Woher kommt diese Weinerlichkeit beim angeblich starken Geschlecht?

Woher kommt diese Weinerlichkeit beim angeblich starken Geschlecht? Foto: IMAGO/peopleimages.com

Die Weinerlichkeit des starken Geschlechts

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MOPO-Chefredakteur Maik Koltermann schreibt in seinem Kommentar über Gewalt gegen Frauen, männliche Abwehrreflexe – und die Frage, warum viele Männer Kritik lieber als Angriff verstehen, statt sie als Anlass zur Selbstreflexion zu nehmen.

Nun also Morddrohungen. Gegen Collien Fernandes. Die Frau, die über Jahre hilflos hinnehmen musste, dass gefälschtes pornografisches Bildmaterial von ihr im Netz verbreitet wurde. Die später feststellte, dass jemand in ihrem Namen mit Männern in Chats und übers Telefon sexuell aktiv war. Und noch später, dass hinter vielem davon ihr Mann stecken soll, wofür es offenbar auch plausible Belege gibt (wobei sein Anwalt sagt, das sei so nicht richtig, und für Christian Ulmen, der sich bisher nicht äußert, juristisch die Unschuldsvermutung gilt).

Davor hatten wir über die Epstein-Affäre gesprochen, bei der massenweise junge, teils minderjährige Frauen und Mädchen reichen Männern auf einer Privatinsel zum Besteigen kredenzt wurden, als wären sie ein Snack.

MOPO-Chefredakteur Maik Koltermann. Florian Quandt
MOPO-Chefredakteur Maik Koltermann
MOPO-Chefredakteur Maik Koltermann.

Und davor war’s der Fall Pelicot. Ein Ehemann hatte seine Frau über Jahre mit Medikamenten betäubt, ohne dass sie davon wusste, und sie dann Nachbarn bewusstlos zur Vergewaltigung überlassen. Die eingeladenen Männer, Feuerwehrmänner und Familienväter und honorige Dorfbewohner, kamen zuhauf, mehr als 50 sollen es gewesen sein, und sie nutzten die Gelegenheit mit Freude.

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Dazwischen purzeln regelmäßig Meldungen durch die News-Spalten, dass mal wieder ein Mann seine Frau getötet hat. Erschossen, erstochen, erschlagen, meist weil sie ihn verlassen wollte und er in dieser Frage auf das letzte Wort bestand.

Sollte Mann nicht versuchen, Teil der Lösung zu sein?

Was ist hier eigentlich los? Und wieso fällt so vielen von uns dazu nichts anderes ein als: „Jetzt werden wir Männer wieder in Sippenhaft genommen!“ Oder: „Was ist eigentlich aus der Unschuldsvermutung geworden?!“ Woher kommt diese Weinerlichkeit beim angeblich starken Geschlecht? Warum ist all das keine Gelegenheit, mal einen Schritt zurückzutreten und auf eine Welt zu blicken, in der Frauen, die laut Kritik an solchen Missständen üben, mit wüsten Pöbeleien und Drohungen im Netz verbal aus der Öffentlichkeit geprügelt werden sollen? Von Männern, die das nicht selten unter ihrem Klarnamen machen?

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Drängt sich da denn nicht der Eindruck auf, dass da ein grundsätzliches Problem ist? Überall um uns herum? Und dass wir Männer allein schon deswegen wesentlicher Teil davon sind? Und wäre es nicht naheliegend, dann zu entscheiden, dass Mann künftig versucht, Teil der Lösung zu sein? Sippenhaft? Nicht euer Ernst …

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