Alles bloß Chemie? Was Kleister und vegane Wurst verbindet
Es ist schon lustig: Wenn es um veganes Essen geht, dann entdecken plötzlich alle ihr Herz für natürliche Lebensmittel – wettern gegen das „Chemie-Futter“. Ganz so, als ob es Farbstoffe, Geschmacksverstärker und Co. in tierischen Produkten nicht geben würde.
Am einfachsten wäre es fürs Gemüt, die kleingedruckten Inhaltsangaben von verarbeiteten Lebensmitteln nicht zu lesen. E-, Verdickungs-, Süß- und Farbstoffe – mal mehr, mal weniger wird da reingepanscht. Für Veganer ist die Lektüre Alltag beim Einkauf, weil sie oft nur so erkennen können, ob in einem Produkt irgendwas Tierisches versteckt ist. Denn mit dem gelb-grünen Vegan-Label ist nur ein Bruchteil pflanzlicher Lebensmittel gekennzeichnet.
Methylcellulose kommt auch in Pudding vor
So stolpert man öfter über Methylcellulose, die sich auch als E461 „tarnt“ und aus Pflanzenfasern gewonnen wird. Das weiße Pulver dient als Gelier- und Verdickungsmittel, kann Wasser bissfest machen. Es steckt oft in pflanzlichen Fleisch- und Wurstalternativen. Und weil es auch in Tapetenkleister vorkommt, triggert es gerne Vegan-Feinde.
Dabei kommt es auch in Mayonnaise, Eis oder Desserts vor. „Methylcellulose findet man auch in schaumigen Produkten, die stabil bleiben sollen“, so Jana Fischer von der Verbraucherzentrale Hamburg. Was beim Pudding hilfreich sein kann, nützt dem Körper nicht. Denn der kann die Fasern nicht verwerten. In üblichen Mengen ist die Cellulose gesundheitlich unproblematisch. Trotzdem rät auch die Verbraucherzentrale, möglichst wenig hochverarbeitete Lebensmittel zu essen.
Verbraucherschutz warnt vor Zusatzstoffen
Denn es gibt viele Inhaltsstoffe, die zwar zugelassen, aber in Verruf geraten sind. Zu viel Salz oder Zucker haben diese Produkte oft auch. Vor Aspartam (E951), einem Süßstoff, warnte vor einem Jahr die Weltgesundheitsorganisation, weil er „möglicherweise krebserregend“ sein könnte. Die Höchstdosis liegt allerdings bei 40 Milligramm Aspartam pro Kilogramm Körpergewicht – man müsste also extrem viele Softdrinks trinken, um den Wert zu erreichen.
Und auch Carrageen (E407) ist in vielen (veganen) Lebensmitteln enthalten. Ebenfalls ein Verdickungsmittel, man findet es auch in Schlagsahne. Das Zeug kann sich allerdings negativ auf den Darm auswirken und die „Aufnahme von Mineralstoffen hemmen“, so Verbraucherschützerin Fischer.
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Wer das alles nicht im Essen haben will, muss aber nicht hungern. Besondern in Bioprodukten finden sich viele Zusatzstoffe nicht – so auch nicht die Methylcellulose. Und als Verdickungsmittel wird beispielsweise das natürliche Guarkernmehl (E412) verwendet, das – solange man kein Allergiker ist – als unbedenklich gilt.