Chef weg, gigantisches Defizit: Tjarks und das Hochbahn-Problem

Anjes Tjarks (l-r, Bündnis 90/Die Grünen), Senator für Verkehr und Mobilitätswende, und Robert Henrich, Vorstand der Hamburger Hochbahn im Oktober 2025.
Anjes Tjarks (l., Bündnis 90/Die Grünen), Senator für Verkehr und Mobilitätswende, und Robert Henrich, Vorstand der Hamburger Hochbahn, im Oktober 2025.

Chef weg, Defizit groß, Erklärung offen: Ausgerechnet das Unternehmen, das Hamburgs Verkehrswende tragen soll, verliert seinen Vorstandschef vorzeitig. Und statt Antworten gibt es bisher vor allem Schweigen. Jetzt steckt die Hochbahn in einer heiklen Lage – und mit ihr der Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne).

Über eine Woche nach dem Hochbahn-Paukenschlag ist noch immer die zentrale Frage offen: Was ist an der Spitze eines der wichtigsten städtischen Unternehmen passiert? Vorstandschef Robert Henrich lässt seinen Vertrag Ende des Jahres auslaufen. Arbeiten soll er aber schon jetzt nicht mehr: Die Hochbahn hat ihn ab sofort freigestellt.

Hochbahn: Unternehmen in der Klemme

Für Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) ist das brisant: Die Hochbahn gehört der Stadt, betreibt Hamburgs U-Bahnen und Busse, baut an der U5 und soll einen wesentlichen Teil der Mobilitätswende umsetzen. Tjarks ist als Senator dafür verantwortlich und zugleich Vorsitzender des Hochbahn-Aufsichtsrats. Welche Rolle er bei Henrichs Freistellung spielte, ist offen. Klar ist aber: Tjarks trägt politische Verantwortung dafür, dass die Hochbahn funktioniert. Wenn es hier knirscht, fällt es auch auf ihn zurück – und der plötzliche Abgang und das Schweigen der Beteiligten legen nahe: Es knirscht ordentlich.

Die WochenMOPO – ab Freitag neu und überall, wo es Zeitungen gibt!

Diese Woche u.a. mit diesen Themen:

  • Nach Olympia-Aus: Was Hamburger jetzt vom Bürgermeister erwarten

  • Block-Sündenbock: Warum der Familienanwalt Costard in den Fokus rückt

  • Public Viewing: In welchen Bars, Biergärten und Kneipen Sie die Fußball-WM gucken können

  • Große Rätselbeilage: Knobelspaß für die ganze Woche

  • 16 Seiten Sport: Aus für Blessin bei St. Pauli & Jattas emotionale HSV-Reise

  • 28 Seiten Plan7: Konzerte und mehr im Schanzenzelt, Gastro-Comeback & Tipps für jeden Tag

Dazu steckt die Hochbahn finanziell in der Klemme: 2017 deckte sie noch mehr als 90 Prozent ihrer Ausgaben selbst. In diesem Jahr sollen es nur noch knapp 66 Prozent sein. Heißt: Fast jeder dritte Euro muss anderswoherkommen. Die Stadt muss immer mehr zuschießen. Die Schulden steigen. Gleichzeitig soll die Hochbahn die U5 vorantreiben, ihr Angebot ausbauen und die Busflotte klimafreundlicher machen.

Warum der Fall Henrich für Tjarks heikel ist

Wenn in so einer Lage der Vorstandschef plötzlich freigestellt wird, drängen sich Fragen auf: Gab es Streit über die Strategie? Einen Machtkampf an der Spitze? Einen Vertrauensbruch? Öffentlich bestätigt ist bislang nichts davon. Der MOPO sagte die Behörde, sie äußere sich nicht zu Personalangelegenheiten. Doch so entsteht der Eindruck, dass die Stadt Henrichs Abgang nicht erklären kann – oder nicht erklären will.

Das könnte Sie auch interessieren: Experte über Olympia-Desaster: „Menschen halten lieber am Gewohnten fest“

Bis auf Weiteres haben die drei verbliebenen Vorstände Henrichs Aufgaben übernommen. Am 18. Juni berät der Aufsichtsrat über die Führung der Hochbahn. Für Tjarks ist der Fall heikel: Ausgerechnet das Schlüsselunternehmen seiner Verkehrspolitik steht ohne klaren Chef da – mit wachsenden Defiziten und Milliardenprojekten auf dem Tisch.