Irrer „Looksmaxxing“-Trend: Männer leiden für ihre Schönheit? Na endlich!
Seit Jahren schauen wir Frauen dabei zu, wie sie ihr Aussehen durch chirurgische Eingriffe verändern. Größere Brüste, Lippen und Hintern, kleinere Nasen, schmalere Taillen. Alles für den angeblichen „idealen Körper“. Ungefährlich sind diese Operationen nicht, an einigen Eingriffen sind Frauen sogar gestorben. Und plötzlich greifen auch Männer zu gefährlichen Mitteln, um ihr Äußeres aufzupolieren. „Looksmaxxing“ heißt ein bizarrer Trend, bei dem Männer in der Hoffnung auf ein dominanteres Aussehen sogar das eigene Gesicht mit einem Hammer bearbeiten. Klingt irre, ist irre. Und löst bei Frauen ein leichtes Gefühl der Häme aus.
Körperoptimierung mit allen Mitteln: Bisher konnte man meinen, dass Männer vom wahnhaften Streben nach angeblicher Schönheit nicht so stark betroffen sind. Klar, manch einer lässt sich Haare transplantieren oder gar den Brustmuskel mit einem Implantat mehr Volumen geben. Doch kein Vergleich zu dem, was sich Frauen an Operationen, Eingriffen, Extrem-Diäten und unzähligen Produkten aussetzen.
Jetzt gibt es allerdings eine Bewegung, die den Irrglauben vom „perfekten Körper“ auch bei Männern auf ein neues Level hebt: Looksmaxxing. Der Name erklärt bereits genau, worum es geht. Das Aussehen maximieren, das ganze Potenzial ausschöpfen.

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Leber essen und springen für die maximale Männlichkeit
Dafür greifen die Männer wortwörtlich in die Werkzeugkiste – etwa zum Hammer. Mit dem schlagen sie auf ihre Kieferknochen ein. Das soll die Knochenstruktur verändern und ein markanteres Aussehen verleihen. Ebenfalls beliebt: obsessives Kauen, um die Muskulatur zu stärken und das Gesicht kantiger zu formen. Andere verrückte Tipps sind der Massai-Sprung, ein traditioneller Sprungtanz aus Kenia und Tansania, durch den man angeblich größer werden soll. Oder das Essen roher Leber.

„Unsere Mission ist es, Männern auf der ganzen Welt das Wissen und die Mittel an die Hand zu geben, mit denen sie ihr äußeres Erscheinungsbild verbessern können“, heißt es im „Looksmaxxing Forum“ über die Bewegung. 65.000 Mitglieder tauschen sich allein auf dieser Plattform aus, laden Bilder von sich hoch und bewerten einander.
Looksmaxxer bewertet das Gesicht von Jeffrey Epstein
Auf unzähligen Instagram- und TikTok-Accounts werden Fotos, Videos und angebliche Erfolgsgeschichten durch das bessere Aussehen geteilt. Unter offenkundig KI-generierten Bildern von normschönen Männern mit starken Kiefern und bösen Blicken werden Tipps gepostet. Die reichen von Ernährung, Muskeltraining bis hin zur Hammer-Behandlung. Das Ziel dabei: Möglichst „männlich“ aussehen, möglichst dominant wirken. Und dadurch andere Männer einschüchtern und Frauen beeindrucken.
Daneben gibt es Typen wie den deutschen Instagrammer „Bramal.lookslab“. Er verbringt einen großen Teil seiner Onlinepräsenz damit, anhand von Fotos zu erklären, welche Stärken und Schwächen die Gesichter prominenter Männer haben. Zum Beispiel bei Jeffrey Epstein. „Er hat ein viel zu langes Gesicht. Sein Mittelgesicht ist sehr unkompakt“, sagt er. Aber: „Sein Augenabstand ist ideal.“ Final bewertet er den verurteilten Straftäter mit 3,2 von 10 Punkten. Der Mehrwert dieser Analyse ist im besten Fall fragwürdig.
Looksmaxxing kommt aus gefährlicher Incel-Szene
Der Begriff des Looksmaxxing stammt dabei aus den Tiefen des Incel-Kosmos. Eine Ecke des Internets also, wo Hass auf Frauen und Minderwertigkeitskomplexe zu einer gefährlichen Männerkultur verwoben wurden. Incel steht dabei für „involuntary celibates“ (unfreiwillig sexuell enthaltsam). Oder um es einfacher zu erklären: Männer, die Sex mit Frauen wollen, den aber nicht bekommen.
Schuld daran sind für die Incels allerdings nicht sie selbst, sondern die Frauen. Die hätten zu hohe Ansprüche, wären zu eitel, würden sich immer die falschen aussuchen, so der Konsens der frustrierten Männer.
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In sozialen Foren schließen sich diese Incels zusammen, fantasieren über Gewalt gegen Frauen und bestärken sich in ihrer verkorksten Weltsicht, in der sie die Opfer eines unfairen Systems sind, das Frauen zu viele Rechte einräumt. Aus dieser offen misogynen Nische des Internets stammt das Looksmaxing.
Männer zertrümmern sich Gesichter, dabei ist der Charakter das Problem
Die Theorie dahinter: Wenn man das eigene Aussehen an Schönheitsstandards anpasst, dann klappt es auch mit den Frauen. Denn diese seien ja schließlich oberflächliche, naive Püppchen, die nicht hinter diese Fassade blicken können.
Darauf, dass das Aussehen der Männer nicht das Problem an der Sache ist, sondern der Charakter, sind die Looksmaxxer und Incels offenkundig noch nicht gekommen.
Mit rotem Gesicht schauen die Männer stolz in die Kamera
Wenn dahinter nicht so ein spektakulär bescheuertes Männer- und Frauenbild stecken würde, könnte man beinahe Mitleid mit den komischen Typen haben, die sich auf den Kiefer kloppen und danach mit roten Gesichtern stolz in die Kamera schauen. Die meisten benötigen eher eine Therapie als einen besseren „Look“.
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Und dann macht sich noch ein Gefühl der Häme breit. Schließlich ist es genau das, was Frauen seit Jahrzehnten durchmachen. Größere Brüste, schmalere Taillen, optimierte Nasen, abgesaugte Bäuche, gebotoxte Gesichter, aufgepumpte Lippen – alles für die „Schönheit“. Dass Männer jetzt so blöd sind, auf den gleichen Schwachsinn hereinzufallen – es mag böse sein, aber ganz tief unten fühlt es sich nach so etwas wie Gleichberechtigung an.
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