Der Sündenfall des Tofu-Pioniers – da kommt mir das Essen wieder hoch!

Eine Packung Tofu.
Eine Packung geräucherter Bio-Tofu von Berief

Es ist die Schocknachricht in der Tofu-Bubble. Ausgerechnet der Konzern von Theo Müller, dessen Produkte ich aus guten Gründen schon immer links liegen gelassen habe, hat die Firma Berief aus Beckum im Münsterland gekauft. Die Empörung ist groß – kein Wunder, Berief ist einer der führenden Tofu-Produzenten und stellt auch diverse Eigenmarken für Discounter sowie Supermärkte her – und nicht immer ist das auf der Verpackung erkennbar.

Berief wurde 1985 gegründet und ist ein Pionier für Biotofu – außerdem drittgrößter Hersteller von Milchalternativen in Deutschland. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 113 Millionen Euro.

Vor vier Wochen wurde bekannt, dass Berief sich an die Unternehmensgruppe Theo Müller (Jahresumsatz 10,4 Milliarden Euro) verkauft hat – so denn die Kartellbehörde zustimmt. Ausgerechnet Müller, der Alice Weidel freundschaftlich verbunden ist und der Chefin der rechtsextremen AfD den gesellschaftlichen Teppich ausrollt – da kommt mir das vegane Essen wieder hoch!

Der Verkauf an Theo Müller ist ein Tabubruch

Für viele ist der Verkauf an Müller ein Tabubruch. Im Internet häufen sich unter Berichten negative Kommentare. „Schade, dass ihr kein Rückgrat habt“, schreibt eine Frau. „Man muss nicht einer ,links-grünen Bubble‘ angehören, um das nicht gut zu finden“, kommentiert ein anderer. „Man scheint bei euch vergessen zu haben“, schreibt ein weiterer, „dass vegan eine Lebenseinstellung ist, die Diskriminierung und Ausbeutung ablehnt.“

Unter Veganern gibt es zwei große Lager. Die einen, die jedes Produkt und jede Firma feiern, sobald sie ein pflanzliches Produkt auf den Markt wirft. Und die anderen, die auch gucken, welche Werte ein Unternehmen vertritt. Besonders deutlich wird das immer wieder bei Produkten des umstrittenen Konzerns Nestlé.

Ich fühle mich der zweiten Gruppe verbunden. Ich kaufe nichts von Nestlé, höchstens aus Versehen, weil ich ein Produkt dem Marktriesen nicht zuordnen konnte. Und ich habe noch nie etwas von Müller gekauft. Massentierhaltung, die Perversion der Turbokühe mit ihren extremen Milchleistungen, Tiere in brutaler Anbindehaltung – ein kurzes Kuh-Leben voller Ausbeutung. Mit Bauernhof-Romantik hat die Milch, die Großmolkereien produzieren, nichts zu tun.

Frank Wieding vor Teller mit Gras und Steinen
MOPO-Autor Frank Wieding (60) isst seit mehr als 40 Jahren kein Fleisch. Gras und Steine musste er trotzdem noch nie essen.

Zahlreiche bekannte Marken gehören zum Müller-Imperium. Zusätzlich stellt das Unternehmen diverse Eigenmarken für Handelsunternehmen her – ganz wie Berief bei Tofu und Milchalternativen. Doch die Boykottaufrufe gegen die Berief-Müller-Connection werden schwer umsetzbar sein. Denn faktisch alle großen Discounter und Supermärkte sollen Produkte aus Beckum im Sortiment haben. Erkennen kann man das oft nicht, weil nur der Auftraggeber auf der Verpackung steht. Manchmal aber auch die Soja Food GmbH aus Beckum, die zu Berief gehört.

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Wer sichergehen will, muss Tofu von kleinen Firmen kaufen. Das Onlinemagazin „Vegpool“ hat eine Liste erstellt, auf der Firmen „ohne Beteiligung der Tierindustrie“ zu finden sind. Darunter der Marktriese Taifun (Freiburg im Breisgau), Soyana (Schweiz), Tofutown (Lüneburg) und Tofu Nagel (gegründet in Hamburg) oder die Tofubar (Chemnitz), die ich jüngst in dieser Kolumne vorgestellt habe.