Mädchen-Mord auf Hamburger Friedhof gibt bis heute Rätsel auf

Polizisten stehen vor abgedeckter Leiche
Wenige Meter von der Friedhofskapelle entfernt liegt die abgedeckte Leiche.

Vor 60 Jahren fand auf dem Friedhof Mengestraße in Wilhelmsburg die letzte Beerdigung statt. Heute ist die Grünanlage mit den verwitterten Grabsteinen ein wichtiger Teil des Inselparks. Die 1902 errichtete Kapelle wird als „Kulturkapelle“ genutzt. Und genau vor dieser Kapelle ist vor 39 Jahren ein 16-jähriges Mädchen Oper eines Sexualmörders geworden.

Manuela G. war am Abend des 10. März 1983 bei ihrer Cousine zu Besuch gewesen. Gegen 20 Uhr hatte sich das Mädchen auf den Heimweg gemacht. Nur etwa ein Kilometer war es bis zur elterlichen Wohnung. Dieser Heimweg der 16-Jährigen führte am Friedhof Mengestraße vorbei. Es war schon dunkel, als Manuela G. hier ihren Mörder traf.

Friedhof Mengestraße in Wilhelmsburg: Mord an Manuela G.

Unklar ist bis heute, warum das Mädchen auf dem Friedhof gewesen ist. Dazu gibt es verschiedene Theorien. Lockte der Täter die Schülerin unter einem Vorwand auf das verlassene Friedhofsgelände? Oder wendete er Gewalt an, zerrte Manuela G. auf das düstere Grundstück? Die Kripo konnte es nie herausfinden, denn Zeugen gab es keine.

Das opfer
Manuela G. (16) war auf dem Heimweg von ihrer Cousine, als sie ihren Mörder traf.

Am nächsten Morgen führte ein Passant seinen Hund auf dem Friedhof aus. In unmittelbarer Nähe der Backsteinkapelle entdeckte er die Schülerin und alarmierte entsetzt die Polizei. Auch ein Notarzt traf ein, konnte nur noch den Tod des Opfers feststellen.

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Die Mordkommission rückte an. Die Kripobeamten sicherten am Tatort unweit eines großen neogotischen Grabkreuzes einen etwa zehn Kilogramm schweren Stein. An dem befanden sich Blutanhaftungen. Mit großer Wahrscheinlichkeit hatte der Mörder sein Opfer damit erschlagen, nachdem er es missbraucht hatte.

Mord an Manuela G. nie aufgeklärt

Später klingelten die Beamten an der Wohnungstür des Werkmeisters Alfred G. und seiner Frau, überbrachten dem Ehepaar die furchtbare Nachricht vom Tod ihres Kindes. Die Polizei bat über die Medien um Hinweise, hängte Plakate mit dem Bild des Opfers in Postämtern und Geschäften auf.

Thomas Hirschbiegel am Tatort

Der Autor

Thomas Hirschbiegel (hier am Tatort, dem Friedhof Mengestraße) ist seit 1977 bei der MOPO. Der 62-Jährige war fast 40 Jahre Polizeireporter, schreibt heute als Chefreporter auch über Stadtentwicklung, Autos oder „Lost Places“. An den Mord vor 39 Jahren erinnert er sich kaum noch. „Ich habe diesen Fall im MOPO-Archiv gefunden. Damals war ich vor Ort, habe meine Bilder gemacht und routiniert einen kurzen Text verfasst, weil ich vermutlich gleich weitermusste zum nächsten Kapitalverbrechen in Hamburg. Schlimme Zeiten waren das damals.“

Wirklich brauchbare Hinweise bekam die Polizei jedoch nicht. Später ergab sich ein Verdacht gegen einen Mann. Doch die Indizien reichten nicht einmal für eine staatsanwaltliche Anklage aus. Bis heute gibt der Fall der Mordkommission Rätsel auf und er wird weiterhin als „Unbekanntsache“ in dieser Spezialdienststelle des Landeskriminalamts geführt.