Mehr queerfeindliche Gewalt im Norden: „sicherheitspolitisches Staatsversagen“

Pride-Flagge
Die Pride-Flagge wird jährlich zum CSD am Hamburger Rathaus gehisst (Archivbild).

Immer mehr Anfeindungen und Angriffe auf queere Menschen im Norden: Darauf weisen Statistiken hin. Der Anstieg könnte teils auch mit dem Meldeverhalten zusammenhängen. Politisch sticht eine Richtung hervor.

Die Anzahl registrierter Straftaten gegen queere Menschen ist im Norden gewachsen. 166 entsprechende Straftaten wurden im vergangenen Jahr nach Angaben der Polizei in Hamburg gezählt. 2024 waren es demnach 149 und im Jahr davor 98.

Queerfeindliche Gewalt: Zahlen steigen

Die Zahlen stammen aus dem Bereich Politisch Motivierte Kriminalität und beziehen sich auf Hasskriminalität mit den Themen „sexuelle Orientierung“ und/oder „geschlechtsbezogene Diversität“. Dazu zählen etwa Taten gegen homo- oder transsexuelle Menschen.

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Das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein (LKA) kann nach eigenen Angaben als jüngste Zahlen nur Daten bis 2024 liefern, weil der Verfassungsschutzbericht für das vergangene Jahr noch nicht vorgestellt wurde. 2024 war demnach „ein starker Anstieg im Vergleich zum Vorjahr 2023 zu verzeichnen“. 105 entsprechende Straftaten wurden demnach gezählt – 68 waren es im Jahr 2023.

Viele Taten aus dem rechten Spektrum

Zu den in Hamburg und Schleswig-Holstein erfassten Taten gehören etwa Beleidigungen, Volksverhetzungen, Sachbeschädigungen, aber auch Gewaltdelikte. Auch Taten im Internet werden berücksichtigt.

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In Hamburg wurden 2025 und 2024 die meisten queerfeindlichen Straftaten politisch dem rechten Spektrum zugeordnet. 2023 liefen die meisten entsprechenden Taten unter „sonstige Zuordnung“. In Schleswig-Holstein war „sonstige Zuordnung“ 2024 die häufigste Kategorie, gefolgt von „rechts“.

Das LKA schrieb, der starke Anstieg könne „auch mit der Sensibilisierung in der Bevölkerung bezüglich des Themas und einer erhöhten Anzeigebereitschaft erklärbar sein“.

Queerfeindliche Straftaten: Zahlen verzehnfacht

Auch auf Bundesebene gab es in den vergangenen Jahren einen Anstieg queerfeindlicher Straftaten. Im Mai 2025 hatte das BKA mitgeteilt, dass sich die Zahl der Straftaten im Bereich „Sexuelle Orientierung“ und „Geschlechtsbezogene Diversität“ seit 2010 nahezu verzehnfacht hat – darunter oft Beleidigungen, Gewalttaten, Volksverhetzungen sowie Nötigungen und Bedrohungen.

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Der Verband Queere Vielfalt (LSVD+) beklagt ein Versagen staatlicher Behörden. „Jeder einzelne Fall ist für eine freiheitliche Gesellschaft beschämend“, sagte Bundesvorstand Andre Lehmann der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Die Bundesrepublik schaffe es nicht, für die Sicherheit queerer Menschen zu sorgen, bilanzierte Lehmann vor dem internationalen Aktionstag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie an diesem Sonntag. „Das kritisieren wir als sicherheitspolitisches Staatsversagen.“ (dpa/esk)