Das Ex-Paar: Collien Fernandes (r.) und Christian Ulmen (l.) bei einem Event 2018.

Das Ex-Paar: Collien Fernandes (r.) und Christian Ulmen (l.) bei einem Event 2018. Heute geht Fernandes juristisch gegen Ulmen vor – und ruft zu Demos in verschiedenen Städten auf. Foto: picture alliance / Eventpress | Eventpress Fuhr

Der Fall Ulmen: Das Schweigen der Männer

kommentar icon
arrow down

Meinem Partner und einem Kumpel erzählte ich gestern von dem Fall Collien Fernandes. Die Reaktion: Entsetzen. Sie hatten von dem Fall noch nichts mitbekommen, aber der Name Christian Ulmen sagte ihnen etwas. „Der aus Jerks, oder?“. Dann überlegten sie laut, wie ein Mann so etwas tun kann. Ich fühlte mich gehört – und trotzdem alleine.

Jedes Mal, wenn ich mit einem Mann darüber spreche, wenn wieder ein Fall von sexualisierter Gewalt in die öffentliche Wahrnehmung rückt, ist die Reaktion ähnlich. Erst der Schock, dann die Empörung und zum Schluss Ohnmacht. „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll“, höre ich dann oft.

Fall Collien Fernandes: Weibliche Prominente zeigen Solidarität

Und genau an dieser Stelle bricht es mir jedes Mal ein Stück das Herz. Denn in den Augen der Männer sind die Täter immer Fremde. Sie kennen sie nicht, es sind gestörte Individuen. Nicht sie, nicht ihre Freunde, nicht ihre Kollegen, nicht ihre Verwandten.


MOPO

Die WochenMOPO – ab Freitag neu und überall, wo es Zeitungen gibt!
Diese Woche u.a. mit diesen Themen:

  • Alarm, Dreck, Chaos: Feuerwehrmann über dramatische Zustände in Flüchtlingsunterkunft
  • Fahrschein, bitte: An welchen Bahnhöfen am häufigsten kontrolliert wird
  • Feuer-Drama: Welche Rolle eine Kloschüssel bei der Rettung einer Familie spielte
  • Große Rätselbeilage: Knobelspaß für die ganze Woche
  • 16 Seiten Sport: HSV-Juwel Baldé im Fokus & Sky-Kommentator über St. Paulis Abstiegskampf
  • 28 Seiten Plan 7: Eine Ausstellung wie „ein Tauchgang“ & ein aufwühlendes Stück an den Kammerspielen

Aber wir kennen sie. Ihre Gesichter, ihre Namen, die Geschichten. Jede Frau kennt mindestens eine andere Frau, der ein sexueller Übergriff oder sexualisierte Gewalt widerfahren ist. Wir solidarisieren uns, sowohl im echten Leben als auch auf den sozialen Medien. Die Männer schweigen. So auch im Fall Collien Fernandes.

Wer sich durch die Kommentare des Instagram-Beitrags von Fernandes liest, dem fällt auf: Es sind überwiegend weibliche Prominente, die ihren Mut loben und ihr Kraft wünschen. Personen des öffentlichen Lebens, die sich bisher zu dem Fall geäußert haben, sind hauptsächlich Frauen. Palina Rojinski, Rebecca Mir, Katharina Fegebank.

Ulmens Kollegen schweigen – und da liegt das Problem

Und natürlich ist deren Zuspruch wichtig. Aber genau hier liegt der Punkt: Denn wenn die Frauen sich nicht solidarisieren, wer tut es dann noch? Peter Tschentscher? Im Gegensatz zur Vize-Bürgermeisterin Fegebank hat er sich bislang nicht geäußert. Oder die Kollegen von Christian Ulmen? Til Schweiger, Florian David Fitz, Wotan Wilke Möhring, Fahri Yardim. Wo seid Ihr?

Es ist das Schweigen, das ich lauter höre, als die Worte der Solidarität. Für seine Filmkollegen ist Christian Ulmen kein Fremder. Sie kennen ihn. Haben über Jahre hinweg mit ihm gearbeitet. Sie kennen auch Collien Fernandes. Und dennoch sind sie still.

Das könnte Sie auch interessieren: Homophobe Attacke in U-Bahn – dann eskaliert die Situation

Es ist das grundlegende Problem: Wenn Frauen für andere Frauen da sind, aber Männer Täter decken, dann wird das System der Unterdrückung und der sexualisierten Gewalt immer weiter bestehen bleiben. Männer werden weiter ihre Anspruchsgedanken an Frauen und ihre Körper haben. Sie weiter missbrauchen. Sie weiter töten. Wer sollte sie schon verraten? Ihre Freunde etwa?

Das Schweigen der Männer aus der Filmbranche wiegt schwerer als der öffentliche Zuspruch der Frauen. Die nötige Solidarität von männlicher Seite fehlt. Die nötige Wut von männlicher Seite fehlt. Enttäuschend.

Für Christian Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Sein Anwalt Christian Schertz kündigte rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung des „Spiegel“ an, bei der es sich „in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung” handle. Zudem würden „unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet”.

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
test