Mystische Steingräber im Norden – das Geheimnis des Totenkults

MOPO-Reporter Thomas Hirschbiegel in der Grabkammer des Megalithgrabs IV der Oldendorfer Totenstatt
MOPO-Reporter Thomas Hirschbiegel in der Grabkammer des Megalithgrabs IV der Oldendorfer Totenstatt

Am beschaulichen Örtchen Oldendorf am Heide-Flüsschen Luhe führt eine holprige Kopfsteinpflasterstraße hinein in den Wald. Nur ein paar Meter Fußmarsch – und der Wanderer steht vor imposanten Steinriesen. Etwa 3000 Jahre vor Christus haben unsere Vorfahren hier sechs Hünengräber errichtet. Niederdeutsch sagt man dazu auch „Hunebedden“, also Riesenbetten. Das trifft es ganz gut, doch Archäologen sprechen lieber von Megalith-Gräbern. Auf jeden Fall wurden diese Gräber im Rahmen eines urzeitlichen Totenkults errichtet und bedeutende Tote wie Clan-Chefs oder hohe Priester sollten hier eine Ruhestätte für die Ewigkeit erhalten.

Die verwendeten Steine jedenfalls waren tonnenschwer und gerade erst waren unsere Vorfahren sesshaft geworden und hatten das Rad erfunden. Es muss jedenfalls für die Steinzeitbewohner eine Mordsarbeit gewesen sein, mit Seilen und Baumstämmen die Steinriesen zu Haufen zu schichten. Die heute fehlenden Dachsteine wurden vermutlich mit aus Erde aufgeschichteten Rampen nach oben gewuchtet.

Gräberfelder wurden geplündert

Weniger als 1000 solche Gräberfelder gibt es heute noch in Deutschland. Viele von ihnen wurden im Rahmen der Industrialisierung im 19. Jahrhundert abgeräumt und die Steine bei der Befestigung von Hafenanlagen, beim Straßenbau und sogar für die Errichtung von Denkmälern oder Ehrenmalen für Teilnehmer am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 verwendet.

Die sechs großen Hünengräber der Totenstatt sind eingebettet in eine liebliche Heidelandschaft unweit von Amelinghausen.
Die sechs großen Hünengräber der Totenstatt sind eingebettet in eine liebliche Heidelandschaft unweit von Amelinghausen.

Eine nahezu komplett erhaltene Anlage wie die Oldendorfer Totenstatt ist sehr selten. Das Areal ist von der Gemeinde liebevoll hergerichtet worden. Es gibt Schautafeln, eine Schutzhütte und viele Bänke.

Die Autoren

Lost Places

Der Autor: Thomas Hirschbiegel (l.) ging 1977 direkt von der Schule zur MOPO, war erst zehn Jahre Fotoreporter und dann ab 1987 Redakteur mit dem Spezialgebiet Polizei, Architektur und Stadtentwicklung.

Der Fotograf: Florian Quandt begann seine journalistische Tätigkeit beim „Elbe Wochenblatt“, absolvierte ein Redakteurs-Volontariat beim „Pinneberger Tageblatt“ und ist seit 2005 Fotoreporter bei der MOPO.

Vor allem das Megalithgrab IV ist sehenswert, der Besucher kann sogar hinabsteigen ins „Riesenbett“, welches ursprünglich von 108 Umfassungssteinen umgeben war. In der acht Meter langen Grabkammer haben Archäologen auch Keramiken entdeckt, die sich heute im Archäologischen Museum in Oldendorf/Luhe befinden. Dort läuft auch die sehenswerte Dauerausstellung „Wohnungen für die Ewigkeit. 5700 Jahre Oldendorfer Totenstatt“.

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Ein kleiner Geheimtipp zum Schluss: Besuchen Sie die „Totenstatt“ frühmorgens im Herbst, dann wabert hier der Nebel und Lost-Places-Fans können sich herrlich gruseln.

Am beschaulichen Örtchen Oldendorf am Heide-Flüsschen Luhe führt eine holprige Kopfsteinpflasterstraße hinein in den Wald. Nur ein paar Meter Fußmarsch – und der Wanderer steht vor imposanten Steinriesen. Etwa 3000 Jahre vor Christus haben unsere Vorfahren hier sechs Hünengräber errichtet. Niederdeutsch sagt man dazu auch „Hunebedden“, also Riesenbetten. Das trifft es ganz gut, doch Archäologen sprechen lieber von Megalith-Gräbern. Auf jeden Fall wurden diese Gräber im Rahmen eines urzeitlichen Totenkults errichtet und bedeutende Tote wie Clan-Chefs oder hohe Priester sollten hier eine Ruhestätte für die Ewigkeit erhalten.