Der Wolf in Hamburg: Eine Lektion für arrogante Städter
Als langgedienter Lokaljournalist hat man alles schon erlebt? Aktueller Beleg dafür, wie sehr das falsch ist: die grob dreitägigen Geschehnisse um den Wolf, der erst durch die Gärten der Elbvororte lief, später in Altona in eine Einkaufspassage rannte, dort eine Frau leicht verletzte und schließlich aus der Alster gefischt wurde.
Gibt’s ja nicht? Gibt’s doch! Wie bei allen Ereignissen dieser Tage kochen kurz nach Bekanntwerden allerhand Emotionen hoch, die das weite Spektrum von Liebe („Der Arme! Was hat sich die Frau nur gedacht!“) und Hass („Knallt die Wölfe endlich alle ab!“) und fahrlässiger Lässigkeit bis überschießender Hysterie vollständig abdecken. Das ist anstrengend, aber wohl inzwischen normal.
Festzuhalten bleibt: Dass ein Wolf, für den Menschenaufläufe, Hunde, Autos und anderes Zivilisationszeugs der pure Horror sind, nicht etwa am Stadtrand abdreht, wie zuvor stets passiert, sondern immer weiter Richtung Verderben läuft, ist untypisch. Und offenbar der Unerfahrenheit des Jungtiers geschuldet, wie Experten meinen. Dass es aber trotz wachsender Populationen und immer größerer Nähe zur Stadt für solche Fälle keinen praxisnahen Notfallplan zu geben scheint und die Behörde alles eher so vor sich hin laufen ließ, das kann es ja nun auch nicht sein.
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Wir Städter wissen nun jedenfalls, dass Arroganz nicht weiterhilft: Der Wolf, sein Reiz und seine Risiken sind für uns nun nicht mehr nur ein Thema zum Dozieren aus der Distanz gegenüber Schäfern, Bauern und Umweltschützern. Wir sind von der Theorie zur Praxis nun einen gehörigen Schritt vorangekommen. Ist ja auch was wert …
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