Fahrrad auf dem Boden

Tödlicher Unfall in Moorfleet: Der Lkw muss den Radfahrer mit großer Wucht getroffen haben. Foto: IMAGO/BREUEL-BILD

Dann werden noch viele tote Radfahrer auf dem Asphalt liegen

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Das Frühjahr hat noch nicht richtig begonnen und schon liegt in Hamburg der erste tote Radfahrer auf dem Asphalt. Auf dem Radweg überfahren, von einem abbiegenden Lkw. Der Klassiker also, auch wenn das schrecklich zynisch klingt. 

Hamburg will „Fahrradstadt“ sein, so schreibt es sich der Senat auf die Fahnen. Doch wer in Hamburg Fahrrad fährt, geht ein Risiko ein. 21 Verkehrstote gab es 2025, elf davon Radfahrer, vom Kind bis zur Seniorin. Die meisten wurden übersehen. Und trugen keinen Helm.

Fahrradfahren in Hamburg: Besser einen Helm tragen

Hamburgs Polizei will deshalb eine Offensive starten. Radfahrer für Gefahren sensibilisieren, und zum Tragen eines Helms bewegen. Klingt sinnvoll, kommt in Wahrheit aber einer Kapitulation gleich. Das ist, als würde man zum Schutz vor Rasern sicherere Autos empfehlen, anstatt Blitzer aufzustellen.

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Ich fahre viel Fahrrad, trage Helm, eine Warnweste, habe immer Licht an. Genau das, was der Polizei vorschwebt. Trotzdem muss ich regelmäßig Vollbremsungen machen, weil ich „übersehen“ werde, von abbiegenden Lasterfahrern, Autofahrern, die aufs Handy starren, Menschen, die zu faul oder unbeweglich für einen Schulterblick sind.

Radfahrer werden in Hamburg viel häufiger kontrolliert als Lkw-Fahrer

Was Hamburgs Polizei sehr viel macht: Radfahrer kontrollieren. Was sie dagegen kaum macht: Abbiegekontrollen bei Lastwagen, die dürfen nämlich nur Schrittgeschwindigkeit fahren. Warum das so relevant ist, zeigt der Unfall am Donnerstagmorgen in Moorfleet. Auch wenn der genaue Hergang noch überprüft wird: Der Lkw muss aller Wahrscheinlichkeit nach deutlich schneller als mit Schrittgeschwindigkeit auf die Straße eingebogen sein, sonst hätte der tote Radfahrer am Ende nicht mehrere Meter vom abgetrennten Radweg entfernt mitten auf der Kreuzung gelegen.

In 2025 hatte die Polizei bis Ende September 24 Abbiege-Kontrollen bei Lkw durchgeführt, aber 779 Radfahrer-Kontrollen. In Hamburg werden Baustellen auch nicht systematisch auf Gefahren kontrolliert. Viele Radwege bestehen immer noch aus nicht mehr als etwas weißer Farbe auf dem Asphalt oder enden abrupt auf der Fahrbahn. Und jeder neue Radweg ist ein Politikum.

Gehandelt wird, wenn jemand stirbt

Schlimmer noch: Wer auf Gefahren hinweist, wird oft ignoriert, wie die tödlichen Unfälle in der HafenCity, am Baumwall oder in Farmsen-Berne gezeigt haben. Gehandelt wird erst, wenn eine Leiche auf der Straße liegt. Solange sich daran nichts ändert, wird die „Fahrradstadt“ noch viele Opfer fordern.

Dabei hat sich in den vergangenen Jahren einiges geändert. Die Infrastruktur wird besser, Autofahrer sind sensibilisierter, halten mehr Abstand, nehmen mehr Rücksicht. Und natürlich gibt es Radfahrer, die ohne Licht fahren, auf der falschen Seite oder über rote Ampeln und dabei ihr Leben riskieren. Für alle anderen aber muss es möglich sein, sicher von A nach B zu kommen. Nur dann ist Hamburg eine „Fahrradstadt“. Und dafür müssen endlich alle Beteiligten an einem Strang ziehen.

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