Der Minister ganz dich beim Wal in der Ostsee

Groteske Situation: Erst sah Umweltminister Till Backhaus (SPD) dem Wal wochenlang beim Sterben zu – dann stieg er zu ihm in die Ostsee. Foto: picture alliance/dpa

Wal-Drama in der Ostsee: Das Versagen des Umweltministers

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Diese Woche beginnt, wie die vergangene geendet ist – mit einem Wa(h)lKampf, der weltweit seinesgleichen sucht. Und der mich von Tag zu Tag wütender macht. Wie kann es sein, dass wir in Deutschland – mit mehr als 2000 Kilometern Küste an Nord- und Ostsee (Festland und Inseln) – nicht in der Lage sind, einem einzigen gestrandeten Buckelwal auf die eine oder andere Weise zu helfen?

Während wir vor der Insel Poel (Mecklenburg-Vorpommern) zeigen, wie es nicht richtig läuft, wurde vor der Küste von New South Wales in Australien ein Buckelwal binnen Stunden gerettet. Zugegeben ist das direkt am offenen Meer einfacher als in so einer großen Badewanne wie der Ostsee. Aber es zeigt eben auch, wie wichtig Erfahrung mit Walstrandungen bei der erfolgreichen Rettung ist.

Wal-Drama: Man guckt einem Tier nicht beim Sterben zu

Und diese Erfahrung scheint an der Ostsee völlig zu fehlen, dazu noch ein wankelmütiger Umweltminister. Erst verkündete Till Backhaus (SPD) wochenlang, dass der Wal im Sterben liege, dass man ihn in Ruhe lassen solle – und rechtfertigte so sein staatliches Nichtstun. Wir Menschen mischen uns mit teils dramatischen Folgen jeden Tag in die Tierwelt und Ökosysteme ein – aber ausgerechnet bei diesem Wal will ein Minister der Natur vor laufenden Kameras freien Lauf lassen? Mein ethisches Verständnis ist das nicht. Jeder, der mit Tieren zusammenlebt, weiß, dass man einem in Not geratenen Lebewesen hilft – und es notfalls auch als letzten Gnadenakt von seinen Leiden erlöst. Was sicher kein Tierfreund tut: seinem Kumpel auf vier Pfoten beim Sterben zuzusehen.

Und weil der Buckelwal nicht schnell sterben wollte und der Druck der selbsternannten Walexperten, besonders im Internet, immer größer und grotesker wurde, machte Minister Backhaus den nächsten groben Fehler. Er überlässt nun schon seit Wochen das arme Tier einer privaten Hilfsinitiative – in der sich teils dubiose Leute tummeln, auch welche, denen die Liebe zu Menschen gänzlich abhandengekommen ist. Und die den Wal benutzen, um ein ganz übel schmeckendes politisches Süppchen zu kochen.

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Der Buckelwal hat all das nicht verdient. Er bräuchte ein tatkräftiges Umweltministerium, das das Handeln selbst bestimmt, um ihn kämpft und sich mit echten Experten für Walstrandungen berät. Stattdessen hält sich Till Backhaus weiter vornehm zurück und guckt zu, wie das private Rettungsexperiment in die nächste Runde geht. Dabei ist eine Frage völlig offen: Hat das Tier in der Nordsee oder im Atlantik überhaupt eine Überlebenschance? Oder ist das den vielen empörten „Walschützern“ egal, weil sie den Tod dann nicht mehr hautnah mitbekommen? So unbeachtet wie bei den geschätzt 300.000 Walen und Delfinen, die laut der Organisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) weltweit jedes Jahr durch Fischereigeräte sterben.

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