Mahnwache auf der Amandus-Stubbe-Straße 10 in Moorfleet: Rund 80 Menschen legten sich auf die Straße.

Mahnwache auf der Amandus-Stubbe-Straße in Moorfleet: Rund 80 Menschen legten sich auf die Straße. Foto: Marius Röer

Mahnwache in Moorfleet: Trauer um getöteten Radfahrer

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Der Schock sitzt noch immer tief: Am frühen Donnerstagmorgen war in Moorfleet ein Fahrradfahrer überfahren worden. Der Mann war sofort tot. Am Sonntag versammelten sich zahlreiche Menschen am Unfallort, um des Toten zu gedenken – und um eine Mahnwache abzuhalten.

Die Spuren des schrecklichen Unfalls sind noch zu sehen: Kreidezeichen der Polizei markieren die Amandus-Stubbe-Straße in Moorfleet. Dort war in den frühen Morgenstunden des 5. März ein 63-jähriger Radfahrer von einem Lkw-Fahrer beim Abbiegen erfasst und getötet worden. Es war der erste tödliche Fahrradunfall des Jahres in Hamburg.

Ghostbike aufgestellt: Mahnwache für getöteten Radfahrer in Moorfleet

Zum Gedenken an den Getöteten und um auf die Gefahren für Radfahrer im Großstadtverkehr hinzuweisen, versammelten sich am Sonntag um 14 Uhr viele Menschen an der Unfallstelle, die Polizei sprach von rund 100 Teilnehmern.

Es waren Fahrradfahrer, Aktivisten, Bewohner angrenzender Stadtteile, aber auch Bekannte und Angehörige des Toten. Sie brachten Blumen mit, Kerzen und Briefe, die an ein sogenanntes Ghostbike geheftet wurden. Das am Sonntag am Unfallort aufgestellte weiße Fahrrad dient wie an vielen anderen Orten in Hamburg als Mahnmal und Gedenkstätte.

Gedenkstätte für den Toten: Trauernde heften Blumen und Briefe an ein Ghostbike, das am Unfallort aufgestellt wurde. Marius Röer
Gedenkstätte für den Toten: Trauernde heften Blumen und Briefe an ein Ghostbike
Gedenkstätte für den Toten: Trauernde heften Blumen und Briefe an ein Ghostbike, das am Unfallort aufgestellt wurde.

Mit einer Schweigeminute gedachten die Demonstranten des Toten. Dabei legten sie sich und ihre Fahrräder auf die Straße, um diese vorübergehend zu blockieren.

Heftige Kritik: ADFC wirft Senat und Polizei Versagen vor

Eingeladen zu der Veranstaltung hatte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC). Dessen Vertreter warfen dem Senat und der Polizei Versagen vor. So habe es am Unfallort in der Amandus-Stubbe-Straße keine Haltelinie zur Fahrbahn gegeben und auch keine roten Markierungen. „Und das an einem Ort mit hohem Schwerlastverkehrsaufkommen und prinzipbedingt bereits gefährlichem Zweirichtungsradweg“, kritisierte ADFC-Vorstand Thomas Lütke.

„Die Verantwortlichen handeln erst, wenn es zu spät ist und ein Mensch getötet oder schwer verletzt wurde, wie bei den Unfällen im Berner Heerweg, im Heidenkampsweg oder in der Überseeallee“, so Lütke weiter. Und das, obwohl den Behörden Hunderte Hinweise zu Sicherheitsdefiziten auf Hamburgs Straßen vorlägen.

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„Statt zu handeln und die Gefahrenlage zu beseitigen, zählt die Politik lieber Parkplätze, rät die Polizei Radfahrenden zu persönlicher Schutzausrüstung und lädt die Verkehrsdirektion engagierte Bürger*innen lieber zu ‚Gesprächen‘ ins Polizeipräsidium ein.“

Im vergangenen Jahr sind elf Fahrradfahrer auf Hamburgs Straßen ums Leben gekommen. Sie stellten mehr als die Hälfte der insgesamt 21 Verkehrstoten in der Hansestadt dar. Das war der höchste Wert seit 2001. Zuletzt waren 2014 ebenfalls elf Fahrradfahrer ums Leben gekommen. (ng)

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