„Meine Tochter hob etwas auf und steckte es in den Mund – eine blutige Spritze“

Kleinkind schaukelt
Ein Kleinkind auf einer Schaukel. (Symbolbild)

Drogen, Elend, Süchtige – Die Anwohner von St. Georg sind sich fast alle einig: Die Lage in ihrem Stadtteil wird immer schlimmer. Viele von ihnen mussten bereits Erschreckendes erleben – wie Ronja, deren zweijährige Tochter auf dem Spielplatz plötzlich eine blutige Spritze im Mund hatte …

Ronja wohnt seit 2020 in St. Georg, gemeinsam mit ihrer zweijährigen Tochter. Die beiden waren auf dem Heimweg. Die Kleine wollte noch kurz im Lohmühlenpark spielen. Dann ging alles ganz schnell: „Ich sah, wie sie etwas vom Boden aufhob und in den Mund steckte“, so die Mutter. „Sofort riss ich es ihr aus dem Mund, aber es war schon geschehen. Es war eine blutige Spritze.“

Mutter kritisiert: Die Spielplätze sind nicht mehr sicher

Sie fuhren sofort ins Krankenhaus. Der Zweijährigen wurde Blut abgenommen, sie wurde nachgeimpft. Nach zwei weiteren Kontrollterminen die erleichternde Gewissheit: Das Mädchen hat sich mit nichts angesteckt. „Aber es ist erschreckend, dass man sein Kind auf dem Spielplatz nicht mit ruhigem Gewissen spielen lassen kann“, schreibt Ronja in einem Forum der „Bürgerinitiative St. Georg“, in dem Erfahrungsberichte der Anwohner von St. Georg gesammelt werden.

Stefan Wiedemeyer (links, 42) und Tobias Stempien (41) stehen vor dem Zaun der Elbkinder-Kita Greifswalder Straße.
Stefan Wiedemeyer (links, 42) und Tobias Stempien (41) stehen vor dem Zaun der Elbkinder-Kita Greifswalder Straße. Zum Schutz der Kinder wurde er mit Stacheldraht gesichert.

Stefan Wiedemeyer und Tobias Stempien gründeten die Initiative Anfang des Jahres, um die Probleme des Stadtteils sichtbarer zu machen – auf eigene Faust, unabhängig vom Wahlprogramm der Politiker.

St. Georg: Anwohner beklagen fast alle dieselben Probleme

Der Großteil der Anwohnerberichte ähnelt sich: Es sei in den vergangenen Jahren immer dreckiger geworden, das Drogenelend habe zugenommen, viele fühlen sich nicht mehr sicher.

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„Es hat ein Ausmaß erreicht, welches kaum noch zu ertragen ist“, klagt eine anonyme Anwohnerin. Sie berichtet von Süchtigen, die in Hauseingängen Drogen konsumieren, wiederholten Belästigungen und Prügeleien. „Die Krönung dann letztes Jahr. Meine Tochter ist nachts in der Kirchenallee aus dem Bus gestiegen. Ein alkoholisierter Mann stürmt aus dem Nichts auf sie zu, tritt sie und reißt sie an den Haaren zu Boden“, schreibt sie weiter.

Verdrängung um den Hauptbahnhof: Projekt soll helfen

Direkt neben der angrenzenden Drogenberatungsstelle „Drob Inn“ in der Repsoldstraße 27, soll ein umfangreiches Angebot für abhängige und obdachlose Menschen entstehen. Ziel der verschiedenen Maßnahmen rund um den Hauptbahnhof sei eine nachhaltige Veränderung der Lebenslage und die Vermittlung in eine feste Unterkunft, so die Sozialbehörde. So sollen auch die angrenzenden Viertel langfristig entlastet werden.

Seit rund zwei Jahren greifen die Behörden am Hauptbahnhof streng durch. „Quattro-Streifen“ aus Sicherheitspersonal von Hochbahn und Deutscher Bahn sowie Landes- und Bundespolizei patrouillieren und setzen das Waffen- und Alkoholverbot durch. Diese Maßnahmen haben laut Polizei dazu geführt, dass es am Bahnhof sicherer geworden ist. Dafür verlagern sich die Probleme in die umliegenden Viertel wie St. Georg und Hammerbrook.

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Die Anwohner im Forum sind allerdings noch skeptisch, ob ihre Situation und die der abhängigen Menschen mithilfe der Maßnahmen tatsächlich verbessert wird. „Mir macht das alles ziemlich Angst“, gibt ein Anwohner diesbezüglich zu. „Es ist traurig, dass mein Stadtteil, einer der kleinsten in Hamburg, die größten Probleme hat.“

Drogen, Elend, Süchtige – Die Anwohner von St. Georg sind sich fast alle einig: Die Lage in ihrem Stadtteil wird immer schlimmer. Viele von ihnen mussten bereits Erschreckendes erleben – wie Ronja, deren zweijährige Tochter auf dem Spielplatz plötzlich eine blutige Spritze im Mund hatte …