Ist das Kopfsteinpflaster oder kann das weg?
Der Verkehr in Hamburg stellt schon genügend Hindernisse bereit, da muss man nicht auch noch über Kopfsteinpflaster holpern – oder geht es hier um etwas ganz anderes? Ein Pro und Kontra.
Pro von Thomas Hirschbiegel: Das muss bleiben!
Es ist urig, holperig und gehört für mich in Altbauvierteln einfach zum Stadtbild – das Kopfsteinpflaster. Vor 100 Jahren war noch ein Großteil unserer Straßen damit gepflastert. Keine Angst – da will ich nicht wieder hin. Aber die wenigen Reste historischer Straßenpflasterung lasst uns doch bitte erhalten. Man findet Kopfsteinpflaster ja nur noch in wenigen Nebenstraßen vor allem in Ottensen, Eimsbüttel und anderen Vierteln mit vielen Altbauten.
Vor allem der Fahrrad-Lobby sind die holprigen Wackersteine ein Dorn im Auge. Ich gönne den Radlern ja ihre Velo-Routen oder asphaltierten Radwege. Aber die paar Straßen mit Kopfsteinpflaster soll man doch bitte nicht antasten. Im übrigen ist dieses Pflaster ganz im Gegensatz zum Asphalt ziemlich ökologisch. Es heizt sich im Sommer weniger auf und Regenwasser kann ganz im Gegensatz zu den viel zu vielen versiegelten Flächen in Hamburg gut ablaufen.
Der Text zum Thema: Anwohner kämpfen um historisches Kopfsteinpflaster
Doch das Stadtbild ist für mich das entscheidende Argument. Nicht umsonst kämpft auch der rührige Hamburger Denkmalverein für den Erhalt von Kopfsteinpflaster. Sie können dem nicht folgen? Dann spazieren sie doch einmal entspannt durch die Nebenstraßen zwischen Eppendorfer Weg und Bismarckstraße in Eimsbüttel und Hoheluft. Die Weltkriegsbomben haben hier die meisten Altbauten verschont und es ergibt sich ein harmonisches Bild wie aus einer anderen Zeit. Viele Anwohner sehen das übrigens genauso und kämpfen in Initiativen für den Erhalt des Kopfsteinpflasters. Recht so!
Kontra von Alexander Josefowicz: Das muss weg!
Zack, da sind sie wieder: die Bedenkenträger, Nölbüdel und „Das haben wir schon immer so gemacht …“-Blockwarte. Egal, was sich in unserer Stadt verändern soll, man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass sich punktueller, aber umso lauterer Widerstand dagegen formiert. Ob Nachverdichtung, Verkehrswende oder Verbesserung des Nahverkehrs: Die (un)passende Bürgerinitiative dazu ist schneller gegründet, als man „Baugenehmigung“ buchstabieren kann.
Besonders albern wird es, wenn sich der Volkszorn gegen die Beseitigung eines der Ärgernisse schlechthin auf Hamburgs Straßen richtet. Nein, ich meine weder Lastenräder noch SUV-Panzer. Sondern Kopfsteinpflaster.
Verkehr in Hamburg: Kopfsteinpflaster ist so nervig wie überflüssig
Dieser Straßenbelag ist passé, überholt, kann endgültig weg. Er macht den Autoverkehr noch lauter, als er ohnehin schon ist, er schüttelt Radfahrern das Rückgrat Richtung Schädeldecke und ernährt sich bevorzugt von Absätzen, Gehhilfen und kleineren Haustieren, die in den rasch größer werdenden Spalten zwischen den Steinen verschwinden.
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Dass Regenwasser in diesen Marianengräben besser versickert als auf Asphalt: geschenkt. Wer Entsiegelung will, schafft das auch ohne Kopfsteinpflaster, siehe etwa die Louise-Schroeder-Straße mit ihren bepflanzten Grünflächen zwischen Auto- und Fahrradfahrstreifen.
Ja, aber das historische Erscheinungsbild! Wenn ich nicht völlig falsch liege, gehörten Parkplätze früher nicht zum Straßenbild und trotzdem gibt’s die selbst in engen Altbaustraßen. Merke: Bloß, weil es alt ist, ist es noch lange nicht erhaltenswert.
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