Die geheime Siedlung im Hamburger Volkspark
Sie haben Kaninchen und Hühner gehalten, einen Goldfischteich angelegt sowie Obst und Gemüse angebaut: Jahrzehntelang haben ein Dutzend Menschen illegal verborgen im Volkspark (Bahrenfeld) gelebt. Nun stehen ihre sechs Behelfsheime leer und werden bald abgerissen.
Ein Trampelpfad an der Nansenstraße zwischen Autobahn 7 und dem Kleingartenverein 227 („Krieshöhe“) führt zu der geheimen Siedlung. Die Türen der sechs Gebäude stehen offen, im Inneren häuft sich Mäuse- oder Rattenkot, draußen hat sich die Natur das Areal fast schon zurückerobert. Ohne die A7, die unmittelbar an der Siedlung verläuft, wäre das hier die perfekte Großstadt-Idylle.
Doch die Bewohner hat die Autobahn offenbar gar nicht gestört, sie haben sogar eine Holzbank aufgestellt, von der man den fließenden Verkehr auf den vielen Fahrspuren vor dem Elbtunnel bestens beobachten kann.
Bewohner arbeiteten bei der Stadtreinigung
Ein Kleingärtner kommt des Weges und lüftet das Geheimnis dieser ungewöhnlichen Behausungen: „Hier haben seit den 1960er Jahren Mitarbeiter der Stadtreinigung gewohnt. Irgendwie wurde das an dieser abgelegenen Ecke des Volksparks toleriert.“
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Einer der Bewohner wurde sogar ehrfurchtsvoll „Der Förster“ genannt, obwohl er ebenfalls ein „Müllmann“ war. Der Mann zog oft in zünftiger grüner Joppe mit einem Schäferhund durchs Gelände und wirkte tatsächlich irgendwie wie der „Förster aus dem Volkspark“. Wo die ehemaligen Bewohner geblieben sind, ob sie verstarben oder anderswo etwas gefunden haben, konnte die MOPO nicht herausfinden.
Zu der Fläche klärte uns Dirk Sielmann, Geschäftsführer des „Landesbundes der Gartenfreunde“, auf: „Dabei handelt es sich um „Grabeland“. Dort kann Obst und Gemüse angebaut werden, es darf aber nicht bebaut werden.“
Und was wird nun mit dem Gelände? Mike Schlink, Sprecher vom Bezirksamt Altona, sagt, dass nach Abriss neue Kleingärten entstehen sollen. In die Planungen fließt ein, dass dort in den kommenden Jahren die A7 überdeckelt wird und auf dem Deckel weitere Parzellen errichtet werden können.