Mega-Projekt Oberbillwerder: Zeitplan steht – doch plötzlich gibt es ein Problem

Visualisierung von Oberbillwerder
Eine Visualisierung von Oberbillwerder.

„Oberbillwerder ist ein toller Stadtteil und er wird kommen“: Das sagte Hamburgs Bausenatorin Karen Pein (SPD) im MOPO-Interview, kurz bevor der Senat das Projekt im Oktober 2024 an sich zog – oder auf Verwaltungsdeutsch: „evozierte“. Das bedeutet, dass die Entscheidungen darüber nicht länger auf Bezirksebene in Bergedorf getroffen werden (wo das Projekt auf der Kippe stand), sondern vom Senat. Der beschloss auch prompt den Bebauungsplan für Hamburgs umstrittenen 105. Stadtteil, doch jetzt gibt es plötzlich doch noch ein Problem – mal wieder.

Wenn man vom Mittleren Landweg auf einen kleinen Fußweg einbiegt, sieht man das „Problem“, das ganz am äußeren Rand des insgesamt 150 Hektar großen Gebiets liegt. Entlang dieser Reihe stehen mehrere Bäume dicht zusammen. Bislang gingen die Behörden davon aus, dass es sich bei dieser Baum-Ansammlung um ein Gehölz handelt, doch das wurde jetzt noch einmal neu bewertet und – „tadaa“: Das Gehölz wurde zu einem Wald befördert.

Projekt Oberbillwerder: Ein Gehölz wird zu einem Wald

Was ist der Unterschied? Ein Wald hat im Gegensatz zu einem Gehölz zusätzlich eine Erholungs- und Schutzfunktion und muss bei einer Fällung anders ausgeglichen werden. Denn weg muss ein großer Teil der Bäume auf den insgesamt 3,3 Hektar großen Flächen so oder so, egal ob sie jetzt Teil eines Gehölzes oder Waldes sind. Dort sollen später unter anderem Kleingärten oder öffentliche Grünflächen entstehen.

Ein großer Teil dieser Bäume soll für den neuen Stadtteil Oberbillwerder weichen.
Ein großer Teil dieser Bäume soll für den neuen Stadtteil Oberbillwerder weichen.

Wo die Ausgleichsflächen genau sein werden, steht noch nicht fest. Die Umweltbehörde befindet sich dazu noch in der finalen Abstimmung, man habe diesbezüglich auch Flächen in Niedersachsen im Blick.

Damit die Baum-Ansammlung auch korrekt als Wald ausgeglichen wird, muss allerdings der schon im März in Kraft getretene Bebauungsplan noch einmal geändert werden. Im Behörden-Deutsch nennt man das ein „ergänzendes Planverfahren“, mit dem der Fehler im Bauplan korrigiert werden kann.

Öffentlichkeit noch einmal beteiligt bei Oberbillwerder

Dafür gibt es im August noch einmal eine Beteiligung der Öffentlichkeit: Für vier Wochen werden die Unterlagen digital im Internet veröffentlicht und auf Papier in den Räumen der Baubehörde ausgelegt. Dann haben die Bürgerinnen und Bürger Zeit, eine Rückmeldung zu geben. Bleibt zu hoffen, dass diesmal auch alle nötigen Anhänge veröffentlicht werden. Im Mai 2024 kam es bei der Auslegung der Oberbillwerder-Pläne zu einer peinlichen Panne: Zwei Gutachten waren nicht einsehbar gewesen, sodass alles wiederholt werden musste.

Eine Sache ist den Verantwortlichen wichtig: Bei der Öffentlichkeitsbeteiligung geht es nur um die drei kleinen Baumflächen – und nicht um das gesamte Projekt. „Das ergänzende Verfahren wird nach unseren heutigen Einschätzungen keinen Einfluss auf inhaltliche oder zeitliche Planungen haben“, kündigte Kay Gätgens, Chef der städtischen Baugesellschaft IBA, an. Im Herbst soll das Verfahren abgeschlossen sein.

Das ist der Zeitplan für das Projekt Oberbillwerder

Ende des Jahres wird auf dem bisherigen Fußweg neben dem Mittleren Landweg dann mit dem Aufbau der ersten Baustraße für das gigantische Projekt begonnen. Bevor es voraussichtlich 2029 mit dem Bau der Gebäude losgeht, müssen allerdings erst einmal insgesamt eine Million Kubikmeter Sand verteilt werden.

„Der Sand wird nach und nach auf den Flächen für die künftigen Straßen verteilt und muss sich dann monatelang festsetzen. Wir bauen hier in der Marsch und müssen sicherstellen, auf einem festen Untergrund zu bauen“, so Gätgens. Woher der ganze Sand kommt, steht allerdings immer noch nicht fest. Gätgens antwortete vage, dass dieser im „Laufe des Verfahrens nach und nach“ besorgt werde.

Gegen Oberbillwerder gab es immer wieder Proteste

Oberbillwerder soll auf 118 Hektar nördlich von Allermöhe buchstäblich auf der grünen Wiese entstehen. 6000 bis 7000 Wohnungen sind geplant, vier Schulen, 14 Kitas und 5000 Arbeitsplätze. Der Clou: In diesem Stadtteil sollen keine Autos mehr am Straßenrand stehen. Einige Stellplätze wird es trotzdem geben, diese sind aber dem Lieferverkehr und mobilitätseingeschränkten Menschen vorbehalten. Geplant sind dafür elf bis 13 „Mobility Hubs“ mit Parkplätzen, Fahrradwerkstätten, Car-Sharing, aber auch Supermärkten.

Oberbillwerder aus der Luft
Auf dieser Grünfläche in Bergedorf (links im Bild) soll der Stadtteil Oberbillwerder gebaut werden (Archivbild).

Das Projekt ist allerdings von Anfang an umstritten: Die Bergedorfer unternahmen viel, um sich gegen potenziell 15.000 neue Nachbarn und eine Monsterbaustelle vor der Tür zu wehren, verwiesen auf bedrohte Vögel, die im Grünland brüteten. 2021 setzte der Bezirk immerhin eine Verkleinerung um sechs Hektar durch.

Der Verein „Dorfgemeinschaft Billwärder an der Bille“ scheiterte mit dem Vorhaben, den neuen Stadtteil per Volksentscheid zu verhindern. Bei der Bezirkswahl 2024 räumten die Anti-Billwerder-Parteien CDU, Linke und AfD bei den Bergedorfer Wählern ab. Der Bebauungsplan wäre in der dortigen Bezirksversammlung wahrscheinlich durchgefallen, weshalb der Senat das Projekt im Oktober 2024 an sich zog.