Ein Wolf in einem Gehege.

Der in Hamburg gefangene Jungwolf in einer Wildtierstation in Sachsenhagen (Niedersachsen). Foto: Umweltbehörde Hamburg/dpa

Töten oder auswildern? Es gibt nur eine Option für Hamburgs Wolf

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Der Jungwolf, der Hamburg mehrere Tage in Atem hielt und von Polizisten aus der Binnenalster gefischt wurde, ist nun seit vier Tagen in Gefangenschaft. Es wird darum gerungen, was mit dem Wildtier geschehen soll. Bei nüchterner Analyse gibt es nur eine Möglichkeit.

Im Februar 1904 wurde der letzte Wolf in der Lausitz (Sachsen) erschossen. Es dauerte rund 100 Jahre bis das Wildtier aus Osteuropa wieder nach Deutschland einwanderte – und immer mehr Reviere besiedelte. Auch in Hamburg gibt es Sichtungen, 21 waren es seit 2013 – aber nur von Tieren auf der Durchreise.

Menschliche Gerüche findet der Wolf bedrohlich

Aber ein Wolf mitten in der Großstadt, damit musste man bis Ende März nicht rechnen, auch wenn Jungwölfe als neugierig gelten. Üblicherweise meidet das scheue Wildtier Menschen und Hunde sowie damit verbundenen Lärm und Gerüche. Für den Wolf ist die Stadt das, was das Tier für viele Menschen ist – fremd und bedrohlich.

Das kann man keinem verübeln. Denn seit seiner Rückkehr werden die Urängste vom „bösen Wolf“ wieder geschürt, weil er manchmal eben auch den bequemen Weg der Nahrungsaufnahme geht und Schafe reißt, die der Mensch gerne selber essen möchte. Wiederholt sich also die Geschichte, die einst zu seiner Ausrottung führte? Hoffentlich nicht.


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Es gibt bisher keine Hinweise darauf, dass der Hamburger Jungwolf den Kontakt zum Menschen gesucht hat, gar aggressiv war. Sicher ist allerdings, dass er die ganzen Tage bis zum Einfangen ängstlich und gestresst gewesen ist. Experten vermuten, dass er schlicht keinen Weg mehr raus aus der Stadt fand. Und auf der Suche nach einem Ausweg immer weiter in Richtung City gelangte – vielleicht auch aufgescheucht durch ein Erlebnis mit einem Hund oder Auto. Wissen tun wir das bisher nicht.

Der Wolf in Hamburg war ängstlich und gestresst

Hätte sich jemand vor dem 30. März eine solche surreale Begegnung von Tier und Mensch in der kleinen Altonaer Ladenpassage ausgedacht, wäre die Geschichte als Quatsch abgetan worden. In Panik – wen wundert das angesichts des Ortes wirklich – ist der Wolf immer wieder gegen die Glastür der Passage gelaufen und hat dann eine Frau, die ihm helfen wollte, leicht verletzt. Ob mit seinen Krallen oder Zähnen, ist unklar. Experten sind sich jedoch sicher, dass es sich nicht um einen gezielten Angriff handelte, sondern dass sich der Wolf bedrängt fühlte, keinen Ausweg sah und sich aus Angst verteidigte.

Das ist durchaus entscheidend, wenn es darum geht, welche Zukunft das Tier hat. Der Wolf wurde gerade unter Protest von Tier- und Naturschützern ins Jagdrecht aufgenommen, darf nun leichter geschossen werden, wenn er eine Gefahr für Nutztiere oder Menschen darstellt. 

Auch wenn bei der Gesetzesänderung nicht an einen Wolf im Großstadtdschungel gedacht wurde: Das durch Hamburg irrende Tier hat seine Scheu vor dem Menschen nicht verloren. Es hat keine Schafherden in der Stadt gewildert und war auch nicht aggressiv im Sinne von feindselig. Deswegen gibt es keine rechtliche Grundlage, das Tier zu töten – eine ethische Legitimation ohnehin nicht. 

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Er gehört genauso wenig in ein Gehege wie in die Stadt. Sein Revier ist die Natur, so weit weg vom Menschen wie möglich. Aber auf jeden Fall gehört er in die Freiheit. Man darf erwarten, dass Hamburgs Nachbarländer, die über viel Fläche verfügen, hier konstruktiv an einer schnellen Lösung mitarbeiten.

Wer werden lernen müssen, mit dem Wolf zu leben. Dazu gehört auch, Erwachsene wie Kinder über sein Verhalten aufzuklären.

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