Menschen mit Ver.di-Flaggen

In den vergangenen Monaten rief Verdi immer wieder zu Streiks in verschiedenen Branchen auf – auch Beamte profitieren davon (Archivbild) Foto: Bodo Marks/dpa

Welche Gutverdiener wirklich von den Streiks profitieren

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Wenn Verdi zum Streik im öffentlichen Dienst ruft, dann hat man den Kita-Erzieher im Kopf, die Familienhelferin vom Jugendamt, die Sachbearbeiterin im Bürgerbüro oder den Mitarbeiter im Grünflächenamt. Die sollen ordentlich bezahlt werden, das wird wohl jeder unterschreiben. Was man so gar nicht im Kopf hat, das sind die superprivilegierten Gruppen der Beamten und Pensionäre, die an den Tariferhöhungen mit dranhängen – und die viel stärker von den Streiks profitieren als die Streikenden selbst.

Beamte verdienen ausgesprochen gut, auch wenn jeder, der sich mal mit einem Beamten über dessen Einkommen unterhalten hat, zu hören bekommt: „In der freien Wirtschaft sind die Gehälter viel höher!“

Beamte und Pensionäre sind die großen Streikgewinner

Ja, aber in der freien Wirtschaft kann man auch seinen Job verlieren. Und: Beamte können von ihrem Geld mehr behalten, weil sie weniger Abgaben zahlen. Sie sind automatisch Privatpatienten, und zusätzlich zum Kindergeld bekommen Beamte noch einen „Familienzuschuss“: In Hamburg sind das 161 Euro pro Monat für ein Ehepaar, 349 Euro für ein Paar mit Kind, 537 Euro für zwei Kinder. Richtig lukrativ wird der Familienzuschlag ab dem dritten Kind: 1375 Euro jeden Monat. Aufs Kindergeld obendrauf!

Die durchschnittliche Pension liegt laut Statistischem Bundesamt bei 3416 Euro – auf einen so kommoden Lebensabend kommt kaum ein Rentner, egal wie viel er privat vorsorgt. Ach ja, wenn ein Beamter stirbt, zahlt der Staat seinen Erben noch zwei Pensionen als „Sterbegeld“. Wenn kein Ehepartner mehr vorhanden ist, bekommen die (erwachsenen) Kinder das Sterbegeld. Bei der Rente gibt es das „Sterbevierteljahr“, das gilt aber nur für Witwen und Witwer, erwachsene Kinder gehen leer aus.

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Und nun kommen bis 2028 weitere 5,8 Prozent auf die Beamtenbezüge und die Pensionen, und weil die eh schon so gut verdienen, sind auch die Steigerungen teuer. 4,11 Milliarden zusätzlich bekommen die rund 925.000 Tarifbeschäftigten der Länder, also die Erzieherinnen und die Leute von den Bauhöfen und all die anderen. Aber: 8,23 Milliarden zusätzlich gehen an die mehr als 1,3 Millionen Beamten und Pensionäre. Alleine Hamburg muss durch den Tarifabschluss bis zum Jahr 2028 gut 1,6 Milliarden Euro mehr an Personalkosten wuppen. Beamte dürfen nicht streiken – aber sie sind die großen Streikgewinner.

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