Früher ein beliebtes Ausflugsziel in Hamburg: Die Insel der verlassenen Orte
Beim Stichwort Peute haben viele Hamburger wohl erst mal ein Fragezeichen im Kopf. Vielleicht haben Sie von dem Ort schon gehört, einige werden auch wissen, dass einer der größten Industriebetriebe der Stadt hier ansässig ist – die frühere Norddeutsche Affinerie, heute Aurubis. Doch die Peute bietet viel mehr als nur qualmende Schlote, man kann hier geheimnisvolle Ecken, düstere „Lost Places“ und ehemalige Werftanlagen erkunden. Und vor 120 Jahren war das Areal gegenüber von Rothenburgsort sogar einmal ein beliebtes Ausflugsziel.
„Herzlich willkommen auf der Peute“ steht am Eingang der Aral-Tankstelle am Anfang der Peutestraße unweit der Elbbrücken. Die Bezeichnung „Auf der Peute“ ist korrekt, denn das Industriegebiet liegt auf einer Binneninsel. Wer in Richtung Peuter Elbdeich fährt, gelangt schnell an verlassene Orte. Auf einem verblichenen Schild an der Hausnummer 11 steht „Motoren-Rössig“. Doch Motoren werden hier schon lange nicht mehr überholt. Eine große Halle steht leer, Nebengebäude sind nur noch Ruinen. Eigentümer ist die Hamburg Port Authority (HPA) und auf Schildern werden 1000 Euro Bußgeld angedroht, wenn das verwunschene Gelände an der Norderelbe betreten wird. Auf Nachfrage erklärt die HPA, der Abriss steht bevor und dann sollen hier neue Betriebe angesiedelt werden.
Geheimtipp: Der Mini-Bunker am Peuter Elbdeich
Ganz ohne Zäune und Warnschilder kommt dann ein spannender Ort ganz am Ende des Peuter Elbdeichs aus: Über holperiges Kopfsteinpflaster erreicht man einen kleinen Rundbunker mit Schießscharten. Vermutlich war dies einmal eine MG-Stellung, mit der die Einfahrt von der Norderelbe in den Peutehafen gesichert werden sollte. Immerhin gab es auf der Peute bis 1945 diverse „kriegswichtige Betriebe“. Heute bietet sich der Bunker als leicht gruseliges Fotomotiv an: Der Bunker im Vordergrund, Elbbrücken und der halbfertige Elbtower im Hintergrund – sicher keines der typischen Hamburger Postkartenmotive.
Zurück auf die Peutestraße geht es weiter über die Müggenburger Schleuse und in die Müggenburger Straße. Zwischen dicken Felssteinen, die hier irgendwie deplatziert wirken, befindet sich ein kleiner Autofriedhof. Wie wohl ein VW-Transporter der Arbeiterwohlfahrt des „Saale-Holzland-Kreises“ hier gelandet ist? Zwischen Hovekanal und Müggenburger Kanal kann man auf der Hovestraße am gigantischen Aurubis-Gelände entlangfahren. Der Mega-Betrieb nimmt allein 40 Prozent der Peute ein.
Ganz in der Nähe des Haupteingangs dann die einzige Einkehrmöglichkeit auf der Peute: An der Hovestraße 28 befindet sich das kleine Restaurant „Calabria“.
Vor rund 150 Jahren sah das noch anders aus – da gab es „Schramms Gastwirtschaft“ oder das „Peuter Fährhaus“, das um 1900 schon über eine „Motorbootsfähre“ verfügte, die Ausflügler von Rothenburgsort auf die Peute beförderte. Damals prägten reetgedeckte dörfliche Gebäude das Bild der verschlafenen Peute vor den Toren der großen Stadt.
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Doch schon Ende des 19. Jahrhunderts siedelten sich immer mehr Betriebe an und die Reetdachhäuser wurden abgerissen. Spätestens mit der Ansiedlung der Norddeutschen Affinerie ab 1908 war es vorbei mit der Beschaulichkeit auf der Elbinsel.
Zum Schluss noch ein Kuriosum aus dieser Zeit: „Elvira von der Peute“ nannte sich eine wagemutige Artistin, die auf Volksfesten mit einem Gasballon in eine Höhe von rund 500 Metern stieg. Nur mit dem Fuß an einer Strickleiter hängend, pendelte sie dann unter dem Ballon. Bei einem Gewittersturm bei Wohltorf im Herzogtum Lauenburg ging der Stunt schief und „Elvira“ stürzte in den Tod.