Marode Mietshäuser: Jetzt geht sogar der Bezirk gegen die SAGA vor

Einige der Balkone an dem Gebäudekomplex in Hamburg-Eimsbüttel sind sichtbar marode.
Einige der Balkone an dem Gebäudekomplex in Eimsbüttel sind sichtbar marode.

Risse im Keller, Risse im Treppenhaus, Risse in den Wohnungen, Schimmel, bröckelnder Putz: Seit Jahren hätten sie all diese Probleme gemeldet, berichteten die SAGA-Mieter des Wohnkomplexes an der Kieler Straße bereits der MOPO. Ein Teil des Gebäudes musste sogar kürzlich geräumt werden – die restlichen Hausnummern sind nach Aussage der SAGA weiterhin bewohnbar. Abgesehen davon scheint es dort aber noch andere Probleme zu geben – immerhin schaltete sich jetzt sogar der Bezirk Eimsbüttel ein.

Mieter klagen über jahrelangen Verfall

„Hier wurde jahrelang nichts gemacht und jetzt haben wir das Chaos“, beschwerte sich Mieterin Michelle G. Anfang August bei der MOPO. „Es gibt Ratten, die sich fröhlich Löcher graben, und an den Außenseiten der Gebäude fällt teils der Putz von selbst herunter.“

Bezirk ordnet Maßnahmen wegen Vernachlässigung an

Letzteres hat inzwischen auch das Bezirksamt Eimsbüttel gemerkt: In einer Anfrage von Linken-Politiker Mikey Kleinert heißt es im schönsten Behörden-Deutsch, gegenüber der SAGA sei eine „Anordnung zur Wiederherstellung ordnungsgemäßer Zustände“ erlassen worden wegen „Vernachlässigung der Instandhaltung.“ Das betrifft die Hausnummern 162 bis 178.

Auf Nachfrage erklärt eine Bezirkssprecherin, dass der Eigentümer (also die SAGA) Sofortmaßnahmen ergreifen musste, „um die gefahrlose Nutzung des Gehweges sicherzustellen“. Zuvor war festgestellt worden, dass sich von Balkonen und Traufen einiges an Putz gelöst hatte, der wiederum auf den Gehweg gefallen war. Die Traufe ist die untere Kante eines Daches, also dort, wo das Regenwasser vom Dach herunterläuft.

Der Putz unterhalb der Traufe bröckelt an den Gebäuden sichtbar ab.
Der Putz unterhalb der Traufe bröckelt an den Gebäuden sichtbar ab.

SAGA: Anordnung betrifft nur den Gehweg

SAGA-Sprecher Gunnar Gläser betont auf MOPO-Nachfrage, dass sich besagte Anordnung ausschließlich auf den Bereich am öffentlichen Gehweg bezog und „nicht in Zusammenhang mit der Bewohnbarkeit des Gebäudes“ steht. Die losen Teile seien bereits von der SAGA entfernt worden, bevor die Anordnung eingetrudelt war.

Hausnummern 180 bis 184 mussten geräumt werden

Die Wohnungen mit den Nummern 162 bis 178 seien weiterhin bewohnbar, fährt er fort. „Es besteht nach aktuellem baufachlichem Kenntnisstand derzeit keine Erfordernis zur Umquartierung der Mieterinnen und Mieter.“ Zur Zeit sei allerdings noch offen, welche Maßnahmen bezüglich des Gebäudes getroffen werden müssten. Die Untersuchungen dauerten an.

Mitte Juli war bekannt geworden, dass die Mieter der Hausnummern 180 bis 184 ihre Wohnungen verlassen müssen, weil dort die Standsicherheit nicht mehr gewährleistet ist. Den betroffenen 23 Haushalten wurden laut SAGA Ersatzwohnungen angeboten. Alle Risse würden engmaschig kontrolliert.

Sanierung oder Abriss? Zukunft des Komplexes offen

Was mit dem gesamten Gebäudekomplex aus dem Jahr 1929 passieren wird, ist noch offen. Im Raum stehen entweder eine Sanierung oder der komplette Abriss mit anschließendem Neubau.