Kampf um Olympia in Hamburg: Hat jemand den Bürgermeister gesehen?
Die Hamburger haben jetzt die Olympia-Unterlagen im Briefkasten – und es ist völlig offen, wie die Abstimmung ausgeht. Von Begeisterung ist allerdings wenig zu spüren. Nach dem Auftakt mit einem hochgelobten und optisch beeindruckenden Konzept ist die Kampagne nie richtig in Fahrt gekommen. Und das liegt auch am Bürgermeister.
Die Debatte zwischen Gegnern und Befürwortern hat sich in einem Klein-Klein der Zahlen und immer gleichen Argumente verhakt, populistischen Vorwürfen stehen großspurige Versprechen gegenüber.
Die Wahrheit ist: Keiner weiß, wie die Welt in zehn bis 20 Jahren aussehen wird. Niemand kann jetzt sagen, ob die Kosten für Bauten, Sicherheit & Co. halbwegs realistisch oder völlig utopisch kalkuliert sind. Corona-Pandemie, Ukraine- oder Iran-Krieg haben gezeigt, wie wenig planbar die Zukunft ist.
Pro oder Contra Olympia: Das ist mehr eine Frage des Glaubens als der Fakten
Die Frage, ob man für oder gegen eine Bewerbung ist, ist daher primär eine Glaubensfrage: Hält man Olympia – trotz aller Risiken und Probleme – grundsätzlich für eine gute Sache, für Hamburg und die Welt? Oder passen solche Mega-Events nicht mehr in die Zeit und schon gar nicht zu Hamburg, das sich im Mittelmaß ganz behaglich eingerichtet hat?

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Glaubt man dem Senat und den Parteien der Mitte die Versprechen von den Chancen, dem Schub, den Vorteilen? Oder hat man das Vertrauen, auch selbst von solch einem Projekt, von einem möglichen Olympia-Boom, zu profitieren, längst verloren?
Der Bürgermeister wirkt wie abgetaucht
Doch wenn es hier um Vertrauen geht, drängt sich eine Frage auf: Wo ist der wichtigste Politiker der Stadt, der Bürgermeister? Peter Tschentscher hat Hamburg das Olympia-Thema umgehängt, wissend, dass die Stadt darüber gespalten ist. Dann ist er abgetaucht.
Wer die Bürger überzeugen will, muss präsent sein. Muss zu den Kritikern, muss in die Medien, muss werben, Emotionen, und ja, auch den Glauben an eine bessere Zukunft entfachen, von der Olympia ein Teil sein soll. All das macht Tschentscher – zumindest bislang – nicht. Es reicht eben nicht, in jedem Bezirk einmal aufzutreten.
Und so dümpelt die Kampagne des Senats vor sich hin. 2015 war das Motto „Feuer und Flamme“. Jeder kannte es – anders als das aktuelle. Es lautet „Eine Chance für alle“.
Im Rathaus wurde hitzig debattiert – nur Tschentscher blieb reglos sitzen
Am Mittwoch wurde in der Bürgerschaft über Olympia gestritten, es ging hoch her. Der Finanzsenator stieg in den Ring, der Sportsenator. Nur Tschentscher blieb reglos sitzen. Es war Katharina Fegebank, die Zweite Bürgermeisterin, die die mitreißendste Rede hielt. Die an ein Wir-Gefühl appellierte, an die Energie, die Olympia freisetzen würde, an die Emotionen und die Begeisterung, an die Hoffnung auf ein besseres Morgen in einer unsicheren Zeit. „Olympia kann das Lebensgefühl einer ganzen Stadt verändern“, rief sie. Das muss man ihr nicht glauben. Aber sie hat es zumindest versucht.
2015 ist die Olympia-Abstimmung auch an der Arroganz eines Bürgermeisters gescheitert, der Kritikern beschied, schlicht zu doof zu sein, um die finanziellen Vorteile einer Bewerbung zu begreifen. 2026 könnte es daran scheitern, dass ein Bürgermeister gar nicht erst versucht, die Bürger zu überzeugen.
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