Olympia-Klatsche: Im Rathaus haben sie die wahren Probleme der Bürger vergessen

Tschentscher und Fegebank
Schon wieder eine Klatsche kassiert: Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne).

Ende! Aus! Vorbei! Hamburg hat alle Olympia-Träume abgewählt. Zweimal Nein, zweimal eine Klatsche für den rot-grünen Senat. Damit ist klar: Die Spiele kommen nicht nach Hamburg, das Thema ist tot. Die aktuelle Politikergeneration hat sich die Finger verbrannt – und auch den Kontakt zu einem Teil der Bevölkerung verloren.

Wichtig ist jetzt, dass die Befürworter das Ergebnis akzeptieren, ohne die Gegner zu diffamieren, wie es 2015 nach dem verlorenen Referendum der Fall war. Im sich zuspitzenden Wahlkampf war es noch vertretbar, das „Nein“-Lager als notorische Miesepeter darzustellen, als selbstgefällige Mecker-Heinis, denen der Mut fehlt, Hamburg größer zu denken. Damit muss jetzt Schluss sein.

Die Olympia-Abstimmung macht eine Spaltung der Stadt deutlich

Die Befürworter sollten selbstkritisch analysieren, warum die Menschen den vielen Versprechungen und Vorteilen, die Olympia ihnen angeblich beschert hätte, nicht folgten. Warum die Verheißungen von einem Aufschwung, von internationaler Strahlkraft, aber auch konkreten Verbesserungen wie mehr Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr oder Park- und Sportanlagen nicht fruchteten.

Lesen Sie hier: Der Live-Ticker zum Olympia-Referendum

Am Konzept dürfte es nicht gelegen haben, das war im Großen und Ganzen gut. Die „Nein“-Sager sind auch nicht alles Sportverächter, die Olympia per se ablehnen. In den Diskussionen vor dem Referendum wurde vielmehr eine Spaltung der Stadt deutlich.

Und zwar in einen Teil, der seit Jahren keine passende Wohnung findet. Der ständig mit ausfallenden S-Bahnen kämpft. Der an Baustellen verzweifelt. Oder schon im Alltag im Viertel merkt, dass die Stadt Probleme wie Vermüllung, Kriminalität, Ärztemangel oder überforderte Schulen nur begrenzt in den Griff bekommt.

Wenn ein ganzer Bezirk mit „Nein“ stimmt, ist das ein deutliches Signal des Misstrauens

Es ist kein Zufall, dass die Stadtteile, in denen die Menschen für Olympia gestimmt haben, auch zugleich die wohlhabenden Regionen Hamburgs sind: die Elbvororte, das Alsterufer, die Walddörfer, die HafenCity. Hier sind die Probleme, mit denen sich viele Hamburger im Alltag herumschlagen, oft weit weg.

Dass Stadtteile wie Altona-Altstadt oder St. Pauli, wo die Linke traditionell stark ist, gegen Olympia stimmen, dürfte wenig überraschen. Dass aber der Bezirk Harburg, der sich zu Recht vom Rathaus stiefmütterlich behandelt fühlt, geschlossen gegen Olympia stimmt, ist ein deutliches Zeichen des Misstrauens. Gleiches gilt für große Teile des Bezirks Mitte und den ärmeren Teil Wandsbeks.

Ob hohe Mieten, schleppender Wohnungsbau, der überlastete Hauptbahnhof, das Elend mit der S-Bahn, die Folgen von Wirtschaftskrise oder Armutsmigration – der Senat hat nur begrenzten Einfluss auf all diese Themen. Aber offenbar hat man im Rathaus unterschätzt, dass viele Menschen nicht an eine bessere Zukunft durch ein Megaevent wie Olympia glauben. Dass sie zu häufig Versprechen gehört haben, die nicht eingelöst wurden. Dass die Bewerbung als Elitenprojekt wahrgenommen wurde, das den Blick auf die realen Probleme im Alltag eher trübt als schärft.

Hamburg braucht Olympia nicht, um erfolgreich zu sein

Bei all dem entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass es SPD und Grüne waren, die einst für die Einführung Volksabstimmungen und Referenden in Hamburg gekämpft haben – um einen als abgehoben empfundenen CDU-Senat unter Druck zu setzen und den Bürgern, mit denen sie sich an einer Seite fühlten, mehr Macht zu geben. Nach dem Klimaentscheid ist das Olympia-Referendum schon die zweite Abstimmung, die der Senat in wenigen Monaten verliert. Das ist kein Grund für Rücktritte. Aber in der dritten gemeinsamen Legislaturperiode haben SPD und Grüne offensichtlich den Kontakt zur Lebensrealität eines Teils der Bürger verloren.

Die Wahrheit ist auch: Hamburg braucht Olympia nicht, um zu wachsen und erfolgreich zu sein. Klar, die Spiele hätten der Stadt einen Boost geben können, finanziell, aber vor allem mental und international. Wirtschaftlich erfolgreich und zugleich lebenswert kann eine Metropole aber auch so sein. Das Konzept bietet genügend Ansatzpunkte, an denen wir festhalten sollten.