Kommentar Wehrpflicht: Warum sollen nur die Jüngeren ran?
Die bundesweiten Proteste von Schülern gegen die Wehrpflicht an diesem Wochenende zeigen, wie tief der Frust sitzt. Denn diese Generation ist nicht einfach „sensibel“. Sie ist erschöpft. Klimakrise, Corona, Preisexplosionen, eine wackelige Rente – viele junge Leute leben seit Jahren mit großer Unsicherheit. Und jetzt sollen ausgerechnet diese Jugendlichen für eine Freiheit kämpfen, die sie zuvor als selbstverständlich kannten und deren Bedrohung sie kaum gespürt haben.
Skurril ist das auch, wenn man bedenkt, mit welcher Haltung zur Bundeswehr wir erzogen wurden: Sie wurde unterfinanziert, belächelt, wegmoderiert. Wir, die Generation Z, sind in einem Land aufgewachsen, das zwischen pazifistischem Bauchgefühl und sicherheitspolitischer Schläfrigkeit pendelte. Jetzt sollen junge Männer mental darauf vorbereitet sein, mit dem G36 im Schneematsch zu liegen, patriotisch gestählt und kriegsbereit – ein Kraftakt, den man nicht binnen wenigen Monaten nachholen kann.
Meinung: Wehrpflicht nur für Männer? Ungleichbehandlung
Ein weiterer Faktor lässt zusätzlich Zorn entflammen: Dieselbe Gesellschaft, die ihren Söhnen ihr Leben lang gleiche Rechte und Pflichten predigte, erklärt nun, dass nur sie im Zweifel Uniform und Kriegslasten tragen sollen. Juristische Hürden hin oder her, politisch wirkt es wie eine Einladung an jene Parteien, die nur darauf warten, jede Ungleichbehandlung zu instrumentalisieren.
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Die Wahrheit ist: Viele junge Männer wären im Ernstfall bereit, dieses Land zu verteidigen. Aber sie erwarten zu Recht, dass ihnen ein Staat, der sie durch jede Krise hat stolpern lassen, erst erklärt, wofür sie einstehen sollen – und warum ausgerechnet sie und nicht auch die Älteren den Preis zahlen müssen.
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