AfD-Nachwuchs: Was tun mit Leuten, die Hitler gut finden?
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Eins ist ja mal klar: Am Montagmorgen, wenn’s draußen kalt und dunkel ist und man sich beim Weckerklingeln eh schon fühlt wie Nosferatu in der Sommersonne, sollte ich Sie natürlich nicht mit düsterem Zeugs behelligen. Ein bisschen heiterer Unfug, ein paar launige Anekdoten – das wäre genau das Richtige, um einen kleinen Beitrag dafür zu leisten, dass Sie möglichst unfallfrei in die Senkrechte kommen. Ich habe heute leider hier nichts Derartiges im Programm. Ich muss stattdessen mal mit Ihnen meine Ratlosigkeit teilen.
Sie haben vermutlich davon gehört, dass der Verband der Familienunternehmer neulich angekündigt hat, dass er künftig mehr mit Vertretern der AfD reden wolle und die „Brandmauer“ für Quatsch halte. Man dürfe nicht ausgrenzen, sondern müsse ausdiskutieren. Oft sagen Leute auch, ein Bemühen um ein AfD-Verbot sei großer Unfug und undemokratisch. Stattdessen müsse man „bessere Politik“ machen und „Angebote“ schaffen.
Oft schreiben Leute uns an die MOPO, die sich beklagen, dass man sie als rechtsradikal bezeichne, nur weil sie Anhänger der AfD seien.
Und viele sagen, es müsse auch mal Schluss sein, mit der „ständigen Empörung“, weil das ja nix bringe.
Rechtsradikale Truppe wird umschmeichelt
Und dann höre und lese ich, was beim Gründungskongress der AfD-Nachwuchsorganisation „Generation Deutschland“ in Gießen auf der Bühne gesagt wird. Wie die AfD-Parteispitze die rechtsradikale Truppe, die einst die „Junge Alternative“ war, hofiert und umschmeichelt. Wie die Höcke-Fans nach seinem Beispiel ganz offen hantieren mit Formulierungen aus der Nazi-Zeit, immer nur haarscharf angerissen, aber deutlich genug, dass es jeder versteht, der „vom Fach“ ist, und das sind da alle.
Und dann frage ich mich: Und da sollen wir jetzt nicht mehr empört sein? Sondern eher lässig und locker?
Zugegeben: Empörung hat all das nicht verhindern können. Ich bezweifle nur, dass es mit abgeklärter Souveränität besser wird.
Lustvolles Suhlen in der braunen Suppe
Und was genau soll man denn nun besprechen, mit jemandem, der sich so lustvoll suhlt in all der braunen Suppe? Oder denen, die ungerührt danebenstehen? Die Herausforderungen einer Rentenreform? Oder zielgruppenaffin: „Wie viele Ausländer sollen wir abschieben, damit du damit aufhörst, Hitler toll zu finden?“ Oder entsprechend für die Wählerschaft: „…damit du damit aufhörst, Leute zu unterstützen, die Hitler toll finden?“
Nur, damit wir uns nicht falsch verstehen: Das ist gar nicht provokativ gemeint.
Mich würde wirklich interessieren: Was halten Sie für richtig und wichtig im Umgang mit der AfD? Und, falls Sie die AfD unterstützen: Ist Ihnen wirklich wurscht, was Höcke und Co. da im Maschinenraum der Partei so treiben? Schreiben Sie mir, wenn Sie mögen!
So. Und jetzt: Sorry, dass ich Sie früh am Morgen mit so was behelligt habe. Herzliche Grüße und einen schönen Wochenstart!
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