Luxuswohnungen statt Grün: Diese Hinterhof-Idylle soll zugebaut werden
Mitten im dicht bebauten Winterhude bezeichnen die Mieter ihren riesigen Innenhof zwischen der Dorotheen- und Sierichstraße als grünes Idyll: Die Kinder spielen hier im Sommer draußen zusammen auf dem Trampolin oder den Schaukeln, es gibt gemeinsame Grillfeste und Nachbarschaftstreffen. Dieses Idyll ist jetzt allerdings in Gefahr: Die Eigentümerin will genau dort Luxuswohnungen errichten – doch die Anwohner wehren sich. Enttäuscht sind sie vor allem von der Bezirkspolitik in Hamburg-Nord.
„Das ist wirklich ein Unding“, schimpft Roland Lappin und zeigt mit einer weitläufigen Geste auf das betroffene Hofgrundstück. „Im Sommer ist hier alles so schön grün und ein Lebensraum für Eulen, Spechte oder andere Vogelarten.“
Der Hinterhof grenzt auch noch an andere Gärten, die zwar durch Zäune und Hecken voneinander getrennt sind, aber doch eine grüne Einheit bilden. Deshalb kämpfen nicht nur die Mieter in der Dorotheenstraße 75-79 gegen die Pläne der Eigentümerin, sondern auch viele Nachbarn vom Krohnskamp und der Sierichstraße, so wie der 62-jährige Lappin.
Winterhude: Hinterhof soll mit Wohnungen bebaut werden
„Dieser Stadtteil ist schon sehr verdichtet und wir sollten angesichts der Klimakatastrophe eigentlich froh darüber sein, dass es noch solche grüne Flächen in Hamburg gibt“, sagt er. „Hier ist der Grundwasserspiegel bereits sehr hoch – was bedeutet das dann künftig für uns alle bei Starkregen, wenn hier alles versiegelt wird?“
Der Hamburger sorgt sich auch um die alten und hochgewachsenen Bäume, die auf dem betroffenen Hofgrundstück stehen. Vier davon sollen gefällt werden.
Auf der Fläche soll künftig ein viergeschössiger Neubau mit sogar zehn statt wie vorher geplanten acht Wohnungen entstehen. Sprecher Carsten Jonas der zuständigen Hausverwaltung „Wentzel Dr.“ bestätigt der MOPO auf Nachfrage, dass die Eigentümerin bereits eine Baugenehmigung vom Bezirk Hamburg-Nord erhalten hat. Mehr Informationen oder Entscheidungen wolle man derzeit noch nicht verkünden. „Sofern es zu Veränderungen kommen würde, werden wir alle betroffenen Bewohner der Wohnanlage umfassend informieren.“
Die fühlen sich allerdings überhaupt nicht informiert. Ein Mieter der Dorotheenstraße, der namentlich lieber nicht genannt werden möchte, berichtet, dass die Hausgemeinschaft mehrfach versucht habe, sich an die Eigentümerin zu wenden. „Da sind wir aber nur gegen eine schweigende Wand gelaufen.“
Michael Seydel ist wie Roland Lappin ein Nachbar an der gegenüberliegenden Sierichstraße. „Anfang des Jahres haben wir auf Umwegen von den Plänen erfahren“, sagt er. „Daraufhin haben wir uns alle im Quartier zusammengetan.“ Gegen die erteilte Baugenehmigung wollen sie rechtlichen Widerspruch einlegen. Das Bezirksamt ließ eine Anfrage der MOPO unbeantwortet.
Ähnlich unkonkret äußerten sich die Politiker in der Bezirksversammlung am 12. Dezember, als Lappin das Anliegen der Mieter schilderte. „Wir nehmen Ihren Hinweis sehr kritisch auf“, sagte der Grünen-Fraktionschef Timo Kranz damals. „Die genaue Abwägung des Bezirksamtes zwischen Baurecht und Klimaschutz ist uns als Bezirkspolitik in diesem Fall nicht bekannt. Aber tatsächlich ist es immer eine schmerzhafte Entscheidung zwischen Wohnraum und Klimaschutz.“
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Lappin und Seydel können darüber nur ungläubig den Kopf schütteln. „Wie können solche wichtigen Entscheidungen hinter verschlossenen Türen gefällt werden?“, argumentieren sie.
Marco Hosemann von den Linken sprach den Anwohnern indes die Unterstützung seiner Partei zu. „Ich habe nicht den Eindruck, dass es bei diesem Bauvorhaben darum geht, die angespannte Wohnungsfrage zu lösen, sondern da möchte jemand viel Geld mit teuren Wohnungen verdienen“, sagte er.