„Gen Z“ will’s nicht hören: Auch an Vintage-Pelz klebt Blut!

Felljacke in einem Ladengeschäft.
Eine gebrauchte Felljacke in einem Second-Hand-Geschäft.

Es gibt Entwicklungen, die machen mich wütend. Seit Jahrzehnten kämpfen Tierschützer dafür, dass Pelzmäntel aus den Geschäften und von den Laufstegen verschwinden. Ein mühsamer Einsatz, aber durchaus erfolgreich. Doch junge Menschen verhelfen in jüngster Zeit Omas Pelz zu einer Wiedergeburt – unter dem Deckmantel der Nachhaltigkeit.

Ausgerechnet also die Generation, die für „Fridays for Future“ steht, macht das Fell toter Tiere wieder tragbar – zumindest ist es die gleiche Altersgruppe. Sie bedienen sich an Omas Kleiderschrank. Wenn der schon geplündert ist, helfen Second-Hand-Läden weiter. „Es wäre schrecklich, wenn diese Mäntel auf einer Mülldeponie landen würden“, zitiert die Deutsche Presseagentur eine Ladenchefin aus Berlin. Wirklich?

Fellmäntel aus Omas Kleiderschrank

Mir fällt dazu ein, wie Nerz, Marderhund oder Silberfuchs in engen Käfigen leiden mussten, bevor aus ihnen Mäntel und Jacken wurden. Das ist schrecklich.

Vor bald 40 Jahren sammelte ich mit anderen Tierschützern auch Pelze von Omas und Müttern ein, die sie schon damals aus Scham nicht mehr tragen mochten – um sie dann mit Theaterblut als drastisches Anschauungsobjekt auf der Hamburger Mönckebergstraße in Szene zu setzen.

Nerz in einem Drahtkäfig.
Ein Nerz im Käfig auf einer polnischen Pelztierfarm.

Ich dachte, es hätte sich in all den Jahren etwas nachhaltig im Bewusstsein vieler Menschen verändert. Und nun wird ausgerechnet die Nachhaltigkeit bemüht, weil für einen Vintage-Pelz ja kein Tier neu sterben musste. Für mich ist das eine absurde Argumentation, die völlig ausblendet, wofür Fellkleidung steht.

Jeder Pelz, egal wie alt er ist, der öffentlich getragen wird, ist ein Statement – dafür, dass es völlig in Ordnung ist, dass Tiere für die Mode leiden und sterben. So wird Tierquälerei normalisiert.

„In Wirklichkeit ein ethischer Rückschritt“

„Was als Retro-Revival verkauft wird, ist in Wahrheit ein ethischer Rückschritt“, sagt dann auch Julia Zhorzel, Fachreferentin Bekleidung und Textil bei der Tierrechtsorganisation Peta, die mit ihren „Lieber nackt als im Pelz“-Kampagnen immer wieder für Aufsehen gesorgt hat. „Es gibt keinen ethischen oder ,coolen‘ Pelz.“

Auf den Laufstegen ist Pelz nie ganz weg gewesen. Aber nun beklagt nicht nur Peta, dass von „Mailand bis Paris Tierleid ein Comeback feiert“. Und wer echtes Fell noch ablehnt, schickt „Fake Fur“ auf die Bühne. Ist doch toll, dafür sterben wenigstens keine Tiere …

Frank Wieding vor Teller mit Gras und Steinen
MOPO-Autor Frank Wieding (59) isst seit mehr als 40 Jahren kein Fleisch. Gras und Steine musste er trotzdem noch nie essen.

Stimmt, aber die falschen Pelze kann heute kaum noch jemand vom tierischen Original unterscheiden – so täuschend echt sehen sie aus. Deswegen sehe ich sie ziemlich kritisch. Kunstpelz ist erst dann eine Alternative, wenn weltweit alle Pelzfarmen geschlossen wären und nicht mehr ungewollt Werbung für ein blutiges Geschäft machen könnten.

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Wer Omas Pelz nicht entsorgen will, der kann sich daraus Kissen oder eine Decke für zu Hause machen lassen, empfiehlt der Deutsche Tierschutzbund, weil so der Werbeeffekt für Pelze weitestgehend entfällt. Für mich wäre auch das nichts: Alles, was Pelz trägt, lebt bei mir noch – die beiden Katzen.

Es gibt Entwicklungen, die machen mich wütend. Seit Jahrzehnten kämpfen Tierschützer dafür, dass Pelzmäntel aus den Geschäften und von den Laufstegen verschwinden. Ein mühsamer Einsatz, aber durchaus erfolgreich. Doch junge Menschen verhelfen in jüngster Zeit Omas Pelz zu einer Wiedergeburt – unter dem Deckmantel der Nachhaltigkeit.