Vor dem Schlachter geflüchtet! Warum wir Kuh Mücke cool finden

Ein Rind liegt auf der Wiese zwischen vielen Schafen.
Kuh Mücke fand zwischenzeitlich bei einer Schafherde Unterschlupf.

Es ist ein Foto, das ans Herz geht. Eine Kuh türmt auf dem Weg zum Schlachter und sucht Zuflucht in einer Schafherde. Aber warum berührt die Geschichte von Mücke selbst Leute, die rigoros abstreiten würden, dass sie zur Gefühlsduselei neigen?

Das Todesurteil war über die Kuh schon gefällt. Doch ihr gelingt die Flucht in die Freiheit, sie versteckt sich eine Ewigkeit vor uns Menschen im Wald – und sucht schließlich Zuflucht bei 200 Schafen auf einer Weide bei Neckargemünd (Baden-Württemberg).

Nun lebt das Rind auf einem Lebenshof

Entspannt liegt das braun-weiße Rind da zwischen den viel kleineren Schafen, man beschnuppert sich, ach, wie niedlich, viel mehr Tieridylle geht kaum. Dieses berührende Bild auf der Wiese, so friedlich und anmutig, ist das wohl krasseste Gegenteil zu dem, was dem Rind eigentlich gedroht hätte: der Schlachthof. Die Tiere, die dort sterben sollen, sind voller Angst, die Luft riecht nach Blut. Schlicht: Es ist die Hölle.

Weil die Wiese im Stadtteil Mückenloch liegt, heißt die Kuh nun Mücke. Die Schafherde zieht weiter, Mücke hat da keinen dauerhaften Platz. Der Bauer, dem sie entkam, will sie nicht wiederhaben. So kommt sie auf den Lebenshof Rüsselheim – lebt nun im hessischen Alsfeld.

Wir haben eine seltsame Beziehung zu Tieren

Rund drei Millionen Rinder werden jedes Jahr in Deutschland geschlachtet. Mir tut jedes einzelne Tier leid, ich träume von einer Welt voller Respekt und ohne Tierquälerei oder Schlachthöfe. Und klar, deswegen begeistert mich auch die Geschichte von Mücke. Aber warum berührt dieses einzelne Rind viel mehr Menschen als nur Vegetarier und Veganer?

Frank Wieding vor Teller mit Gras und Steinen
MOPO-Autor Frank Wieding (59) isst seit mehr als 40 Jahren kein Fleisch. Gras und Steine musste er trotzdem noch nie essen.

In den meisten Supermärkten soll möglichst wenig daran erinnern, dass ein Stück Fleisch mal ein lebendes Tier war. Verpackt in Plastikfolie wird aus Mückes Artgenossen ein anonymes, seelenloses Lebensmittel. Aber sobald ein Tier nicht mehr anonym ist, freuen sich selbst Menschen, die Fleisch essen, dass es gerettet wurde. So wie bei Mücke.

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Wir Menschen haben eine ziemlich seltsame Beziehung zu Tieren. Wir lieben Hunde, schlachten aber Schweine. Wir feiern Mücke, aber Rindfleisch ist so lecker. Viel widersprüchlicher kann menschliches Verhalten kaum sein. Aber vielleicht trägt Mückes Geschichte dazu bei, dass ein paar mehr Leute ihren Fleischkonsum hinterfragen. Was wäre das für ein Happy End.