Hamburg
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Geisterfabrik bei Hamburg: Der Schandfleck von Wedel
Jörg Ruschmeyer von der Firma May & Co. ist ein geduldiger Mann. Seit 13 Jahren schon versucht der Projektentwickler auf dem Gelände der aufgegebenen Elektronik-Firma Possehl in Wedel etwas Vernünftiges zu bauen. Doch man kommt mit der Stadt auf keinen gemeinsamen Nenner – und das Areal an der Rissener Straße 140 ist inzwischen ein Lost Place. Wie geht es jetzt weiter?
Die Fensterscheiben der ehemaligen Possehl-Verwaltung sind alle zertrümmert. Im Inneren sieht es nicht viel besser aus. Seit Jahren schon toben sich auf dem 2,5 Hektar großen Firmenkomplex Graffiti-Sprayer und Randalierer aus. Das 1847 in Lübeck gegründete Unternehmen Possehl hatte hier bis vor etwa 20 Jahren eine Fertigungshalle für Elektronikteile.
2001 sollte die Fabrikation nach China ausgelagert werden. Possehl verkaufte das verkehrsgünstig an der B431 gelegene Areal an den Itzehoer Projektentwickler May & Co. Der präsentierte 2009 seine Pläne, zwölf Millionen Euro zu investieren und auf dem Grundstück einen Baumarkt zu errichten. Betreiber sollte die Kette Obi werden.
Das Problem: Der Wedeler Traditionsbetrieb Bauzentrum Lüchau ist gleich nebenan. Der Chef befürchtete durch die Konkurrenz einen Umsatzeinbruch von 25 Prozent. Diese Auffassung vertraten offenbar auch die Wedeler Stadtobersten, sie schmetterten die Baumarktpläne 2017 ab. Seitdem verfallen die Gebäude auf dem Areal immer mehr.
2020 erklärte die SPD Wedel: „Das Ortseingangsbild unserer Rolandstadt leidet immens unter dieser Entwicklung.“ Die Sozialdemokraten forderten eine Befragung der Wedeler, was sie sich auf dem Gelände wünschen.
Auf MOPO-Anfrage wollte sich der Wedeler Bürgermeister nicht zu den Planungen äußern, verwies an den Grundstückseigentümer. Jörg Ruschmeyer von May & Co. erklärte: „Wir sind weiter dran, dort wird schon noch etwas Sinnvolles passieren. Wir sprechen aktuell mit der Stadt Wedel über alternative Nutzungen.“