Mahnmal wird gerettet: Bezirk pflanzt neue Bäume am Kaiser-Friedrich-Ufer
Gute Nachrichten für das zerstörte Mahnmal am Kaiser-Friedrich-Ufer: Der Bezirk Eimsbüttel wird im Herbst neue Bäume auf dem Platz der Bücherverbrennung an der Ecke Heymannstraße am Isebekkanal pflanzen. Bis dahin sollen auch die traurigen Baumstümpfe verschwunden sein, die von den einst prächtigen Blutpflaumen übrig geblieben waren.
Es war ein Schock für die Anwohner, als sie Ende Februar feststellen mussten, dass die sieben Blutpflaumen mit ihren im Sommer tiefroten Blättern verschwunden waren. Der Bezirk hatte die Bäume ohne vorherige Ankündigung abholzen lassen. Als Grund wurde ein akuter Pilzbefall angegeben. Es habe keine Alternative zur Fällung gegeben, hieß es.
Neue Bäume am Kaiser-Friedrich-Ufer
Jetzt steht fest: „Die Bäume am Mahnmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung sollen in der Pflanzsaison Herbst 2026 nachgepflanzt werden“, sagte ein Sprecher des Bezirksamts auf MOPO-Nachfrage. Bei der Baumart habe man sich noch nicht festgelegt. Nur so viel: „Es soll aber wieder eine Baumart mit roter Laubfärbung werden.“
Für die frühere Buchhändlerin Helga Obens, die das Mahnmal vor 41 Jahren gemeinsam mit dem Autor Peter Mathews ins Leben gerufen und zu einem wichtigen Ort der Hamburger Erinnerungskultur ausgebaut hat, sind das gute Nachrichten. „Ich freue mich, dass der Platz wieder in Ordnung gebracht wird“, sagt die 80-Jährige.
Auch, dass es wieder Bäume mit roten Blättern werden, beruhigt Helga Obens. Schließlich steht die Farbe symbolisch für das Feuer, das 1933 von Studenten, viele von ihnen SA-Mitglieder, unter der Parole „Wider den undeutschen Geist“ an fünf Orten in Hamburg entfacht wurde, um Werke von Bertolt Brecht, Erich Kästner, Heinrich Heine, Heinrich Mann, Franz Kafka, Kurt Tucholsky und vielen anderen zu verbrennen.
Marathonlesung aus den verbrannten Büchern: Schüler lesen Texte von Brecht, Kästner, Kafka & Co.
Aktuell ist Obens mit den Vorbereitungen zur alljährlichen Lesung auf dem Platz beschäftigt, die am kommenden Donnerstag stattfindet. Dabei werden ab 11 Uhr und den ganzen Tag über Texte aus den von den Nazis verbrannten und verbannten Büchern vorgelesen.
Den Anfang dieser 26. Marathon-Lesung, die bis 18 Uhr geht, machen die Schülerinnen und Schüler des benachbarten Kaiser-Friedrich-Ufers. Auch das Emilie-Wüstenfeld-Gymnasium und die Ida-Ehre-Schule werden vertreten sein.
Auch Gäste können aus Büchern von im Nationalsozialismus verfolgten Autorinnen und Autoren lesen – ausgewählte Texte stehen für Kurzentschlossene bereit. Helga Obens und ihre Unterstützer rechnen mit bis zu 700 bis 800 Zuhörern.
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„Für mich ist es das Schönste, dass die Veranstaltung weiterlebt und das Gedenken fortgesetzt wird“, sagt Helga Obens. Und was den „Baum-Frevel“, wie sie es im März nannte, angeht, haben sie und die anderen Initiatoren sich etwas ausgedacht: Sie werden Blumen auf die traurigen Stümpfe legen – einmal, um diese zu verbergen, und zum anderen, um dem Neuen, das hier bald blüht, den Weg zu weisen.