburger „Likör ohne Ei“ von Warlich Rum. Der Schutzverband der Spirituosen-Industrie verklagte Gründer Ole Wittmann (warlich-rum.de), weil sein veganer Likör die Rechte von Eierlikör verletze. Als wenn das nicht schon albern genug wäre, Vorsitzender des Schutzverbandes ist ausgerechnet William Verpoorten – ja, der von der gleichnamigen Eierlikör-Dynastie. Man darf das Vorgehen unanständig finden.
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Der Schutzverband kassierte vor Gericht dann auch eine Niederlage. Aber wer Geld und Macht hat, gibt natürlich nicht auf und zieht wie Ritter Sport gegen Wacker in die nächste Instanz. Am 26. August verhandelt das Oberlandesgericht Schleswig. „Wir hatten gehofft, endlich wieder nur über guten Geschmack sprechen zu können“, sagt Ole Wittmann. „Aber das Verfahren ist noch nicht vorbei.“
Matteo Wacker und Ole Wittmann tauschen sich inzwischen aus. Und bekommen beide viel Zuspruch. Die Likör-Flaschen haben es sogar in Bonn ins Museum geschafft, standen mehrere Monate in einer Ausstellung im „Haus der Geschichte“. „Wir bekommen von Anfang an unglaublich viel Zuspruch“, sagt auch Matteo Wacker. „Von Kunden, aus der Region, aber auch von Menschen, die wir gar nicht kennen. Das gibt uns wirklich sehr viel Kraft.“
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