Mehr Stellen für Hamburgs Jugendämter – aber reicht das?

Die Stadt hat 30 neue Stellen für den Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) in Hamburg angekündigt. (Symbolbild)
Die Stadt hat 30 neue Stellen für den Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) in Hamburg angekündigt. (Symbolbild)

Die Stadt will den Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) stärken. 30 neue Stellen für die bezirklichen Jugendämter kündigte die Bildungsbehörde am Donnerstag an. Ziel sei es, Familien früher zu erreichen – direkt dort, wo Kinder leben, lernen und aufwachsen. Doch in der Opposition gibt es Zweifel: Lassen sich die Stellen überhaupt besetzen? Und wie belastet ist der ASD aktuell?

„Die Fachkräfte der Allgemeinen Sozialen Dienste sollen noch näher am Alltag der Familien sein“, sagt Familiensenatorin Ksenija Bekeris (SPD). Durch die Zusammenarbeit mit Eltern, Kitas, Schulen, Einrichtungen und Vereinen in den Sozialräumen sollten starke Netzwerke entstehen. Zusätzliche Stellen sollen mehr Zeit für Kinder, Jugendliche und Familien schaffen – vor allem in der Arbeit vor Ort. Entscheidend sei, dass die Kräfte des ASD „auch im direkten Kontakt zu den hilfebedürftigen jungen Menschen stehen. Nur dann können sie einen wirksamen Hilfeplan für junge Menschen aufstellen, der ihnen ein gutes Aufwachsen in Hamburg ermöglichen soll.“

Jugendämter in Hamburg: Überlastung ist seit Jahren Thema

Der ASD ist die zentrale Anlaufstelle der Jugendämter. Hier werden Familien in Krisen beraten und begleitet, hier greifen Fachkräfte ein, wenn das Kindeswohl gefährdet ist. Doch seit Jahren berichten Beschäftigte eindringlich von Überlastung und üben scharfe Kritik am System. Ende 2024 wertete die Gewerkschaft Verdi Interviews mit Mitarbeitenden aus. Das Ergebnis: In den 46 Hamburger ASD-Teams fehlten nach Gewerkschaftsangaben rund 230 Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen sowie 92 Verwaltungsfachkräfte. Auch die Behörde ist derzeit dabei, den Personalbedarf neu zu bemessen. Ergebnisse soll es 2026 geben.

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Wie angespannt die Lage derzeit ist, zeigt auch die Senatsantwort auf eine Anfrage der CDU-Abgeordneten Silke Seif. Die Antwort, die der MOPO vorliegt, zeigt, dass der ASD schon jetzt unterbesetzt ist. Denn während 2025 eigentlich 502 Stellen eingeplant sind, sind nur 470 Vollzeitstellen besetzt. Krankheits- und sonstige Ausfallzeiten sind seit 2023 leicht gestiegen.

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Zudem gibt es eine hohe Fluktuation, also Abgänge und Neueinstellungen. Viele Fachkräfte verlassen den ASD vor dem Rentenalter, mehr als noch in den Jahren 2019 oder 2020. Gleichzeitig steigt der Anteil von Mitarbeitern mit weniger als einem Jahr Berufserfahrung. Junge Kollegen müssen allerdings erst eingearbeitet und qualifiziert werden, bevor sie Beratungen durchführen können. Auch das wirkt sich auf die Arbeitsbelastung aus.

Die durchschnittliche Fallzahl pro Vollzeitstelle liegt hamburgweit übrigens bei rund 44 laufenden Fällen. Die Behörde weist jedoch darauf hin, dass die Aussagekraft der reinen Zahl aufgrund der stark unterschiedlichen Fälle eingeschränkt sei.

Kinder- und Jugendschutz: CDU vermisst Strategie zur Besetzung

Können diese Probleme durch mehr Stellen behoben werden? Die CDU-Abgeordnete Seif vermisst eine Strategie, „wie der rot-grüne Senat die zusätzlichen 30 Stellen im ASD besetzen will, die kurz vor der Expertenanhörung medial angekündigt wurden“. Es sei „fünf vor zwölf in der Kinder- und Jugendhilfe in Hamburg“. Es brauche nachhaltige Verbesserungen und Planungssicherheit – „nicht nur kurzfristige Gesten“. Am Freitag wird die Lage im Kinder- und Jugendschutz in Hamburg im Familienausschuss im Rathaus besprochen.

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Berit Ehmke, Verdi-Fachsprecherin für Erziehung, Bildung, Soziale Arbeit, begrüßt die neuen Stellen. Sie sagt aber auch: „Die Kinder- und Jugendhilfe ist in einer massiven Krise. Der ASD ist unterbesetzt und diese Stellen mehr reichen hinten und vorne nicht.“ Die neuen Stellen dürften nicht mit der noch laufenden Personalbemessung verrechnet werden. Zudem fordert Ehmke, dass Bezahlung und Entgelte steigen, um vakante Stellen auch besetzen zu können.