Kommentar
Kritiker behielten Recht: „Monsterbrücke“ ist ein Fremdkörper, ein Feind aus Stahl
Die neue Sternbrücke ist technisch spektakulär, wirkt zwischen den Wohnhäusern aber wie ein brutaler Fremdkörper. Ein Kommentar.
Das Wochenende nutzten zahlreiche Hamburger für einen besonderen Ausflug – „Brücke gucken“ von der Stresemannstraße oder Max-Brauer-Allee aus. Ich gehörte auch dazu, wollte mir in der Realität das anschauen, was ich auf Fotos ungläubig zur Kenntnis nahm.
Schon der Transport der neuen Sternbrücke in der vergangenen Woche lockte viele Schaulustige an, sorgte für Staunen und Bewunderung für die Ingenieure. Mehr als 1000 Räder bugsierten den Stahlkoloss ganz dicht an den Häusern vorbei – eine technische Meisterleistung, vor der man sich einfach verneigen musste. Bundesweit schaffte es die Brücke in die Nachrichtensendungen, auch die Moderatoren zeigten sich beeindruckt.
Neue Sternbrücke: Ernüchterung über das viel zu massige Bauwerk
Doch am ersten Wochenende nach der Installation der Brücke weicht die Anerkennung der Ernüchterung. Wie befürchtet, ragt das Bauwerk wie ein überdimensionaler Fremdkörper aus einer Wunde zwischen den Wohnhäusern. Bei den Fotos, die überall die Runde machen, hätte man glauben können, dass diese KI-generiert sind. Aber es ist leider keine missratene Visualisierung, sondern brutale Realität.
Dabei ist die Höhe der neuen Sternbrücke mit rund 22 Metern gar nicht das Hauptproblem – gleichwohl die Häuser daneben wie zu klein geraten wirken –, sondern der massige Stahlunterbau, der als riesige graue Wand über der Straße schwebt. So bedrückend, dass die Durchfahrt unter der Brücke wie ein dunkles Loch wirkt. Der viele Stahl soll neben dem gewaltigen Brückenbogen der Statik dienen, damit das rund 108 Meter lange Bauwerk keine Stützen braucht.
Sternbrücke in Hamburg: Im Internet kursieren schon Graffiti-Bilder
Alle, die glaubten, die Kritiker der neuen Brücke hätten angesichts der von der Bahn vorgelegten Pläne mit ihren Worten von der „Monsterbrücke“ übertrieben, irrten leider. Diese Brücke in einem dicht besiedelten Stadtteil wirkt wie ein Fremdkörper, wie ein Feind aus Stahl.
Im Internet kursieren längst Vorschläge, wie man die Brücke verschönern könnte. Als XXL-Leinwand für Graffiti-Künstler beispielsweise. Dazu wird es legal sicher nicht kommen. Aber man darf sich schon fragen, warum die Brücke nicht wenigstens freundliche Farben bekommen hat – festgelegt in einem Wettbewerb mit Anwohner-Abstimmung. Oder warum der Stahlgigant nicht noch ein grünes Mäntelchen aus Pflanzen bekommt – ähnlich dem Hochbunker auf dem Heiligengeistfeld.
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