Hamburg

„Massive Anfeindungen“: Darum schließt Luciano seinen Laden in der Schanze

Luciano rappt auf der Bühne in der ARENA NÜRNBERGER Versicherung, rechts eine grün beleuchtete Großprojektion.
Rapper Luciano auf seiner „SEDUCTIVE“ Tour im Jahr 2024 (Archivbild).

Das Lokal „Loco Chicken” in der Schanze hat geschlossen - dabei wurde es erst vor einem halben Jahr eröffnet. Jetzt äußern sich die Betreiber gegenüber der MOPO.

Tür zur, Licht aus: Das Lokal „Loco Chicken“ von Rapper Luciano in der Schanze hat geschlossen – dabei wurde es erst vor einem halben Jahr eröffnet. Die Betreiber von „Loco Chicken“ sprechen von massiven Anfeindungen, Bedrohungen und Steinwürfen. Jetzt ziehen sie Konsequenzen.

Bis zur Eröffnung der Filiale Ende November 2025 konnten die frittierten Chicken Wings in Hamburg nur zum Abholen oder Liefern bestellt werden. Das „Loco Chicken” in der Schanze ist der erste Laden mit regulären Sitzplätzen. Derzeit sind die Lichter aus. 

In den Sozialen Medien gibt es bereits Spekulationen darüber, ob der Laden am Schulterblatt nun ganz dichtmacht. Auf einem Zettel an der Tür steht: „Technische Störung: Wir haben außerplanmäßig geschlossen.” Aber wie lange dauert diese Störung und was ist kaputt?

„Loco Chicken” in der Schanze: Anfeindungen und Attacken

„Unser Store im Hamburger Schanzenviertel ist sehr stark gestartet“, sagt eine Sprecherin des Betreibers „Lanch GmbH“ auf Nachfrage. In den ersten vier bis sechs Wochen hätten sie „enorm positives Feedback“ erhalten und die Nachfrage habe die Erwartungen übertroffen.

Schaufenster eines Technikgeschäfts mit gelber Werbung, Straßenspiegelung und vorbeifahrenden Autos.
An der Tür von „Loco Chicken” in der Schanze hängt ein Zettel.

Parallel dazu habe es jedoch „massive Anfeindungen aus Teilen des direkten Umfelds“ gegeben. Mitarbeitende seien wiederholt beleidigt und bedroht worden. „Zusätzlich gab es mehrere Fälle von Sachbeschädigung, darunter großflächige Graffiti von mehreren Metern Breite auf unseren Fensterfronten sowie Steinwürfe gegen das Gebäude“, so die Sprecherin weiter.

Neuer Standort für „Loco Chicken“ in Hamburg

Die Sicherheit und das persönliche Wohlergehen der Mitarbeitenden stehe für das Unternehmen über jedem Standort und über jedem wirtschaftlichen Interesse. „Vor diesem Hintergrund haben wir entschieden, den Betrieb im Schanzenviertel einzustellen“, sagt die Sprecherin.


Insgesamt habe es in Hamburg jedoch viel positives Feedback gegeben. Darum soll bald ein Standort an anderer Stelle in Hamburg eröffnet werden. Wo genau das sein wird, ließ die Sprecherin noch offen.

„Loco Chicken“, UK Drill und Verbindungen zu Grauen Wölfen: Das ist Luciano

Luciano heißt bürgerlich Patrick Großmann, wurde 1994 in Bautzen geboren und wuchs in Berlin auf. Seine ersten Songs veröffentlichte der Sohn eines mosambikanischen Vaters und einer deutschen Mutter gemeinsam mit der Berliner „Loco Squad Gang“. Nach Mixtapes wie „12812“ und „Banditorinho“ erschien 2017 sein Debütalbum „Eiskalt“. Mit seiner tiefen Stimme und einem vom britischen Drill geprägten Sound wurde Luciano zu einem der erfolgreichsten deutschen Rapper. Seine Songs „Beautiful Girl“ und „Bamba“ erreichten Platz eins der deutschen Charts, 2022 war er laut Spotify der meistgestreamte Künstler Deutschlands. Auch danach blieb er an der Spitze: Sein Album „Seductive“ stieg 2024 auf Platz eins ein, 2025 veröffentlichte er gemeinsam mit Apache 207 die EP „Gesegnet“.


Luciano ist längst nicht mehr nur Musiker, sondern auch Unternehmer. Der Name „Loco Chicken“ knüpft an seine „Loco Squad Gang“, sein 2018 veröffentlichtes Album „L.O.C.O.“ und die seit Jahren aufgebaute „Loco“-Marke an. 2023 eröffnete die Fast-Food-Kette ihren ersten regulären Laden in Berlin; zugleich wurden die Speisen bundesweit über zahlreiche Partnerrestaurants und sogenannte Ghost Kitchens angeboten. Für Kritik sorgte auch Lucianos Umfeld: Die rbb-Reportage „Rap und Rücken“ thematisierte seine geschäftliche und öffentlich sichtbare Verbindung zu Ertunç Toksöz, der der türkisch-rechtsextremen „Graue Wölfe“-Bewegung zugerechnet wird. Luciano selbst wurde in der Recherche nicht als Rechtsextremist bezeichnet.

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