Der Buckelwal in der Ostsee.

Der Buckelwal lag 29 Tage vor der Insel Poel in der Ostsee. Foto: picture alliance/dpa

Wal in Not: Nie wieder so ein Herumgezerre!

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Es lohnt sich, um jedes Tierleben zu kämpfen, keine Frage. Doch der Rettungsversuch des Buckelwals in der Ostsee hat groteske Züge und offenbart eine große Heuchelei. Wochenlang hat der zuständige Umweltminister Till Backhaus, bald 30 Jahre im Amt, uns alle immer wieder aufgefordert, den Wal in Ruhe sterben zu lassen, gesagt, dass es keine Hoffnung mehr gebe.

Klar, dass das für Proteste sorgte. Der „herzlose Staat“ zeige seine hässliche Fratze – die Proteste und all der digitale mit KI erzeugte Irrsinn erinnerten bisweilen an die Zeit der Corona-Schwurbler. Der Wal als Projektionsfläche für all den Hass auf den Staat, Politikverdrossenheit, gemischt mit ein bisschen Esoterik. Und Backhaus hatte es seinen Kritikern denkbar einfach gemacht, als er dem Tier über Wochen jedwede Hilfe verweigerte, obwohl genau das staatliche Aufgabe gewesen wäre.

Die Schönheitsfehler der „Rettungsmission“

Stattdessen kamen zwei Millionäre, heuerten eine wilde Truppe mit wenig Ahnung von Walen und teils Kontakten ins extrem rechte Milieu an. Zwei Sponsoren – einer davon ist eine große Nummer im Trabrennsport. Tierschützer lehnen diesen als Pferdequälerei ab.


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Ein weiterer Schönheitsfehler dieser „Rettungsmission“: Jeden Tag (!) sterben weltweit geschätzt 800 Wale und Delfine durch Fischereigerät, auch die Ostsee ist voller gefährlicher Stellnetze, in denen jedes Jahr nicht nur Schweinswale grausam ihr Leben verlieren. Doch gibt’s größere Proteste? Fehlanzeige. Auch nicht für die mehr als zwölf Millionen Tiere, die allein in Mecklenburg-Vorpommern in fiesen Massentierhaltungs-Gefängnissen vegetieren.

Backhaus kennt das ganze tierische Elend. Wir alle kennen es. Und doch „vergessen“ wir die meisten Tiere, fokussieren unsere Empathie auf ein einziges. Das ist oft das eigene Haustier oder wie in diesem Fall, der Buckelwal – der absurderweise dann auch noch zwei Vornamen bekam. Wer sein Mitleid so selektiv vergibt, macht sich schnell der Heuchelei verdächtig, will auch die Verbindung zwischen dem am Ostseeufer gekauften Fischbrötchen und dem Elend der Meeressäuger nicht sehen.

Wie das unwürdige Schauspiel endet, ist unklar

Backhaus änderte in den wenigen Wochen seine Meinung radikal, mutierte vom Sterbebegleiter zum Walanbeter. Er wird noch erklären müssen, wie es dazu kam. Ob ihn wirklich Einsicht trieb? Und warum sorgte nicht sein Ministerium für die Walhilfe?

Nun ist der Meeressäuger in der Barge auf dem Weg Richtung Nordsee. Das für sich kann man erst einmal als einen großen Erfolg sehen. Aber ob das Tier wirklich gerettet wurde, ist völlig unklar. Keiner weiß, wie krank der Wal ist und ob er sich im Atlantik regenerieren kann oder ob er jämmerlich ertrinken wird. Ein Happy End wäre ihm zu wünschen, dann hätte sich das teils unwürdige Schauspiel an und auf der Ostsee wenigstens doch noch gelohnt.

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Aber egal, wie die Rettungsmission nun ausgeht – sie muss Folgen haben. Denn offensichtlich sind die Behörden nicht auf solche ökologischen Ausnahmesituationen vorbereitet. Es fehlt an einem einheitlichen Konzept und im Fall dieser Tierart an Experten, die Strandungen lebender Wale nicht nur in der Theorie kennen. So, wie es dieses Mal ablief, dieses wochenlange Herumgezerre an und um einen Wal, das darf es nie wieder geben.

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