Hamburger Firma entwickelt Spiegelei ohne Huhn

Yi-Ting Wang
Yi-Ting Wang vom „Apple & Eve“ zeigt das vegane Spiegelei.

Es gibt vegane Schnitzel oder Käse aus Cashew, pflanzliches Eis oder Hafermilch. So gut, so normal sind pflanzliche Lebensmittel inzwischen. Doch ziemlich abgefahren ist, was da eine Hamburger Firma entwickelt hat: ein veganes Spiegelei!

„Not Egg“ heißt das Ei aus Sojaprotein, Mungobohnenkernen, Sojabohnenquark, Ingwer, Kartoffelstärke und wenigem mehr. Doch nicht die Zutaten überraschen – sondern dass das Pflanzen-Ei im Zweierpack tiefgefroren in der Truhe liegt (100 g ca. 2,90 Euro).

Veganes Spiegelei aus der Tiefkühltruhe

Ich finde es cool, wie sich der Handel bewegt und immer mehr pflanzliche Lebensmittel die Supermärkte erobern. Als ich vor 40 Jahren Vegetarier wurde, musste man nach Fleischalternativen lange suchen – und irgendwas mit Ei gab’s natürlich gar nicht.

Meiner Frau sieht man die Skepsis an, als ich ihr begeistert erzähle, was ich da bei Edeka-Hirche gefunden habe. Ich kann ein wenig punkten, dass es die Entdeckung mit Kartoffelpüree und Blattspinat geben soll – ihr Leibgericht, das es mangels Ei-Ersatz seit Jahren nicht mehr gab, weil ich bei uns der Koch bin.

Das Eigelb kommt farblich satt daher

Das Eigelb kommt farblich satt daher, ist aber fester als beim Hühnerei. „Die Farbe kommt durch Karotte und Kürbis“, sagt Yi-Ting Wang, Geschäftsführerin der Vonher GmbH, die das Pflanzen-Ei auf den deutschen Markt gebracht hat. Wir treffen uns im veganen Restaurant „Apple & Eve“ an der Grindelallee unweit der Uni, das ihr Geschäftspartner Damun Dadgar betreibt und wo man „Not Egg“ testen kann.

Das Eiweiß ist graubeige. „Man könnte mit Zusatzstoffen ein perfektes Weiß erreichen“, sagt Yi-Ting Wang. „Aber für uns fühlt sich das nicht richtig an.“ Die verwendeten Zutaten „ohne künstliche Zusätze“ würden für einen cremigen Farbton sorgen, der beim Braten heller würde. „Für uns zählt am meisten, dass es gut schmeckt, die richtige Konsistenz hat und ohne Tierleid auskommt“, sagt Wang.

Mopo-Autor Frank Wieding sitzt vor einem Teller mit Gras, davor liegen Steine.
MOPO-Autor Frank Wieding isst seit mehr als 40 Jahren kein Fleisch, lebt seit 2017 vegan.

Aber wie kommt man auf die abgefahrene Idee, ein veganes Spiegelei zu kreieren? Nun, es gab in Deutschland schlicht noch keins. „Unsere Wurzeln liegen in Taiwan“, sagt Wang, „wo pflanzliche Proteine eine lange Tradition haben, insbesondere in der buddhistischen Küche, die uns mit Tofu inspirierte.“

Dann ging es längere Zeit in die Experimentierküche. Noch wird „Not Egg“ in Taiwan produziert. „Unser Ziel ist aber, die Herstellung nach Deutschland zu verlagern.“ Um das zu schaffen, geht’s fürs pflanzliche Ei kommende Woche auf die Gastro-Messe Internorga.

So schmeckt das vegane Spiegelei

Lange braucht das Pflanzen-Ei nicht in der Pfanne, drei, vielleicht fünf Minuten. Überraschend ist, dass das Eiweiß leicht fluffig ist, am Rand ist es papierdünn und knuspert, ähnlich wie kross gebratenes tierisches Eiweiß – echt verblüffend, was man aus Tofu alles machen kann. Kurios: Beim Geruch will das Ei so gar nicht Ei sein – denn der Schwefelgeruch fehlt völlig. Yi-Ting Wang: „Viele Menschen empfinden den Eigeruch als unangenehm.“

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Wer wie ich nicht darauf verzichten möchte, greift zum Kala Namak, das Zaubersalz mit seinem Schwefelgeschmack ist so genial, dass es schon eine ganze Kolumne füllte. Meine Frau probiert ihr „Not Egg“ pur. „Und?“, frage ich, ohne meine Freude zu verstecken. „Ja, okay“ kommt zurück.

Ich find’s verblüffend gut, hier treffen pflanzliche Innovation und Geschmack zusammen. Das vegane Spiegelei weckt bei mir Erinnerungen ans tierische Original, ohne dass dafür Hühner leiden mussten. Und Yi-Ting Wang plant schon das nächste Produkt: ein pflanzliches Rührei.