Gründerzeit-Bau wird plattgemacht: Hamburg kloppt mal wieder sein Erbe weg
Mitten in der HafenCity entwickelt sich das neu eröffnete gigantische Westfield-Einkaufszentrum zur großen Konkurrenz für die Hamburger Innenstadt. Überall auf der Welt würden Stadtväter nun wohl engagiert reagieren und die Attraktivität der traditionellen Einkaufsstraßen erhöhen. Und was tut Hamburg? Genehmigt den Abbruch eines prächtigen Gründerzeit-Altbaus an der Ecke Große Bleichen/Poststraße. Denkmalschutzamt und Oberbaudirektor verhindern das nicht, sondern nicken zum wiederholten Male den Bau eines öden Büro-Klotzes ab.
Man soll ja als Journalist immer schön ruhig und sachlich bleiben. Doch bei diesem Thema will mir das einfach nicht gelingen. Warum? Weil im Rathaus so entsetzlich lieblos mit einer Perle umgegangen wird, die es doch eigentlich behutsam zu polieren gilt.
Die Rede ist von der klassischen Innenstadt innerhalb des Ring 1. Die Lage zwischen Alster und Elbe, durchzogen von Fleeten und mit einem herrlichen Anleger an der Binnenalster versehen, ist einfach traumhaft. Dazu kommen Architektur-Kleinode wie Alsterarkaden und Colonnaden. Warum gefallen uns diese? Weil sie von Baumeistern liebevoll individuell geplant wurden und eben keine austauschbare Architektur darstellen.
Altbauten sind in Gefahr
Doch solche Bauten sind in Gefahr. Das Deutschlandhaus am Gänsemarkt und das Commerzbank-Gebäude am Nikolaifleet sind nur die jüngsten Beispiele einer üblen Abrisskultur in unserer Stadt. Jetzt trifft es den Gründerzeit-Eckbau Große Bleichen/Poststraße. Die Bagger sind schon da.
Das Eckhaus prägt den quirligen Platz zwischen Hanseviertel, Alter Post und Alsterhaus seit vielen Jahrzehnten. Es handelt sich um den hinteren Teil der Einkaufspassage Hamburger Hof am Jungfernstieg. Die Immobilie gehört den Versicherungskonzernen Ergo und Munich Re. Die wollen in den Komplex Hamburger Hof ein paar Hundert Millionen Euro investieren und vor allem Büros schaffen.
Altbau an der Rückseite scheint einfach im Weg zu sein
Zwar ist die bekannte rötliche Fassade des ehemaligen Hotels an der Ecke Jungfernstieg/Große Bleichen denkmalgeschützt und bleibt. Aber bei solcher Art Flächenoptimierung scheinen dann der nicht denkmalgeschützte Altbau an der Rückseite und weitere Gebäude an den Großen Bleichen einfach im Weg zu sein.
Nun kümmert sich unser Denkmalschutzamt zwar penibel um manche Holzfenster oder Türfassungen, aber weniger um das Stadtbild. Wie immer wird dann lamentiert, dass der Altbau mehrfach verändert wurde und dadurch keinen „Denkmalwert“ mehr hätte. Fachleute verstehen das vielleicht, sehr viele Hamburger dagegen nicht.
Oberbaudirektor Höing offensichtlich kein Freund von Altbauten
Unser Oberbaudirektor Franz-Josef Höing ist offensichtlich auch kein Freund von Altbauten. Er lobt das „fantastische Projekt“ als „echtes Bekenntnis zur Hamburger Innenstadt“. Der Neubau an der Poststraße würde sich „hervorragend“ ins bestehende Ensemble einfügen. Meint der Mann das wirklich ernst? Immerhin wird hier ein von den meisten Hamburgern wohl als schön angesehener Altbau gegen ein profanes Bürogebäude ersetzt, wie es überall in Deutschland stehen könnte.
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Fakt ist: Hamburg kloppt mal wieder sein Erbe kaputt. Man könnte heulen oder eine Frau zitieren, die seit Jahren engagiert, aber meist erfolglos für den Erhalt von Altbauten kämpft. Kristina Sassenscheidt vom Denkmalverein sagt: „Hamburg droht eine wichtige Architektur-Epoche schleichend zu verlieren.“