Böllerverbot: Hört auf zu zaudern – macht es wie die Niederlande
Früher fieberte ich dem heutigen Tag entgegen, wie ein kleines Kind dem Weihnachtsmann. Denn am 29. Dezember beginnt der Verkauf von Silvester-Feuerwerk. Ich war schon Tage vorher ziemlich aufgeregt.
Klar, was findet man als spätpubertierender Jüngling krasser, als wenn es ordentlich rumst. Der Schinken D-Böller, so nennt man das Großpaket mit 80-mal Lärm, war meins, und natürlich zündete ich die ersten Knaller weit vor der erlaubten Zeit.
Die pubertierende Begeisterung dauerte 20 Jahre
Und glauben Sie mal nicht, dass mit dem Gelärme als Erwachsener Schluss war. Meine pubertierende Begeisterung als Hobbysprengmeister sollte rund 20 Jahre andauern. Zwar tauschte ich die Böller gegen Batteriefeuerwerk ein. Statt nur laut wurde es nun laut und bunt. Aber so ging das, bis mich als Mittdreißiger endlich die Pyroscham überkam.
Es war ja nicht so, dass ich nicht wusste, dass Haus- und Wildtiere Todesängste an Silvester ausstehen müssen, einige sogar sterben. Dass die Luft vom Feinstaub geschwängert ist und die Rettungskräfte im Dauereinsatz sind. Ich wusste das alles, es war mir leider jahrelang ziemlich egal. Es war ja nur eine Nacht im ganzen Jahr, verteidigte ich die Ballerei trotz ihrer gefährlichen Nebenwirkungen vor mir selbst.
Drohnenshows könnten den Böller-Irrsinn ablösen
Längst könnten atemberaubende Lichter- und Drohnenshows diesen Schwarzpulver-Irrsinn ablösen. Hamburg verpennt hier bundesweit Vorreiter zu sein, gibt sich mit ein paar Mini-Verbotszonen zufrieden. Andere Länder sind längst weiter als Deutschland: In Irland oder in der belgischen Hauptstadt Brüssel ist privates Feuerwerk verboten, in einem Jahr auch in den Niederlanden. Doch hier zaudert die Politik.
Und dies, obwohl fast 2,4 Millionen Menschen (Update: 3,13 Mio., Stand 2.1.26) eine Petition der Gewerkschaft der Polizei für ein bundesweites Böllerverbot unterschrieben haben – die größte Unterschriftenkampagne, die bisher in Deutschland gestartet wurde. mehr als 977.000 Unterschriften zählt eine ähnliche Unterschriften-Sammlung der Umwelthilfe (Update Stand 2.1.26). Auch bei Umfragen ergibt sich eine klare Mehrheit für ein Verbot von privatem Feuerwerk. Dem hat sich nun auch Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt angeschlossen: „Das hat nichts mit Verbotskultur zu tun, sondern zeugt von der Einsicht einer reifen Gesellschaft, etwas Gefährliches zu lassen.“
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Wie zum Trotz fluten die Feuerwerksfirmen die Geschäfte mit noch mehr Knallkram als im vergangenen Jahr. Das lässt Böses erahnen. Bleibt nur die Hoffnung, dass wir alle mit ganz viel Spaß ins neue Jahr feiern und weder Mensch noch Tier zu Schaden kommen – auch wenn der erste schwerverletzte Jugendliche leider etwas anderes befürchten lässt.
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