Wegen „Oliven-Staubsauger“: Viele Öle sind gar nicht vegan
„Was ist denn an Olivenöl nun falsch?“, bekomme ich mit leicht genervtem Unterton zu hören. Eigentlich nichts, würde ich gerne antworten. Wenn da nicht die Vögel wären, die Opfer bei der Ernte werden. Das wollen Sie nicht wissen? Ich hätte auf die Erkenntnis auch gerne verzichtet. Andererseits hätte ich dann vermutlich ein tolles Öl, das dieser Tage wieder auf den Hamburger Wochenmärkten angeboten wird, nicht entdeckt.
Klar, Olivenöl ist vegan, die Natur hat es so gewollt. Und dann kamen die Menschen, zumindest einigen scheint der Schutz von Natur und Tierwelt ziemlich schnuppe zu sein. Es gibt die vielen kleinbäuerlichen Betriebe und Manufakturen, die von Hand ernten, schonend pressen und tolle Öle herstellen. Fine’s Olivenöl aus Hamburg ist so eins. Dazu später mehr.
Die meisten Ölflaschen sind nicht gekennzeichnet
Und es gibt die anderen, die riesige Monokulturen intensiv beackern, auf denen viel Technik bei der Ernte eingesetzt wird. Da fahren Tag und Nacht Rüttelmaschinen durch die Baumreihen – oder eine Art Oliven-Staubsauber. Und der macht vor nichts Halt, auch nicht vor Vögeln. Weltweit, so schätzen Experten, sollen Millionen Piepmätze Opfer bei der Olivenernte werden.
Es ist die Gier nach mehr Ertrag bei weniger Kosten. Und als Verbraucher:in steht man ziemlich doof da. Denn die meisten Ölflaschen sind nicht gekennzeichnet. Dabei wäre das so dringend nötig: „Achtung, für dieses Produkt mussten Vögel sterben.“ Komisch, dass das noch keiner der selbsternannten politischen Verbraucherschützer gefordert hat, die sich sonst so gerne echauffieren, wenn jemand einen Haferdrink Milch nennt. Es gibt zwar ein Öl-Siegel, das „FAO GIAHS“, aber das ist nicht weit verbreitet. Auch biozyklisch-vegan gekennzeichnete Produkte kann man ohne weitere Recherche kaufen. Bei allen anderen muss man den Hersteller fragen, wie er seine Oliven pflückt.
Josefine und Angelo Angelis aus Eimsbüttel bieten ein sortenreines Olivenöl an, das man ohne Angst vor gefiederten Kollateralschäden kaufen kann. Bald soll die neue Ernte wieder auf den Hamburger Wochenmärkten angeboten werden. Die Halb-Liter-Flasche kostet 16 Euro, der 1,1-Liter-Kanister 28 Euro.
Angelo ist Halbgrieche und er und seine Familie ernten die Oliven im Pilion-Gebirge im Osten des griechischen Festlands von Hand. „In den Hanglagen können keine Maschinen eingesetzt werden“, sagt er. „Bei der manuellen Ernte werden die Zweige der Pflanze geschont, Druckstellen an den Oliven vermieden.“ Als Hilfsmittel werden spezielle Rüttelstöcke eingesetzt, um die Oliven vom Baum zu lösen und mit Netzen aufzufangen. „Pro Baum brauchen wir zwischen 30 und 60 Minuten“, so Angelo Angelis – und der bringt im Durchschnitt 50 Kilo Ernte.
Für einen Liter Öl brauchen Angelo und seine Frau etwa acht Kilo Amfissa-Oliven – die werden grün geerntet. Die sind zwar nicht so ergiebig wie die dunkleren, die länger reifen. Dafür bekommt man aber ein großartiges Öl. „Der Pilion besteht zur Hälfte aus sehr alten, stark verwurzelten Olivenbäumen, die ein sehr aromatisches Öl produzieren“, sagt Angelo.
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Und wer Fine’s Olivenöl auf den Märkten nicht findet, hat beispielsweise auch in den Biomärkten Erfolg. Seit 1979 gibt es das griechische Bio-Olivenöl Mani, benannt nach einer Region im Süden der griechischen Halbinsel Peloponnes, der Familie Bläuel. Der mild-fruchtige Klassiker heißt Selection, kostet etwa 30 Euro pro Liter.