Diese „Chinesische Mauer“ ist gar nicht weit von Hamburg

Die Hasenburg am Mühlenbach ist der einzig erhaltene Wachturm der „Lüneburger Landwehr“.
Die Hasenburg am Mühlenbach ist der einzig erhaltene Wachturm der „Lüneburger Landwehr“.

Von der Chinesischen Mauer werde Sie schon einmal gehört haben, vom Hadrianswall oder dem römischen Limes vielleicht ebenfalls. Doch auch vor den Toren Hamburgs gab es vor Jahrhunderten ein ganz ähnliches Bauwerk, natürlich in etwas kleinerem Format. Lesen Sie hier, was es im Mittelalter mit der „Lüneburger Landwehr“ auf sich hatte.

Noch heute nennt sich Lüneburg auch „Salzstadt“, denn auf den Abbau von Salz fußte der Reichtum der wichtigen Handelsstadt. Diese besaß seit 1392 das „Stapelrecht“ und das besagte, dass jeder Kaufmann in einem weitem Umkreis um Lüneburg herum seine Waren drei Tage lang im „Warenhaus“ der Stadt an der Ilmenau anbieten musste. Da dies zu von der Stadt festgelegten Preisen erfolgen musste, waren die reisenden Händler natürlich nicht erfreut über diesen Zwang. Auch um Zölle zu sparen, versuchten die Kaufleute also, Städte wie Lüneburg zu meiden.

Unweit der „Hasenburg“ sind die Reste der „Landwehr“ im Wald noch gut erkennbar.
Unweit der „Hasenburg“ sind die Reste der „Landwehr“ im Wald noch gut erkennbar.

Das gefiel natürlich wiederum den Lüneburgern nicht, und zwischen 1387 und 1484 bauten sie die alte Landwehr im Westen und die neue Landwehr im Osten. So entstand eine ringförmige Wehranlage mit einem Radius von bis zu zehn Kilometern um Lüneburg. Die Lüneburger errichten etwa zwei Meter hohe Wälle, zwischen denen tiefe wassergefüllte Gräben verliefen. Es gab in diesem System nur wenige, oft durch hohe Wachtürme gesicherte Durchlässe.

Händler hassten den Schutzwall

Jeder Händler, der hier nun zwangsweise passieren musste, bekam eine Art „Laufzettel“, den musste er beim „Stapeln“ seiner Ware in Lüneburg abzeichnen lassen und bei der Ausfahrt durch die Landwehr vorzeigen.

Die Autoren

Lost Places

Der Autor: Thomas Hirschbiegel (l.) ging 1977 direkt von der Schule zur MOPO, war erst zehn Jahre Fotoreporter und dann ab 1987 Redakteur mit dem Spezialgebiet Polizei, Architektur und Stadtentwicklung.

Der Fotograf: Florian Quandt begann seine journalistische Tätigkeit beim „Elbe Wochenblatt“, absolvierte ein Redakteurs-Volontariat beim „Pinneberger Tageblatt“ und ist seit 2005 Fotoreporter bei der MOPO.

Doch die Lüneburger Landwehr hatte im unruhigen Mittelalter noch einen weiteren Zweck. Sie war nämlich weit vor der Stadtmauer eine zusätzliche Verteidigungsanlage. Von den Wachtürmen aus waren feindliche Truppen früh erkennbar. Mit lauten Hörnern sind dann die Bewohner in der Stadt gewarnt worden und konnten zu den Waffen greifen. Im Angriffsfall stellte das oft 20 bis 40 Meter breite Landwehr-System auch eine wirksame Reihe von Hindernissen dar, die vor allem feindliche schwere Reiter bei der Überwindung einige Mühe kostete.

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Vor allem in den Ortschaften Vögelsen oder Reppenstedt sind die Reste der alten Wälle und Gräben auch heute noch gut erkennbar. Unweit der Lüneburger Universität „Leuphana“ befindet sich mit der „Hasenburg“ der einzige noch erhaltene Wachturm der „Lüneburger Landwehr“. Das mächtige Bauwerk wurde vermutlich bereits um das Jahr 1450 errichtet. Heute ist der Turm ein beliebtes Ausflugsziel mit Restaurant und Hotel.

Von der Chinesischen Mauer werde Sie schon einmal gehört haben, vom Hadrianswall oder dem römischen Limes vielleicht ebenfalls. Doch auch vor den Toren Hamburgs gab es vor Jahrhunderten ein ganz ähnliches Bauwerk, natürlich in etwas kleinerem Format. Lesen Sie hier, was es im Mittelalter mit der „Lüneburger Landwehr“ auf sich hatte.