Vegan-Kolumne: Wie die Gans ihre Federn behält und der Mensch es kuschelig hat
Vegan hört am Tellerrand längst nicht auf. Wer aus ethischen Gründen nichts vom Tier essen mag, achtet auch bei Kleidung, Kosmetik und Reinigungsmitteln, praktisch allen Produkten des täglichen Bedarfs, darauf, dass sie frei von tierischen Inhaltsstoffen sind. Sogar bis in den Schlaf beschäftigt mich das Thema.
Es gibt ja viele Dinge, die wir als Gesellschaft Tieren antun, die wir am liebsten nicht wissen wollen. Darum finden fast alle Grausamkeiten im Verborgenen statt. So auch das Rupfen von Gänsen und Enten bei lebendigem Leib – um an ihre Daunen für die Bettenindustrie zu kommen.
Die Tiere sind sehr sozial – und leben monogam
Zwar ist der Lebendrupf in der EU verboten. Aber ein Großteil der Daunen kommt aus Asien. Und selbst in Europa ist während der Mauser (Abwerfen und Neuwachstum von Federn) das Auskämmen der Tiere erlaubt. Auch so entstehen schmerzhafte Wunden, beklagen Tierschutzverbände.
Man könnte denken, dass es doch sinnvoll ist, die Daunen der Tiere, die für die Fleischproduktion besonders auch zu Weihnachten ohnehin sterben, zu verwenden. Doch in Europa überwiegt die Haltung von Gänsen in Hallen – fast immer ohne Zugang zu Bademöglichkeiten, was für die Tiere essenziell ist. Wer also Daunen solcher Tiere kauft, unterstützt tierquälerische Massentierhaltung. Und Gänse sind extrem sozial, leben – so man sie denn lässt – mit ihrem Partner ein Leben lang zusammen.
Selbst Daunen von Gänsen, die für die qualvolle Produktion von Stopfleber leiden, was in Deutschland verboten ist, können in Ihrer Bettdecke oder Daunenjacke landen, sagt die Tierrechtsorganisation Peta. Dabei werden die Enten und Gänse mit einem Rohr, das den Tieren in den Hals geschoben wird, zwangsernährt. Die Folge ist eine krankhaft verfettete Leber, die bei Gourmets ohne Gewissen als Delikatesse gilt.
Fürs Bett gibt es längst Alternativen
Und das ist die gute Nachricht für alle Menschen, die die Grausamkeiten nicht unterstützen wollen: Fürs Bett gibt es längst Alternativen zur wärmenden Tierfeder. Beispielsweise eine Ökodaune, die aus recycelten Plastikflaschen hergestellt wird. Ich schlafe seit Jahren unter einer Decke, die mit diesen synthetischen Fasern gefüllt ist. Als ich sie neu hatte, fiel mir auf, wie superleicht und flauschig sie war, sie ließ sich aufschütteln wie eine Decke mit Gänsedaunen. Und wer negative Eigenschaften befürchtet, weil die Deckenfüllung aus recyceltem Kunststoff ist – ich habe in vielen Jahren keine entdecken können.
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Seit Kurzem hat auch das ökologische Unternehmen „Kushel“ aus Hamburg eine vegane Bettdecke im Sortiment. „Kushel“ wurde mit Handtüchern aus Holzfasern und regenbewässerter Biobaumwolle bekannt, pflanzt für jede Bestellung zwei Bäume und gleicht seine CO₂-Emissionen aus. Nun also die federfreie Bettdecke mit einer Synthetik-Füllung, die sie „Royal Pearls“ nennen – weil der Betrieb in Schleswig-Holstein, der die Decken herstellt, „mit diesen Fasern bereits Promis und Königshäuser beliefert hat“, so das Werbeversprechen. Auch meine Frau ist von ihrer neuen veganen Bettdecke begeistert.